1. Startseite
  2. Panorama

H&M-Chef kauft englisches Dorf

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der H&M-Chef Stefan Persson kauft das englische Dorf Linkenholt (Bild) für 25 Millionen Pfund.
Der H&M-Chef Stefan Persson kauft das englische Dorf Linkenholt (Bild) für 25 Millionen Pfund. © afp

Das englische Dorf Linkenholt gehört jetzt - bis auf die Kirche - dem Schweden Stefan Persson. Inmitten der Rezession war dem Verkauf ein Wettbieten voraus gegangen. Von Peter Nonnenmacher

Von PETER NONNENMACHER

Wohnungsmakler haben es schwer dieser Tage, im Vereinigten Königreich. Viel ist nicht zu verkaufen, im Zeichen der anhaltenden Kreditkrise. Mit ausgesprochenem Neid müssen Berufskollegen darum letzte Woche nach Hampshire geschaut haben, wo die Makleragentur Jackson-Stops die Champagnerkorken knallen ließ. Ihr gelang es, nicht nur ein wertvolles Herrenhaus an den Mann zu bringen, sondern gleich auch das ganze Dorf mit zu verkaufen, das dazu gehört.

25 Millionen Pfund bezahlte der Schwede Stefan Persson für das Privileg, sich künftig wie ein englischer Kleinfürst, wie ein Aristokrat der alten Sorte, zu fühlen. Zum Gut von Linkenholt, zwischen Andover und Newbury, gehören immerhin ein Manor House aus der edwardianischen Ära, ein Wäldchen, reichlich Farmland, eine Schmiede, ein Cricketplatz, ein Tante-Emma-Laden und 40 Bewohner. Nur die Dorfkirche aus dem 16. Jahrhundert, St. Peter's Church, bleibt weiter im Besitz der Diözese von Winchester. Alles andere, die weltliche Seite Linkenholts, gehört nun Mr. Persson.

Im Grunde war der Kauf natürlich nur ein Klacks für den neuen Herrn von Linkenholt. Der 61 Jahre alte Schwede kommt in der Rangliste der reichsten Leute der Welt an 16. Stelle. Persson, dem die bekannte Modekette H&M gehört, soll über ein Vermögen von elf Milliarden Pfund verfügen. Zehntausende von Beschäftigten in fast tausend Filialen arbeiten für den skandinavischen Krösus, der nicht nur einer der erfolgreichsten Kapitalisten der Erde, sondern auch ein guter Freund des schwedischen Königspaares ist.

Nun hat sich Stefan Persson auch im Reich Elizabeths II. gesellschaftlich in eine günstige Ausgangsposition manövriert. Linkenholt liegt gar nicht so weit von diversen Besitzungen der Windsors entfernt. Auf seinem "anderen" britischen Sitz, bei Marlborough, in der von Aristokraten eh übervölkerten Grafschaft Wiltshire, hat Persson schon in der Vergangenheit gern zur Fasanen- und Rebhuhn-Jagd geladen. Das britische Umweltamt hat dort, einem Bericht der Londoner Times zufolge, Anfang dieses Jahres gerade mal für 53.000 Pfund die Wasserqualität im River Kennet verbessert, der durch Perssons Grundstück fließt. Dem Lachsfang dürfte die Maßnahme voll zugute gekommen sein.

Wettbieten mitten in der Rezession

Für die Bewohner Linkenholts, die ihre Pacht nun an den Schweden zahlen werden, ist es derweil nichts Neues, in feudalen Banden zu leben. Die 78-jährige Betty Smith zum Beispiel arbeitete erst als Magd und später als Köchin im Herrenhaus. Während sie sich nebenher immer um die Kirche kümmerte, versorgte ihr Mann Alan die Farm. Ihre Schwester Elsie schaute nach dem Cricketplatz.

Es ist eine kleine Welt in Linkenholt. Eine Welt, in der die Zeit wahrhaftig stehen geblieben ist. Will man den Bus an der Hauptstraße anhalten, muss man vorher die Busgesellschaft anrufen. Dass der Bus einmal im Schnee stecken geblieben ist, hält der frühere Wildhüter des Dorfes, Ray Smith, für "eins der wichtigsten Ereignisse in den letzten 40 Jahren".

Zu Kriegszeiten schon hat die örtliche Schule für immer dicht gemacht. Betty Smith war eine der Letzten, die sie noch besuchten. Nun hoffen die Smiths, dass "der Schwede" in Linkenholt nicht allzu viel verändern werde. "Es gibt schließlich keinen besseren Ort als diesen", hat Alan Smith neugierigen Reportern schon versichert. Mit dem Hampshire-Gut habe sich Stefan Persson "eine Scheibe echter englischer Geschichte" gekauft, sind dessen alteingesessene Bewohner überzeugt.

Eben das mag der H&M-Eigner im Sinn gehabt haben, als er im Kampf um Linkenholt seinen reichen Konkurrenten Claas Bourghardt ausstach, der sich ein paar Jahre im Herrenhaus eingenistet hatte, nun aber ausziehen muss. Dass es zu einem solchen Wettbieten - mitten in einer bitteren Rezession - gekommen war, konnte den Maklern jedenfalls nur recht sein.

Die Rede ist nun davon, dass Persson das frisch erworbene Gut seinem in London ansässigen Sohn Karl-Johan und dessen Frau Leonie überlassen will. Karl-Johan und Leonie von Linkenholt? Die Namen klingen ja schon mal nicht schlecht, für eine fürstliche Zukunft.

Auch interessant

Kommentare