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Robbi (re.) und Tobbi in ihrer Wundermaschine, 1972.

Biosprit

Himbeersaft, der Supertreibstoff

Kein Diesel, kein Super, nicht mal Biosprit: Lange vor E10 gab es schon Ideen, wie man ökologisch korrekt die Welt bereist.

Von Jörg Hunke

Der Treibstoff lagerte im Keller und war ökologisch unbedenklich. Kein Diesel, kein Super, nicht mal Biosprit. Für das Fliewatüüt genügte der Himbeersaft von Tante Paula. 18 Flaschen passten in den Tank, das reichte, um den Motor zu starten, die Rotorblätter in Gang zu setzen und in die Welt zu reisen. Über Straßen, Wälder, aufs Meer hinaus.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat neulich in einem Stern-Interview das Auto der Zukunft als „Fliegzeug“ bezeichnet, das sich wahrscheinlich in drei Dimensionen bewegen können werde. Der Zukunftsforscher Matthias Horx fühlte sich an das Kinderbuch „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ von Boy Lornsen erinnert.

Von wegen Kinderkram

Wer nicht Ende der 60er Jahre groß wurde oder die Kinderbücher nicht hatte, der hat möglicherweise noch nie von dem Flugobjekt gehört, in dem der kleine Junge Tobbi und der Roboter Robbi durch die Welt reisen. Eins ist sicher: das „Fliewatüüt“ – ein eiförmiger, hubschrauberähnlicher Apparat, der fliegen, schwimmen und fahren kann – war seiner Zeit weit voraus.

Denn als Boy Lornsen das Buch 1967 beendete, kostete ein Liter Benzin umgerechnet etwa 30 Cent, an Energiesparen und die Öko-Bilanz dachte niemand. Himbeersaft in den Tank? Das klang damals wirklich nur nach Kinderkram. Heute, in Zeiten des Klimawandels, in denen Ingenieure hektisch nach alternativen und umweltverträglichen Antriebsmöglichkeiten suchen, ist die Idee nicht ganz so abwegig.

Boy Lornsen, der auf Sylt zur Welt kam und dort auch starb, nahm in seinem Buch ein Thema auf, das Kinder Mitte der 60er Jahre sehr beschäftigte: die Mobilität. Michael Ende feierte im Westen mit seinem Roman „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ große Erfolge, während im Osten das Sandmännchen ständig und überall neue Geräte ausprobierte. Die Welt war in Bewegung, die erste Mondlandung stand kurz bevor.

Die perfekte Maschine

Aber niemand hatte eine so perfekte Maschine wie Robbi und Tobbi. Nach 16 Tagen, 23 Stunden und 13 Minuten kehren die beiden Abenteurer nach Tütermoor zurück. „Klick“, sagt der Roboter am Ende zu Tobbi, „lass dir mal durch den Kopf gehen, welche Verbesserungen man noch für das Fliewatüüt erfinden könnte. Bedenke, dass die Technik fortschreitet.“

Der Fortschritt ist manchmal doch nicht ganz so schnell. Zetsche sagte in dem Interview, dass die Entwicklung des Autos noch in den Kinderschuhen stecke. Zur Erinnerung: Lornsens Buch ist vor 41 Jahren erschienen, die Autobauer hätten sich längst was abgucken können.

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