Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hunderttausende Menschen sind in Bosnien auf der Flucht vor dem schlimmsten Hochwasser seit 120 Jahren. Diese Bewohner von ?amac warten auf dem Vordach ihres Hauses auf Rettung.
+
Hunderttausende Menschen sind in Bosnien auf der Flucht vor dem schlimmsten Hochwasser seit 120 Jahren. Diese Bewohner von ?amac warten auf dem Vordach ihres Hauses auf Rettung.

Hochwasser in Bosnien und Serbien

Hunderttausende auf der Flucht

Das schlimmste Hochwasser seit Beginn der Aufzeichnungen verwüstet ganze Landstriche in Bosnien-Herzegowina und Serbien. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht vor den Wassermassen. Die Behörden warnen vor Minen und dem Ausbruch von Seuchen.

Von Daniel Kortschak

Rund 100.000 zerstörte Häuser, demolierte Schulen und überschwemmte Krankenhäuser: Das Hochwasser, das seit dem Wochenende weite Teile Bosnien und Herzegowinas sowie Serbiens im Griff hat, hat ganze Landstriche verwüstet. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, ein Viertel der rund 3,8 Millionen Einwohner ist ohne Trinkwasser.

Mehrere Dutzend Menschen sind in den Fluten umgekommen. Die genaue Opferzahl stehe noch nicht fest, sagte der bosnische Außenminister Zlatko Lagumd?ija auf einer Pressekonferenz in Sarajevo. Insgesamt dürften die schwersten Überschwemmungen seit Beginn der Aufzeichnungen vor 120 Jahren in Bosnien, Serbien und Kroatien rund 40 Menschen das Leben gekostet haben.

Weniger als ein Vierteljahrhundert nach dem Bosnienkrieg trifft die Naturkatastrophe das arme Land in Südosteuropa, das bis heute unter den instabilen politischen Verhältnissen und schwelenden Konflikten zwischen Bosniaken, Kroaten und Serben zu leiden hat, hart. Viele Menschen, die ihre im Krieg zerstörten Häuser mühsam wieder instand gesetzt haben und sich eine bescheidene Existenzgrundlage aufgebaut haben, stehen nun erneut vor dem Nichts.

"Die materiellen Schäden sind nicht kleiner als die, die vom Krieg verursacht wurden", sagte Lagumd?ija. Es werde Jahre dauern, bis die von den Fluten verursachten Verwüstungen beseitigt seien. Über 2000 Erdrutsche haben Straßen und Bahnstrecken verlegt und Gebäude beschädigt, eine halbe Million Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Besondere Gefahr geht von zahlreichen Kriegsrelikten aus, die durch das Hochwasser an die Oberfläche gespült wurden: Alleine in Bosnien-Herzegowina liegen noch etwa 120.000 Landminen. Sie wurden durch die Fluten teilweise kilometerweit abgetrieben und gefährden jetzt die Bevölkerung und die Rettungskräfte: "Wir haben zwar Kartenmaterial von den Behörden bekommen, auf dem die ursprünglichen Positionen der Minen eingetragen sind, doch das ist durch das Hochwasser eher wertlos geworden. Man müsste nun die Strömung berechnen, um zu wissen, wo in etwa Minen sein könnten", sagte der österreichische Feuerwehreinsatzleiter Robert Pölz gegenüber dem Nachrichtenportal derstandard.at.

Gefährlich werden könnten auch die Kadaver von unzähligen Tieren, die im Hochwasser verendet sind: Die bosnischen Behörden warnen davor, dass mit den steigenden Temperaturen Seuchen ausbrechen könnten und mahnen zu besonderen Hygienemaßnahmen. Gemeinsam mit Veterinären sollen die Rettungskräfte die Tierkörper bergen. Doch noch habe die Rettung von durch das Hochwasser gefährdeten Menschen Vorrang, sagt der österreichische Feuerwehr-Einsatzleiter Pölz.

Zwar sinken inzwischen die Pegel der Flüsse in einigen Regionen wieder, vor allem entlang der Save bleibt die Lage aber dramatisch: "Die Region Ora?je, die den österreichischen Einsatzkräften zugeteilt wurde, ist tiefer gelegen und füllt sich im Moment durch Dammbrüche entlang der Save wie eine Badewanne", so Pölz. Alleine aus Österreich sind über 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Wasserrettung in Bosnien und Serbien im Einsatz. Auch das österreichische Bundesheer half mit Hubschraubern bei der Rettung von Opfern.

Aus Deutschland entsandte das Technische Hilfswerk (THW) Helfer und Material in die Hochwassergebiete. Ein Team aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist seit Montag in der nordostbosnischen Stadt Ora?je im Einsatz. Während sich die österreichischen Einsatzkräfte vorwiegend um die Evakuierung der Bevölkerung kümmern, kämpfen die Einheiten aus Deutschland mit Hochleistungspumpen gegen die enormen Wassermassen: "Wir sind seit dem Nachmittag im Einsatzgebiet und haben die Pumpen aufgebaut. Seit dem frühen Abend laufen sie jetzt“, sagt THW-Teamleiter Kai Gorski. Weitere Einheiten des THW sind auf dem Weg in das Katastrophengebiet.

In Serbien unterstützt ein THW-Trupp aus Nordrhein-Westfalen in der Stadt Kolubara die Pumparbeiten. Auch die tschechische Berufsfeuerwehr ist bereits seit Samstag mit einer Hochleistungspumpe in Serbien im Einsatz. Sie halfen unter anderem dabei, nahe Belgrad das Nikola-Tesla-Kohlekraftwerk, das rund die Hälfte des serbischen Stroms liefert, vor den Fluten zu schützen. Anschließend unterstützten sie die Rettungs- und Aufräumarbeiten in der vom Hochwasser besonders schwer betroffenen Stadt Obrenovac 25 Kilometer südwestlich von Belgrad.

Tschechien schickte außerdem einen Zivilschutz-Experten nach Belgrad, der gemeinsam mit Kollegen aus anderen EU-Staaten und den serbischen Behörden den internationalen Hilfseinsatz koordinieren soll. Nach Bosnien schickt Tschechien außerdem 1100 Notfall-Sets, die Lebensmittel, Verbandsmaterial und Wasser-Desinfektionstabletten enthalten. Auch deutsche Hilfsorganisationen wie etwa der Arbeiter-Samariter-Bund schicken Notfallmaterial nach Bosnien und Serbien.

Insgesamt seien etwa 450 Helfer aus 14 EU-Staaten im Einsatz, sagte EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa in Brüssel. In Serbien helfen auf bilateraler Ebene außerdem die Nachbarstaaten Ungarn und Mazedonien mit Hubschraubern, Booten und Einsatzkräften. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach den Flutopfern in Bosnien-Herzegowina und Serbien ihre Anteilnahme aus. Den Familien der Opfer versprach Merkel die Unterstützung Deutschlands und der EU. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare