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Lachse können zwar Höhenunterschiede von einigen Metern überwinden – wie hier an einem Wehr nahe Toronto –, aber fünf Meter wie am Fraser River sind auch für Prachtexemplare kaum zu schaffen.

Kanada

Hilfe für die Lachse im Fraser River

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In West-Kanada ist für die Fische der Wanderweg zu Laichgründen durch einen Felssturz blockiert – Behörden erwägen die Rettung durch Hubschraubertransporte.

Die Zeit drängt. Nicht nur für die Lachse, die auf dem Weg sind zu ihren Laichgründen. Die Zeit drängt auch für die Menschen, denen am Wohl der Fische gelegen ist. Denn nach einem Erdrutsch und Felssturz ist der Fraser River, einer der großen Flüsse in Kanadas Westen, blockiert. Erreichen die Lachse nicht bald ihre stromaufwärts liegenden Laichgebieten, droht den Fischbeständen ein verheerender Verlust.

Einige Lachsarten, die die Flüsse als Wanderwege nutzen, sind bereits gefährdet. Ihre Bestände würden nach Einschätzung von Fachleuten drastisch schrumpfen, wenn sie nicht laichen können. „Menschen und Wild sind von diesen Lachsen abhängig, von der Westküste bis in das Landesinnere und zu den Rocky Mountains“, sagte Aaron Hill, Direktor der Watershed Watch Salmon Society dieser Tage der „Vancouver Sun“. Oberhalb des Erdrutsches liegen mehr als fünfzig indianische Gemeinden, deren Ernährung erheblich von den Lachsen abhängt. Sportangler kommen zum Fischen und auch für Bären sind die Lachse ein Festschmaus.

Premierminister Justin Trudeau und British Columbias Regierungschef John Horgan besprachen bei einem Treffen vor wenigen Tagen die Lage. Kanadas Fischereiminister Jonathan Wilkinson erklärte danach, dass die Behörden alles ihnen Mögliche unternehmen wollten, „damit die Lachse ihre Wanderung im Fraser River sicher fortsetzen können“. Eine Möglichkeit der Hilfe, die erörtert wird, sind Transporte mit Hubschraubern: Die Lachse könnten per Helikopter in Behältern über die Barriere geflogen und oberhalb des Erdrutsches ausgesetzt werden.

Der Erdrutsch am Fraser River wurde erst im Juni entdeckt.

Der Erdrutsch mit Felssturz in dem als „Big Bar“ bezeichneten Flussabschnitt hat einen Damm mit einem etwa fünf Meter hohen Wasserfall gebildet. In dem unwegsamen Canyon des Fraser River nördlich des Städtchens Lillooet war er in der zweiten Junihälfte entdeckt worden. Analysen von Satellitenaufnahmen aber deuten darauf hin, dass sich der Erdrutsch bereits im November vergangenen Jahres ereignet haben könnte. So oder so – die Zeit drängt. Die Lachse wandern, einige haben die Barriere bereits erreicht. Nach Berichten aus British Columbia gelang es aber nur einer geringen Zahl starker Lachse, das Hindernis zu überwinden. Lachse können zwar Höhenunterschiede von einigen Metern überspringen – aber fünf Meter sind auch für Prachtexemplare zu schwer.

Bundes- und Provinzregierung haben einen Krisenstab gebildet, und auch die betroffenen indianischen Völker haben sich zusammengetan, um eine Lösung der Krise zu finden. Unterhalb des Damms werden bereits Becken gebaut, in denen sich die Lachse sammeln können. Mehrere Optionen werden geprüft. So könnte durch kontrollierte Sprengung der Damm so weit abgetragen werden, dass er für die Fische wieder passierbar wäre. Dabei müssten zugleich aber Felsen im Fluss liegen bleiben, die den Lachsen die Wanderung nach oben erleichtern würden. In dem instabilen Gelände könnten Detonationen aber auch neue Erdrutsche auslösen. Eine Alternative wäre der Bau einer „Fischleiter“, also einer künstlichen Rinne mit Zwischenbecken, durch die die Fische nach oben schwimmen könnten, oder der Einsatz einer „Lachskanone“: einer Röhre, mit der die Lachse durch Druck in das Gewässer oberhalb des Damms „geschossen“ werden.

Mitarbeiter des Provinzministeriums markieren gefangene Lachse.

Zu den spektakulärsten Alternativen für die Rettung der Lachs gehört aber ihr Transport in größeren Behältern auf Lastwagen oder mit dem Hubschrauber. Der Lastwagen-Einsatz ist angesichts der Unzugänglichkeit des Gebiets nur schwer möglich. Anders sieht es mit dem Hubschraubereinsatz aus. Die Lachse würden in Netze getrieben und dann in Aluminiumbehälter mit sauerstoffreichem Wasser gesetzt. Die Behälter würden danach flussaufwärts geflogen. Informationen, wieviele Flüge notwendig wären, um eine ausreichend große Zahl von Lachsen zu verpflanzen, waren zunächst nicht erhalten. Die Entscheidung für eine der Optionen soll in den kommenden Tagen nach weiteren Untersuchungen des Geländes fallen.

Für das Ökosystem steht viel auf dem Spiel

Die Lachse leben in den Küstengewässern und wandern zum Laichen in ihre Heimatflüsse. Der Königslachs (Chinook Salmon) ist der größte der Pazifiklachse, er kann bis zu 30 Kilogramm schwer werden. Der Rotlachs (Sockeye Salmon) gilt als der beste und wertvollste Lachs. Seinen englischen Namen hat er vermutlich aus der Sprache des indianischen Volks der Küsten-Salish, die ihn „sukkai“ nannten. Hinzu kommt der Silberlachs (Coho).

Für das Ökosystem des Flusses und der Küstenregion steht viel auf dem Spiel, ebenso für die Menschen am Fluss. Die Fische gehören zu ihrem Leben. In der Kultur der indianischen Völker der Westküste spielt der Lachs eine wichtige Rolle. Stewart Phillip, Präsident der Union der Häuptlinge British Columbias, macht deutlich, wie wichtig rasches Handeln nun ist. Der Felssturz von Big Bar sei „eine extreme Krise für unseren geheiligten Lachs und wir haben die Verantwortung, uns um ihn zu kümmern“.

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