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La Palma

Vulkanausbruch auf La Palma: Das Höllenspektakel dauert an

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Auf La Palma bricht nach 50 Jahren wieder ein Vulkan aus. Die Menschen nehmen es mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen.

La Palma - Was niemand zu sagen wagte, das sagte am Montag die spanische Tourismusministerin Reyes Maroto: Jetzt sei der richtige Moment, sich auf den Weg nach La Palma zu machen, um „dieses wunderbare Spektakel der Natur“ zu betrachten und „etwas Außergewöhnliches zu genießen“. Die kanarische Politikerin Ana Oramas traute ihren Ohren nicht: „Uns ist nicht nach Scherzen“, schrieb sie auf Twitter. Angesichts evakuierter Dörfer und zerstörter Häuser gebe es nur ein Wort, die Lage zu beschreiben: „Tragödie“.

Faszination und Entsetzen liegen nah beieinander. Der Höllenschlund hat sich am Sonntagnachmittag im Süden der Kanareninsel La Palma aufgetan, aber wer die Bilder davon sieht, kann kaum seinen Blick abwenden. „Das werden wir bis zum Grab nicht vergessen“, sagte ein Polizist, der Neugierige davon abhielt, sich das Spektakel aus Feuer und Lärm und Gestank aus nächster Nähe anzusehen.

Vulkanausbruch auf La Palma: Schon hundert Häuser zerstört

Am wenigsten werden es die vergessen, die jetzt ihren Besitz verlieren. Rund hundert Häuser fraß die Lavawalze bis zum Montagnachmittag. Landwirte fürchteten um ihre Bananenplantagen. In Puerto de Naos im Südwesten der Insel wurden für alle Fälle Hotels evakuiert. Das große Glück ist, dass bisher kein Mensch zu Schaden kam. Das Höllenspektakel hatte sich angekündigt.

In der Nacht zu Montag speit ein Vulkan Lava aus in der Gegend von Cabeza de Vaca auf La Palma.

Die Kanarischen Inseln sind Vulkaninseln, im Laufe der Jahrmillionen vor der westafrikanischen Küste aus dem Atlantik emporgeschleudert. Die jüngsten der acht bewohnten Inseln sind La Palma und El Hierro ganz im Westen, und dort brodelt es hin und wieder noch. Zum letzten Mal vor zehn Jahren unter Wasser vor El Hierro. Zu Lande zuletzt vor fünfzig Jahren auf La Palma, nicht weit vom jetzigen Ausbruchsort. Die Natur hat die Insel noch nicht fertig gestaltet und fügt alle paar Jahrzehnte ein paar neue Pinselstriche hinzu. Das wissen die 85.000 Menschen, die auf der Insel leben. Sie kennen die Gefahr, aber fünfzig Jahre sind lang genug, um sie aus dem Bewusstsein zu verdrängen.

Vulkanausbruch auf La Palma: Die Erde brach mit Getöse auf

Doch am 11. September klopfte die Hölle wieder an: Die Seismografen registrierten erste Erdstöße, zunächst in großer Tiefe, dann immer weiter aufsteigend, bis am Sonntag um 15.12 Uhr schließlich die Erde in der Gemeinde El Paso mit gewaltigem Getöse aufbrach, auf mehr als 1000 Meter Höhe im Bergland namens Cumbre Vieja. Im Laufe der Stunden öffente sich die Erde an sieben weiteren Stellen und spie Lava bis zu 500 Meter in die Höhe. Aus der Ferne sah es aus, als würde dort eine Kathedrale aus Feuer gebaut. Noch höher in den Himmel stieg schwarzer Rauch auf, kein Wind bewegte ihn.

Noch vor dem Ausbruch waren die ersten Anwohner:innen mit Gehbehinderung evaukiert worden, danach auch alle anderen, rund 10 000 Menschen sollen es sein. Sie waren vorgewarnt worden, dass sie das Wichtigste zusammenpacken sollten. Es gab keine Panik. Aber dann Tränen bei denen, deren Besitz unter der Lava verschwand. Die wälzte sich erst etwas scheller, dann immer gemächlicher bergab Richtung Meer im Westen, ein gar nicht so gefährlich aussehender Streifen, aber ein gefräßiger. Um acht Uhr abends am Montag sollte er die Küste erreicht haben.

La Palma ist eine Insel für Natur- und Wanderbegeisterte

Spanien lebte an diesem Montag weiter im Bann der Bilder von der Kanareninsel, die manche, aber nicht so viele, vom Urlaub kennen. La Palma ist eine Insel für Natur- und Wanderbegeisterte. Im Norden der Insel liegen auf 2400 Metern Höhe die Sternwarten des Roque-de-los-Muchachos-Observatoriums, einem der besten Orte der Welt für den Blick ins All. Zum Glück für das Observatorium ist der Rauch aus dem Vulkan im Süden in andere Richtung abgezogen, ihre Arbeit sei nicht beeinträchtigt, berichtet ein Sprecher. Auch der Flugverkehr auf La Palma oder den anderen Kanareninseln ist bisher nicht von Rauch oder Asche behindert.

Der Ausbruch vom Sonntag ist der siebte im vergangenen halben Jahrtausend. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit dürfte er noch ein paar Wochen oder Monate andauern. Keine Gefahr besteht aber für die USA. Nach einer 20 Jahre alten britischen Studie könnte ein Vulkanausbruch auf La Palma einen Tsunami an der amerikanischen Ostküste auslösen. Das ist Stoff für Katastrophenfilme. Die Wirklichkeit ist dieses Mal, wie so oft, friedlicher. (Martin Dahms)

Rubriklistenbild: © DESIREE MARTIN/afp

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