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Hier tanzen die Promi-Töchter

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Von: Axel Veiel

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Schauspieler Mads Mikkelsen mit der schwedischen Schauspielerin Alicia Vikander.
Schauspieler Mads Mikkelsen mit der schwedischen Schauspielerin Alicia Vikander. © REUTERS

In Paris ist der alte Brauch des Debütantinnenball wiederauferstanden - und wird als Event vermarktet. Tanzen darf, wer Geld hat - oder prominente Eltern. Beim diesjährigen Debütantinnenball sind die Töchter der Filmstars Warren Beatty, Jamie Foxx und Mads Mikkelsen dabei.

Einmal die Prinzessin geben, für ein paar Stunden jedenfalls: Das hat was! Und so schlüpfen an diesem Samstagabend in Paris rund zwei Dutzend Mädchen zwischen 16 und 22 Jahren in Ballkleider eines Haute-Couture- oder zumindest Couture-Hauses. Sie lassen sich das Geschmeide eines Schweizer Juweliers anstecken oder umhängen und streben in Limousinen eines französischen Autofabrikanten dem Palais de Chaillot entgegen. Die Küchenmeister sind dort bereits am Werk. Orchestermusiker stimmen Instrumente, damit der Wiener Walzer an die schöne blaue Donau gemahnt und nicht an trübe Gewässer. Und natürlich wartet im Ballsaal ein Kavalier, natürlich im Smoking

Aber damit jetzt keine falschen Hoffnungen aufkommen: Ein Aschenputtel hat keine Chance. Es wird nicht eingeladen. Nicht, dass im 21. Jahrhundert allein blaues Blut die Tore zum vis-à-vis des Eiffelturms gelegenen Palast öffnen würde. Geldadel tut es schon auch. Nicht zu vergessen der Glanz prominenter Eltern. So sind beim diesjährigen Debütantinnenball etwa die Töchter der Filmstars Warren Beatty, Jamie Foxx und Mads Mikkelsen zugegen. Zuvor hatte sich der Nachwuchs von Sylvester Stallone, Bruce Willis und Alain Delon die Ehre gegeben.

Der im 18. Jahrhundert am englischen Königshof entstandene Brauch, geschlechtsreife Mädchen adeliger Herkunft in standesgemäße Kreise einzuführen, hat in Paris tatsächlich überlebt. Genauer gesagt: Er ist wiederauferstanden. Nach den Studentenunruhen von 1968 schien er für immer auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet zu sein.

Alles für den guten Zweck

Fast ein Vierteljahrhundert später versuchte sich die Event-Managerin des Pariser Crillon-Hotels, Ophélie Renouard, erfolgreich an einer Wiederbelebung. Seit 1992 findet der Bal des Debutantes wieder statt, alle Jahre wieder, vier bis fünf Wochen vor Weihnachten.

Die Créatrice des Balls sitzt an diesem Abend in der Bar des Luxushotels Raphael und lacht vergnügt. Was Renouard belustigt, ist die Frage, ob es heutzutage tatsächlich noch angebracht sei, Mädchen aus gutem Hause in die Gesellschaft einzuführen, auf dass sie beizeiten den standesgemäßen Mann fürs Leben finden. „Natürlich nicht“, sagt sie, fügt spöttisch hinzu: „Wo denken Sie hin, in was für einer Welt leben Sie eigentlich?“

Willkommen seien heute Mädchen, über die sich Geschichten erzählen ließen, sagt Renouard. Eine Engländerin habe sie einmal eingeladen die laut eines im „Daily Mail“ erschienen Artikels einen rekordverdächtigen Intelligenzquotienten aufweise. Auf die am Samstagabend ihr Debüt gebende Deutsche Naomi Schröder verweist Renouard. Das Mädchen sei nicht etwa Tochter des Ex-Kanzlers, sondern habe sich durch außerordentliche Fähigkeiten beim Polospiel empfohlen.

Außer Stoff für Geschichten sollte eine Debütantin auch noch Größe mitbringen, Körpergröße. Kleine Mädchen passten nicht in Haute-Couture-Kleider oder machten dort zumindest keine gute Figur, erzählt Renouard. Und Ruhm und Reichtum der Eltern? Da lacht sie nun nicht mehr. Natürlich habe der Ball seinen Preis, sagt sie. Er richte sich unter anderem nach der Zahl der Gäste, die ein Mädchen einlade. Verraten mag sie ihn nicht. Fest steht, dass die Einnahmen wie jedes Jahr an den Verein „Kinder Asiens“ gehen, der den Schulbesuch armer Mädchen finanziert.

Nach drei Walzern werden modernere Klänge den Saal füllen. Ein paar Stunden später ist Schluss mit Glanz und Glitter. Leihgaben wie Ballkleid und Juwelen sind an den Toren des Palasts ihren Besitzern auszuhändigen. Aber das Amüsement geht weiter: In den vergangenen Jahren zogen die Debütantinnen bis zum frühen Morgen durch die Clubs von Paris.

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