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Ein Transporter mit der Aufschrift Friedensfahrzeug fährt am Rand des Katastrophengebiets in den Weinbergen entlang.
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Ein Transporter mit der Aufschrift Friedensfahrzeug fährt am Rand des Katastrophengebiets in den Weinbergen entlang. Die Fahrzeuge können oft auf „Querdenken“-Demonstrationen gesehen werden.

Ahrweiler

„Querdenken“-Zentrum nach Hochwasser geräumt – QAnon wittert Verschwörung

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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„Querdenker“ verlassen ihr Familienzentrum im vom Hochwasser stark betroffenen Ahrweiler. Sie sehen sich als Opfer, Verschwörungserzählungen verbreiten sich.

Ahrweiler – Die Polizei hat in dem vom Hochwasser besonders schwer betroffenen Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz die von einer „Querdenkern“-Gruppierung genutzte Grundschule geräumt. Zuvor seien sie von der Stadtverwaltung zur Räumung aufgefordert worden, hieß es weiter. Das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung hatte das sogenannte Familienzentrum bereits vor längerer Zeit schließen lassen. Es war von dem Verein „Initiative Eltern stehen auf“, einer Gruppe von Gegner:innen der Corona-Maßnahmen, betrieben worden.

Polizei und Verfassungsschutz hätten das Wirken der „Querdenker“ seit Beginn der Flutkatastrophe genau beobachtet, erklärte der Koblenzer Polizeivizepräsident Jürgen Süs. „Unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft wurde hier verschwörerisches Gedankengut verbreitet und die Maßnahmen der Hilfs- und Rettungsdienste und der Polizei diskreditiert.“ Dies habe zusätzliche Ängste in der ohnehin stark betroffenen Bevölkerung geschürt.

Ahrweiler: Behörden beobachten „Querdenker“ im Hochwassergebiet weiter

„Auch nach dem Abzug der Querdenker aus der Schule werden wir ihre Aktivitäten weiterhin aufmerksam beobachten“, erklärte Süs. Im Umfeld der Schule sei das Verpflegungsangebot unter anderem mit einer Essensausgabe ausgebaut worden.

Bei der Schließung des umstrittenen Familienzentrums „zur Vermeidung einer im Raum stehenden Kindeswohlgefährdung“ hatte der Präsident des rheinland-pfälzischen Landesamts für Soziales, Detlef Placzek, gegenüber dem SWR erklärt: „Bei aller Not, die vor Ort herrscht, müssen Kinder von qualifiziertem Personal betreut werden.“

Kritik an „Querdenkern“ in Hochwasser-Katastrophenregion

Das Engagement der „Querdenker“ im Katastrophengebiet wurde breit kritisiert. „Ich kann das nur mit Abscheu zur Kenntnis nehmen, dass man hier versucht, aus dem Leid von Menschen Nutzen zu ziehen“, sagte der Parlamentarische Innenstaatssekretär Günter Krings (CDU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Der Verein „Eltern stehen auf“ stritt eine Instrumentalisierung der Hochwasserkatastrophe ab. Der Staat habe sich in der Krise als unfähig erwiesen, man dürfe das Familienzentrum nicht betreiben, „weil deutsche Verwaltungskonstrukte tangiert würden und politische Einstellungen unpassend erscheinen.“ Nachdem der Druck zu groß geworden sei, habe man sich dazu entschieden, sich aus Ahrweiler zurückzuziehen. „Der Entschluss ist uns angesichts der fehlenden Hilfen für Kinder und Familien nicht leicht gefallen“, so die „Querdenken“-nahe Gruppe.

Laut Detlef Placzek hätten in dem Zentrum „schlechte Bedingungen“ geherrscht. So habe es weder Strom noch Wasser gegeben. Zudem habe sich öliger Schlamm auf den Fluren befunden. Grund für die Schließung sei insbesondere die Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Zudem seien die Kinder ohne Erlaubnis dort betreut worden.

„Querdenker“ aus Schule in Ahrweiler geräumt: Verschwörungserzählungen auf Telegram

Einige „Querdenker“ vermuten allerdings andere Hintergründe und verbreiten Verschwörungserzählungen über angeblich geheime Verbindungen zu einem katholischen Orden.

So heißt es in einem QAnon-Channel auf Telegram, dessen Inhalte auch im offiziellen Infokanal von „Eltern stehen auf“ geteilt werden: „Zum Thema Ahrweiler und Umgebung, speziell Räumungsanordung (sic!) Schule: Es gibt noch andere interessante Hintergründe. Die Jesuiten sind dort seit Jahrhunderten äußerst aktiv, haben besondere Beziehungen zur ‚Bildung‘ von Kindern und Jugendlichen, intensive Verbindung zur Schule. Aloisius- Schule! Aloisius war ein ‚Heiliger‘ der Jesuiten.“ Da drängten sich einige Gedanken auf, so die Verschwörungsgläubigen.

Die Polizei hat in Bad Neuenahr-Ahrweiler ein sogenanntes Familienzentrum der „Querdenker“ geräumt. (Archivbild)

Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Konstantin von Notz, bezeichnete das Auftreten von „Querdenkern“ im Katastrophengebiet als „schamlos“. „Querdenker“, Reichsbürger und andere Rechtsextremisten versuchten vor dem Leid der Menschen „ihren persönlichen Tag X zu zelebrieren“, so von Notz gegenüber dem RND. (Tim Vincent Dicke mit AFP/dpa)

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