Die Freunde Ahmad und Bader in Syrien.
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Die Freunde Ahmad und Bader in Syrien.

Syrien

Hörst du für mich, lauf ich für dich

Ahmad ist taub, Bader kann nicht gehen. Gemeinsam meistern sie das harte Leben im Bürgerkriegsland Syrien.

Gemeinsam sind Ahmad und Bader unschlagbar, wenn es daran geht, das harte Leben im Bürgerkriegsland Syrien zu meistern. Der gehörlose Ahmad schiebt den querschnittgelähmten Bader im Rollstuhl durch eine Altstadtgasse von Damaskus. „Wir sind ein Team“, sagt Bader el Hadschdschami. „Meine Ohren sind auch seine und seine Beine sind meine.“ Der 28-Jährige kann nicht mehr laufen, seit 2012 ein Schrapnellsplitter sein Rückenmark verletzte.

Die erste Zeit im Rollstuhl war schrecklich für ihn – bis er vor drei Jahren Ahmad Mussa kennenlernte. Der 24-Jährige verlor als Kleinkind durch eine Krankheit Gehör und Stimme. Er hat Bader die Gebärdensprache beigebracht, so dass er für ihn übersetzen kann. „Wir verbringen die meiste Zeit zusammen, ich kann mir mein Leben nicht mehr ohne ihn vorstellen“, sagt der 28-Jährige. Fast täglich sind sie zusammen unterwegs.

An diesem Tag steht Basketball auf dem Programm. Ahmad hilft Bader ins Taxi, das die beiden zum wöchentlichen Training bringt. In der Turnhalle steigt Bader in einen Sportrolli um, das Spiel beginnt. Bader fängt einen schnellen Seitenpass von Ahmad, wirft auf den Korb – und trifft.

„Gehörlose Menschen leben in ihrer eigenen isolierten Welt, und dasselbe gilt für Menschen im Rollstuhl“, erklärt Ahmad in Gebärdensprache, Bader dolmetscht. „Jede Behinderung hat ihre eigene Welt und diese Welten begegnen sich nie. Aber wenn wir uns zusammenschließen, wird die Situation für alle besser.“ Das beste Beispiel dafür sei seine Freundschaft mit Bader, der ihm beigebracht hat, von den Lippen zu lesen.

Ihre enge Beziehung hat den Freunden sogar das Leben gerettet – als eine Granate am Altstadttor Bab Tuma explodierte. „Diesen Tag werde ich nie vergessen“, sagt Ahmad. Er hörte die Detonation nicht und wäre nicht geflohen, hätte Bader ihm nicht zu verstehen gegeben, dass sie sich in Sicherheit bringen müssten. „Ich trug ihn und wir rannten weg“, erzählt Ahmad.

Bader und Ahmad sind zwei der 3,7 Millionen Menschen mit Behinderung in Syrien, viele von ihnen aufgrund des Bürgerkriegs. Die meisten sind arbeitslos. Ein Programm der Vereinten Nationen unterstützt sie, wieder Arbeit zu finden. Auch Bader und Ahmad profitierten davon. Sie bekamen ein Stipendium für eine Berufsausbildung und Profi-Kameras, um später als freiberufliche Fotografen arbeiten zu können. Bader zeigt auf seinem Handy ein Schwarzweißfoto. Es ist nicht von ihm.

„Das Bild wurde vor mehr als hundert Jahren aufgenommen“, darauf ist ein Mann mit geschlossenen Augen, der einen kleineren Mann auf dem Rücken trägt. „Das sind Mohammed und Samir“, Mohammed war blind, Samir gelähmt, gemeinsam schlugen sie sich durchs Leben. Er hoffe, dass diese Geschichte genau wie die von ihm und Ahmad Menschen inspiriere, sich zusammenzuschließen. „Das ist ein Weg, wieder ganz zu werden.“ (Maher al Mounes, AFP)

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