Ausgetrocknetes Reservoire: Ein Mann läuft durch das, was eigentlich die Hauptwasserquelle der indischen Millionenstadt Chennai ist.
+
Ausgetrocknetes Reservoire: Ein Mann läuft durch das, was eigentlich die Hauptwasserquelle der indischen Millionenstadt Chennai ist.

Wasser

Hier zu wenig, dort zu viel

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
    schließen

Die Hälfte der Weltbevölkerung könnte 2050 in „Wasserrisikogebieten“ leben – das geht aus einer Analyse der Umweltstiftung WWF hervor. Konkret bedeutet das Mangel für die einen und Fluten für die anderen.

Sauberes Wasser wird global immer knapper – und das bei weiter wachsender Weltbevölkerung. So ist in den letzten 100 Jahren durch menschlichen Einfluss bereits mehr als die Hälfte der Feuchtgebiete der Erde verschwunden. Immer wieder macht das Thema Schlagzeilen.

Zum Beispiel, als 2018 das südafrikanische Kapstadt monatelang unter Wassermangel litt. Im Jahr darauf versiegte dann in der indischen Metropole Chennai für elf Millionen Menschen die Wasserversorgung. Doch die Klimakrise erhöht die Wasserrisiken weiter, denen die Menschen, aber auch die produzierenden Unternehmen ausgesetzt sind – durch mehr Dürren, Überschwemmungen oder verunreinigtes Trinkwasser.

Das zeigt eine Analyse, die die Umweltstiftung WWF jetzt vorgelegt hat. Wird der Klimawandel nicht durch beherzte Maßnahmen gebremst, könnten laut der Untersuchung Mitte des Jahrhunderts bis zu 51 Prozent der Weltbevölkerung in einem Gebiet mit sehr hohem Wasserrisiko leben. Derzeit sind es erst 17 Prozent.

Das heißt: Runde die Hälfte der Weltbevölkerung wäre etwa mit Überschwemmungen, Wassermangel oder schlechter Wasserqualität konfrontiert. „Millionen Menschen sowie zahlreiche Unternehmen sitzen bald auf dem Trockenen oder verlieren ihre Lebens- und Wirtschaftsgrundlage durch Überschwemmungen“, warnt WWF-Expertin Theresa Schiller.

Es sei denn, es werden unverzüglich Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung daran ergriffen. Die Analyse basiert auf dem 2012 entwickelten „Wasserrisikofilter“ des WWF, einem Online-Tool, das es Unternehmen und Finanzinstitutionen ermöglicht, die entsprechenden Risiken für das eigene Geschäft zu bewerten und darauf zu reagieren.

Bewertet werden mit dem „Wasserrisikofilter“ vier Risikokategorien: Knappheit, Überschwemmung, Wasserqualität und Zustand der Ökosystemdienstleistungen. In der aktuellen Auswertung des WWF liegt der Schwerpunkt auf Wasserrisiken in Großstädten.

Stark betroffen sind danach Millionenmetropolen wie Peking, Istanbul und Rio de Janeiro. Viele der gefährdeten Großstädte liegen in China. Weitere Schwerpunkte der Wasserkrise finden sich im Nahen Osten, in Südasien, Südamerika und Afrika. Deutsche Städte kommen Vergleich noch glimpflich davon, da es hierzulande ein hohes Wasserdargebot gibt. Das sei aber kein Grund zu Entwarnung, meint der WWF.

„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie sensibel die Wasserressourcen auch hierzulande sind“, so Schiller. Zuletzt hätten trocken-heiße Sommer und niederschlagsarme Winter regional bereits Engpässe zur Folge gehabt. Kraftwerke und Industrieanlagen, die Hauptwassernutzer in Deutschland, hätten ihren Betrieb zeitweise massiv reduzieren müssen, und viele Kommunen Verbote zur Gartenbewässerung und Befüllung von Swimming-Pools erlassen.

Hinzu kommt, dass viele nach Deutschland importierte Waren in den Herkunftsländern mit einem hohen Wasserverbrauch produziert werden, vor allem Lebensmittel, Textilien und Chemikalien. Ob Tomaten aus Spanien, Obst aus Italien, Kaffee aus Vietnam, Baumwolle aus Ägypten oder Chemierohstoffe aus China - Importeure und Weiterverarbeiter importierten damit auch das Wasserrisiko, hatte die Umweltstiftung bei der Vorstellung des Online-Tools betont.

Expertin Schiller mahnt nun: „Die neue Analyse zeigt, dass wir einen hohen Preis zahlen werden, wenn wir nichts ändern.“ Das Risiko für Wassermangel steige, da in den Städten in Zukunft eher mehr als weniger Wasser verbraucht werde – Stichwort globales Wachstum der Stadtbevölkerung. Zudem müsse vielerorts vermehrt mit Starkniederschlägen und entsprechenden Hochwasserereignissen gerechnet werden.

Allerdings ist es laut WWF noch nicht zu spät, um gegenzusteuern. „Städte können das Extremszenario vermeiden, indem sie sowohl verstärkt ihre Treibhausgasemissionen reduzieren als auch in naturbasierte Lösungen investieren und damit ihre eigene Widerstandsfähigkeit stärken.“

Mehr Grünflächen könnten dafür sorgen, dass Regen wieder im Boden versickert und die Grundwasserspeicher auffüllt. Zudem sollten Flüsse und Feuchtgebiete geschützt werden. Sie wirken als Puffer für Hochwasserspitzen, speichern Wasser sowie Kohlenstoff und haben einen kühlenden Effekt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare