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Am Chiemsee: Auch deutsche Gewässer wurden untersucht.  afp
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Am Chiemsee: Auch deutsche Gewässer wurden untersucht. afp

Klima

Hitzewellen unter Wasser

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Der Klimawandel fördert auch das Aufheizen von Seen

Der Klimawandel setzt den Meeren, Flüssen und Eismassen zu. Der Meeresspiegel steigt, Hochwasser und Trockenheiten nehmen zu, Gletscher und Eisschilde schmelzen. Dass die Seen ebenso zunehmend in Mitleidenschaft gezogen werden, ist weniger bekannt. Doch auch sie leiden unter der Erwärmung. „Seen-Hitzewellen“ werden laut einer neuen Studie bis 2100 an Intensität und Dauer zunehmen.

Das Forschungsteam modellierte unter Leitung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf 702 Seen weltweit, in Deutschland unter anderem den Chiemsee und den Müritzsee. Es zeigte sich, dass die Folgen davon abhängen, wie stark die Temperaturen noch zunehmen. Derzeit liegen sie im globalen Durchschnitt um 1,25 Grad über dem Wert aus vorindustrieller Zeit.

Im Extremfall – bei ungebremstem Wachstum des CO2- Ausstoßes – würden 2100 laut Weltklimarat IPCC mehr als vier Grad erreicht, was dem bisherigen Temperaturtrend entspricht. „Außergewöhnliche Seen-Hitzewellen werden in Zukunft in vielen Fällen zur Normalität“, sagt der Co-Autor der Studie, Tom Shatwell vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

Im Szenario einer starken Erwärmung könnten bis zu 40 Prozent der untersuchten Seen einen „permanenten Hitzezustand“ erreichen, der sich über das ganze Jahr erstreckt. Weniger Sauerstoff im Wasser und mehr Cyanobakterien und damit giftige Blaualgenteppiche, wären einige Folgen.

Konsequenzen für Menschen

„Schließlich ist auch die biologische Vielfalt bedroht, weil manche in und an Seen lebenden Arten nicht sehr hitzetolerant sind“, so Shatwell. Diese Entwicklung könne die Ökosysteme an die Grenzen ihrer Belastbarkeit treiben, heißt es in der Studie.

Gelingt es aber, die globale Erwärmung bei 1,5 bis zwei Grad zu stoppen, wie im Pariser Klimavertrag angepeilt, fiele auch der Stress für die Seen deutlich geringer aus. Derzeit dauern Hitzewellen dort im Schnitt eine Woche. Ihre Intensität – die Erwärmung gegenüber der Durchschnittstemperatur – beträgt 3,7 Grad.

Bei erfolgreicher Klimapolitik stiege die Dauer bis 2100 „nur“ auf einen Monat und die Intensität um 0,3 auf vier Grad. Bei starker Erwärmung sieht das viel dramatischer aus. Hitzewellen dauern dann im Schnitt über drei Monate, und die Intensität legt um 1,7 auf 5,4 Grad zu.

Dass die Gewässer-Erwärmung auch für Menschen Konsequenzen haben kann, zeigte eine andere UFZ-Studie. Danach können auch in Talsperren die Temperaturen steigen – mit Problemen für die Trinkwasserversorgung.

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