+
Das riesige Bauprojekt soll jährlich Millionen von Besuchern anlocken.

Indien

Die höchste Statue der Welt

  • schließen

In Indien wird die weltweit höchste Statue eingeweiht, ein Abbild von Indiens erstem Innenminister Sardar Vallabhbhai Patel. Das teure Projekt stößt allerdings auch auf Kritik.

Acht Jahre lang gestattete sich Indiens gegenwärtiger Premierminister Narendra Modi einen gigantischen Traum. Am morgigen Mittwoch ist es nun endlich so weit: Im Bundesstaat Gujarat, der politischen Heimat des Chefs der hindunationalistischen „Bharatiya Janata Party“ (BJP), wird das höchste Denkmal der Welt eingeweiht.

Die 182 Meter hohe, in Bronze verkleidete „Statue der Einheit“ ist einem Politiker gewidmet, den Premierminister Modi besonders verehrt - dem „eisernen Mann“ Sardar Vallabhbhai Patel, Indiens erstem Innenminister nach der Unabhängigkeit vor mehr als einem halben Jahrhundert.

Narendra Modi selbst war noch Ministerpräsident in Gujarat, als er den umgerechnet rund 400 Millionen Euro teuren Koloss in Auftrag gab. Dabei war Patel, der während seiner Amtszeit die noch in kleinen Fürstentümern herrschenden, überwiegend schwerreichen 500 Maharadschas des Landes unter die Knute der Zentralregierung von Delhi zwang, ein Mitglied der von den heutigen Hindunationalisten verachteten Kongress-Partei.

Er fungierte als Stellvertreter von Indiens erstem Premierminister Jawaharlal Nehru, der sein Land als säkularen Staat betrachtete und damit das Gegenteil der religiös-nationalistischen Vision der Hindu-Rashtra, der Hindu-Nation der herrschenden BJP verkörperte. „Die Hindunationalisten versuchen schon seit Jahren, Patel für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, weil sie keine eigenen Figuren in der Unabhängigkeitsbewegung Indiens haben“, erläutert der Historiker Anirudh Deshpande die Motive für die Verehrung des „eisernen Mannes“.

Doch die höchste Statue der Welt, in deren Umgebung zusätzlich ein Forschungszentrum und ein Drei-Sterne-Hotel für die jährlich erhofften 2,8 Millionen Besucher gebaut wurde, bringt Premier Modi bislang noch wenig Freude. Laut Werbung steht die Statue zwar auf einem Sockel, dessen Steine aus allen Teilen Indiens herangeschafft wurden. Doch die Hälfte des teuren Prestige-Denkmals stammt aus den Kassen des Bundesstaats Gujarat.

„Warum kann die Regierung so viel Geld für ein solches Denkmal ausgeben und kein Geld finden, um uns Landwirte zu unterstützen“, fragt ein Bauer, der in der Nähe des Bronze-Kolosses lebt. Die kleinen Landwirte der Region haben nicht einmal eine funktionierende Bewässerung für ihre Felder, obwohl in der Nähe ein Staudamm gebaut wurde.

Aber die Landwirtschaft in dem südasiatischen Staat gehört längst nicht zu den Prioritäten von Premierminister Modi. Das Wachstum des einstigen Wirtschaftsmotors Landwirtschaft, der immer noch drei Viertel der 1,3 Milliarden Inder ernährt, schrumpfte unter den Hindunationalisten auf karge 1,2 Prozent.

Statt neuen Geldern für die Agrar-Förderung soll es stattdessen im Jahr 2021 einen weiteren Rekord geben. Dann soll in der Nähe der Wirtschaftsmetropole Mumbai eine 212-Meter-Statue zum Gedenken an Chhatrapati Shivari fertig gestellt werden.

Der Maharathi-Herrscher des 17. Jahrhunderts, der auf einem Pferd mit gezogenem Schwert dargestellt werden soll, wird von Indiens Hindu-Nationalisten bewundert, weil er jahrelang gegen die muslimischen Mughal-Herrscher zu Felde zog und von einem eigenen Reich am Arabischen Meer träumte. Den Erbauern ist die polarisierende Nostalgie eine halbe Milliarde Euro wert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion