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Münstermann kritisiert auch ihr früheres Leben.

Vanessa Münstermann

„Ab heute darfst du hässlich sein“

Drei Jahre nach einem Säure-Anschlag schildert Vanessa Münstermann die Ereignisse in einer Autobiografie.

Das linke Auge zerstört, ein Ohr weggeätzt, die Hälfte von Gesicht und Hals starr und rot entzündet: In den ersten Wochen nach der Säure-Attacke ihres Ex-Freundes glaubte Vanessa Münstermann nicht, dass sie jemals wieder mit einem Mann Zärtlichkeiten austauschen würde. Heute ist die Frau aus Hannover Mutter einer acht Monate alten Tochter. Im Herbst will sie ihre Jugendliebe heiraten. Am heutigen Dienstag erscheint im Rowohlt Taschenbuch Verlag ihr Buch „Ich will mich nicht verstecken“.

Darin beschreibt die Kosmetikerin die Vorgeschichte des Verbrechens, für das ihr Ex-Freund eine zwölfjährige Haftstrafe verbüßt. Sie erzählt von Alpträumen, dem ersten Blick in den Spiegel, der Reha, dem Gerichtsprozess und Beziehungen zu Männern. „Ich habe meine Tagebücher abgegeben, ohne sie vorher noch einmal zu lesen“, sagt die Frau mit den widerspenstigen dunklen Locken. „Da stehen Sachen drin, worüber ich noch gar nicht reden kann. Ich wollte kein Larifari machen. Ich wollte echt sein.“

Mit Angst und Anspannung erwarte sie jetzt die Reaktionen, erzählt die junge Frau – die an diesem Dienstag 30 Jahre alt wird – in einem Café nahe Hannover. Ein Jahr nach dem Anschlag gründete Vanessa Münstermann den Verein „AusGezeichnet“, um Brandopfern und anderen Entstellten zu helfen.

Schlafstörungen und Angst

Das 288-seitige Buch verfasste die junge Frau gemeinsam mit Regina Carstensen, die laut Verlag zuvor mit Autoren wie Torwart Oliver Kahn und Schauspielerin Allegra Curtis gearbeitet hat. In Telefonaten und bei Treffen rekonstruierten beide den Gerichtsprozess, der in den Tagebüchern fehlt. Zudem beschrieb die junge Mutter, wie es ihr mittlerweile geht: „superglücklich, aber chronisch übermüdet“. Ghostwriterin Carstensen sagt: „Mich hat beeindruckt, wie selbstbestimmt sie eigene Entscheidungen trifft und dass sie ein großes Herz für andere hat.“

Ihr eigenes körperliches und psychisches Leiden spielt Münstermann herunter. Schlafstörungen und Angst hat sie seit dem Anschlag, Dutzende Operationen musste sie über sich ergehen lassen, weitere werden folgen. Das Buch sei in erster Linie an ihre Tochter gerichtet, betont die Autorin. Noch immer hat Münstermann Angst davor, dass der Täter sie umbringt, wenn er eines Tages aus dem Gefängnis freikommt. Er schrieb ihr aus der Haft beleidigende Briefe. Im Herbst erstritt Münstermann vor dem Landgericht Hannover in einem Zivilprozess 250 000 Euro Schmerzensgeld. Allerdings ist der inzwischen 37-Jährige den Angaben seines Anwalts zufolge pleite.

Vanessa Münstermann stellt sich in ihrem Buch auch selbst infrage. Sie wirft sich vor, in der sechsmonatigen Beziehung zu dem Täter nicht deutlich früher die Notbremse gezogen zu haben. „Ich bin lachend in die Kreissäge gelaufen“, sagt sie jetzt. Der Mann habe sie mit morgens heimlich in die Brotbox gesteckten Liebesbotschaften eingelullt und später schließlich mit Selbstmorddrohungen unter Druck gesetzt. Erst im Gerichtssaal erfuhr sie von seinen 27 Vorstrafen und seiner von Gewalt geprägten Vergangenheit.

„Mein Tag war von Äußerlichkeiten bestimmt“, kritisiert Münstermann heute ihr früheres Ich. „Meine Wimpern wurden länger und bunter, mein Haar konnte nicht rot und wild genug sein, mein Make-up kleisterte jegliche Mimik zu. Zum Schluss erkannte ich mich selbst nicht wieder“, sagt sie. Es hört sich morbide an, aber insofern sei die Zerstörung ihres hübschen Gesichts letztlich auch eine Befreiung gewesen: „Ab heute darfst du hässlich sein.“

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