Pastor Olaf Latzel.
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Pastor Olaf Latzel.

Bremen

Homophober Pastor angeklagt

  • vonEckhard Stengel
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Der Geistliche Olaf Latzel muss sich wegen Volksverhetzung verantworten.

Der homophobe Bremer Pastor Olaf Latzel ist wegen Volksverhetzung angeklagt worden. Das teilte die Bremer Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Latzels evangelikale Martini-Gemeinde berichtete auf FR-Nachfrage, dass die Bremer Landeskirche inzwischen ein vorläufiges Verkündigungsverbot gegen den 52-Jährigen verhängt habe.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Gemeindepastor „Homosexuelle generalisierend als Verbrecher und die Homosexualität als Degenerationsform der Gesellschaft“ bezeichnet. Damit habe er zum Hass gegen jene Menschen aufgestachelt, die „von der angeblich allein richtigen zweigeschlechtlichen und heterosexuellen Norm abweichen“. Somit habe er die Menschenwürde dieser Gruppierungen angegriffen.

Andersgläubige diffamiert

Latzel hatte im Herbst 2019 auf einem „Eheseminar“ seiner Gemeinde gesagt: „Überall laufen diese Verbrecher rum von diesem Christopher Street Day, feiern ihre Partys.“ Laut Bibel sei Homosexualität ein „todeswürdiges Verbrechen“, auch wenn man deshalb niemanden umbringen müsse.

„Der ganze Gender-Dreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist zutiefst teuflisch und satanisch.“ Latzel sprach von einer „teuflischen“ Homo-Lobby. Diese Zitate sind belegt durch eine inzwischen entfernte Audiodatei auf seinem Youtube-Kanal, die der FR vorliegt.

Olaf Latzel behauptete später, mit den „Verbrechern“ habe er nur „militante Aggressoren“ gemeint, die ihn und seine Gemeinde wiederholt attackiert und verleumdet hätten. Das habe er bei seinem „Eheseminar“-Vortrag zwar nicht so gesagt, doch sei dieser Bezug klar gewesen.

Latzel entschuldigte sich, falls der Eindruck entstanden sein sollte, er halte alle Homosexuellen für Verbrecher. Seine anderen Äußerungen relativierte er nicht. Vielmehr bestand er darauf, dass Homosexualität wie Geldgier, Rache oder Trunksucht eine Sünde sei. Allerdings gelte: „Nein zur Sünde“, aber „Ja zum Sünder“.

Die Leitung der Bremischen Evangelischen Kirche eröffnete bereits im Mai ein Disziplinarverfahren gegen Latzel, ließ es aber wegen der strafrechtlichen Ermittlungen vorerst ruhen. Daraufhin wurde sie mit Hassbotschaften von Latzel-Anhängern überschwemmt. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte Latzels Äußerungen als „unerträglich“ bezeichnet.

Im Internet kursieren bereits seit Wochen Petitionen für und gegen Latzel. Gegen das Disziplinarverfahren protestierten rund 20 000 Menschen aus dem In- und Ausland, seine Absetzung forderten bisher gut 13 000 Menschen. Bereits 2015 hatte Olaf Latzel Buddhisten, Muslime und Katholiken beschimpft. Damals entschied die Staatsanwaltschaft, dass die Äußerungen noch unter die Religions- und Meinungsfreiheit fielen.

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