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Die britische Wirtschaft freut sich auf die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle.

Royals

Hoffen auf den Meghan-Boom

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Nicht nur Einzelhändler und Maßschneider freuen sich auf die britische Hochzeit des Jahres.

Als Prinz William vor sieben Jahren seine langjährige Freundin Kate Middleton zum Traualtar führte, jammerten britische Wirtschaftsverbände und Unternehmer über einen Produktivitätsausfall von geschätzt 6 Milliarden Pfund – umgerechnet etwa 6,8 Milliarden Euro. Denn für die Hochzeit des zukünftigen Königs hatte die Nation eigens einen Tag frei bekommen. Das Problem stellt sich nicht, wenn Williams jüngerer Bruder Harry und seine US-amerikanische Braut Meghan Markle demnächst vor den Altar treten. Und so herrscht eitel Sonnenschein bei Einzelhändlern und Wirtschafts-Statistikern: Das royale Event dürfte als Meghan-Boom von mehreren Hundert Millionen in die Geschichte eingehen.

Ganz genau wollten es die Marktforscher des obskuren Zentrums für Einzelhandel im ostenglischen Norwich wissen: Sie befragten 1200 Briten und verglichen deren Aussagen mit den Plänen von Einzelhändlern sowie Herstellern von monarchischem Merchandise. Am Ende kam eine runde Zahl heraus: Andenken, Bücher und Sonderdrucke der Zeitungen sowie der Konsum auf den Straßenpartys werde 136 Millionen Euro in die Kassen schwemmen.

Die Vereinigung der Bierbrauer freut sich, je nach Wetter, auf zusätzlich konsumierte Pints: Extra für das Königsevent wurde die Sperrstunde um zwei Stunden verlängert, sodass die Briten und ihre Gäste bis 1 Uhr morgens trinken dürfen. „Das wird sicher das Geschäft beleben“, glaubt Brigid Simmonds von der Pub-Lobby BBPA; Experten rechnen mit Zusatzeinnahmen von 11,4 Millionen Euro. Hingegen ist der Chef der Pub-Kette Wetherspoon mit ihren knapp 900 Häusern weniger optimistisch. Er wolle nicht respektlos sein, beteuert Tim Martin: „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die royale Hochzeit uns weiterhilft.“

Ganz gewiß zählt hingegen das Kleinstädtchen Windsor westlich von London zu den Profiteuren. Die „königliche Gemeinde“ beherbergt das Königsschloss, in dessen Georgskirche am 19. Mai die Trauung vollzogen wird. Von den berichtenden rund 5000 Journalisten werden pro Person und Kamera stolze 685 Pfund (779 Euro) verlangt. Voraussichtlch 50 000 Schaulustige aus Markles amerikanischer Heimat, so die Schätzung der Tourismusbehörde VisitBritain, werden Windsors Straßen bevölkern, ebenso wie mehrere Hunderttausend Briten.

Und weil die Besucher irgendwo unterkommen müssen, sind Hotelzimmer übers Pfingstwochenende in Windsor und London nur noch zu Höchstpreisen zu bekommen. Die Vermietungsplattform Airbnb sagt Bewohnern der königlichen Gemeinde über das Wochenende einen Geldsegen von durchschnittlich 401 Euro für die Preisgabe ihrer vier Wände voraus.

Wer rechtzeitig fürs große Ereignis noch den korrekten Hofknicks oder angemessenen Diener lernen will, ist bei William Hanson richtig. Die frühere Premierministerin Margaret Thatcher beispielsweise habe „immer zu tief“ geknickst, die derzeitige Amtsinhaberin Theresa May sei ebenfalls „borderline“, urteilt der stets korrekt gekleidete Herr mit der quäkenden Stimme. Hanson erteilt auf Anfrage Einzelunterricht in royaler Etikette, zum stolzen Preis, versteht sich. Taktvoll hüllt er sich in Schweigen über seine Kunden, meist ignorante Ausländer.

Wie Meghan Markles Eltern etwa. Ob Doria Ragland und Thomas Markle schon wissen, dass man Königin Elizabeth als „Ma’am“ ansprechen muß, und zwar so, daß es sich mit „ham“ oder „jam“ reimt, also mit hellem Vokal? Der 73jährige Brautvater, von dem lange Zeit gar nicht klar war, ob er wirklich zur Zeremonie kommen würde, hat dieser Tage auf jeden Fall schon mal die Wirtschaft seiner Wahlheimat Mexiko angeregt. In seinem Wohnort Rosarito liess er sich vom einzigen Ortsschneider den wuchtigen Leib vermessen, dabei genauestens beobachtet von neugierigen Paparazzi. Die nicht unerheblichen Maße des Pensionisten würden nun nach London gemeldet, wo sich ein Maßschneider der Sache annehmen werde, meldete das stets gut informierte Boulevardblatt „Sun“.

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