Beim Horoskop geht es unter anderem um Tierkreiszeichen, Planeten und das Geburtsdatum.
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Beim Horoskop geht es unter anderem um Tierkreiszeichen, Planeten und das Geburtsdatum.

Sternzeichen und Co.

Das Zeitungshoroskop wird 90

Seit Jahrtausenden treibt Menschen die Frage nach der Zukunft um. Zeitungen haben für ihre Leser vor 90 Jahren eine Lösung gefunden: das Horoskop - ein so umstrittener wie unterhaltsamer Klassiker.

Das Zeitungshoroskop ist Jungfrau. Astrologen, die dem Horoskop selbst die Sterne lesen, sehen schon bei dessen Geburt vor 90 Jahren Hinweise auf seine Bedeutung in den Medien. Damals, am 24. August 1930, sei etwa Merkur am Himmel im Tierkreiszeichen Jungfrau gestanden, erklärt der Vorsitzende des Deutschen Astrologen Verbandes, Klemens Ludwig. Benannt ist der Planet nach dem Götterboten aus der römischen Mythologie, dem Überbringer von Nachrichten. Und Meldungen lassen sich eben auch in einer Zeitung finden.

Das besagte Zeitungshoroskop von 1930 war im britischen „Sunday Express“ erschienen. Es gilt heute als das erste seiner Art. Geschrieben hatte es der Astrologe und Journalist Richard Harold Naylor für die damals drei Tage zuvor geborene britische Prinzessin Margaret. Beim Publikum kamen die Vorhersagen für die Schwester der späteren Königin Elizabeth II. so gut an, dass sich das Horoskop bis heute als feste Rubrik in vielen Blättern etabliert hat.

Für ein Horoskop sind drei Dinge wichtig: Geburtstag, Geburtsort und eine möglichst exakte Geburtsuhrzeit. Damit geben Astrologen für alles und jeden eine Vorhersage, etwa auch für Unternehmen. Gelesen werden sie Ludwig zufolge meist von Frauen jenseits der 50. Für die Vorhersagen analysieren Astrologen Sternbilder am Himmel, die Mythologie der Tierkreiszeichen und die Planetenkonstellationen zum jeweiligen Zeitpunkt.

Forscherinnen und Experten, die sich wissenschaftlich mit dem Weltraum beschäftigen, zweifeln an der Astrologie. Planetenkonstellationen hätten über Menschen oder Vorkommnisse auf der Erde nichts zu sagen, erklärt die Astronomin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg. „Ein Horoskop hat bestenfalls einen Unterhaltungswert, ähnlich dem neuesten Klatsch und Tratsch über Promis oder Royals.“

Zwölf Tierkreiszeichen: Gleichmäßige Einteilung des Himmels ist nicht haltbar

Aus wissenschaftlicher Sicht sei schon die gleichmäßige Einteilung des Himmels mit den zwölf Tierkreiszeichen von Schütze, Löwe, Wassermann und so weiter nicht haltbar. Die Sternbilder sind Liefke zufolge „mitnichten gleich groß“. Die Astrologie sei mit dieser Ansicht in der Antike stehengeblieben.

Zeitungshoroskope werden außerdem für ihre Allgemeingültigkeit kritisiert. Astrologe Ludwig sieht in ihnen eher Unterhaltung - und höchstens einen Einstieg in die Astrologie. Teilweise seien sie von Computern erstellt.

Warum manche trotz der oft sehr allgemeinen Formulierungen daran glauben, hat einen psychologischen Grund: die ewige Suche der Menschen nach Orientierung. Daher würden die Vorhersagen als sehr stimmig wahrgenommen, sagt die Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Annette Schlipphak. „Wir Menschen neigen dazu, allgemeingültige Aussagen auf uns selbst zu beziehen. Dabei knüpfen wir an dem an, was wir über uns wissen, und stellen so eine Verbindung zu den Aussagen her.“ Aus psychologischer Sicht hält Schlipphak die Aussagen von Horoskopen für nicht haltbar.

Man müsse sich einfach darauf einlassen, entgegnet Ludwig den Vorwürfen von Seiten der Wissenschaft. Die Dinge könnten nicht immer kausal erklärt werden. Was die Zukunft der Zeitungshoroskope betrifft, liegt diese eher in den Händen des Medienmarkts. In den 1980er Jahren boomten die Vorhersagen noch, wie der Astrologe sagt. Danach hatten auch sie es mit schwindenden Auflagen schwerer. „Wenn die Printmedien überleben, dann wird auch das Zeitungshoroskop überleben“, so Ludwigs Vorhersage.

Und was hatten vor 90 Jahren die Sterne für die 2002 gestorbene Margaret prophezeit? Ihr Leben werde ereignisreich werden, schrieb Naylor für die später durchaus als feierfreudig bekannte Prinzessin. (dpa)

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