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Gebannte Blicke auf eine Projektion der Atomtests im Whitney Museum of American Art 2017 in New York.
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Gebannte Blicke auf eine Projektion der Atomtests im Whitney Museum of American Art 2017 in New York.

Atomkraft

Vor 75 Jahren: Die Atombombe der USA auf das Bikini-Atoll

  • Jakob Maurer
    VonJakob Maurer
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Im Juli vor 75 Jahren testen die USA mehrere Atombomben im Bikini-Atoll. Ein Ende der nuklearen Rüstung ist bis heute nicht in Sicht

Es ist ein zur Ikone gewordenes Sinnbild von Tod und Zerstörung und zugleich ein Anblick, dessen gigantische Ästhetik bis heute fasziniert: Im Juli vor 75 Jahren richtete die US-Armee Kameras aus etlichen Blickwinkeln auf eine Lagune mitten im Pazifik und schuf Bilder von der Menschheit am Scheideweg.

Die Nukleartests der „Operation Crossroads“, wie die Unternehmung genannt wurde, waren ein Ausgangspunkt für den vom Wettrüsten geprägten Kalten Krieg. Im Bikini-Atoll entschlossen sich die Vereinigten Staaten 1946, den Weg der atomaren Bewaffnung unbeirrt weiterzugehen – weniger als ein Jahr nach den verheerenden Abwürfen über Hiroshima und Nagasaki, die nie dagewesenes Leid ausgelöst und den Zweiten Weltkrieg beendet hatten.

Insgesamt 23 Atomtests im Bikini-Atoll: USA starten „Operation Crossroads“

Am 1. Juli um neun Uhr Ortszeit in einem Teil der Marshall-Inseln ging zum vierten Mal überhaupt eine Atombombe in die Luft. „Able“ wurde der Test genannt und wie zuvor in Japan durch einen Abwurf aus der Luft eingeleitet. 22 Tests sollten bis 1958 folgen, bereits dreieinhalb Wochen später, am 25. Juli, der zweite unter dem Namen „Baker“. Diesmal wurde die Bombe unter Wasser gezündet und dabei entstand das nebenstehende Bild, auf das die Besucherinnen und Besucher einer New Yorker Ausstellung im Jahr 2017 blicken – so gebannt und gleichzeitig unbedarft wie es im Moment der Detonation vermutlich niemand tat.

„Kein Mensch hat wirklich gesehen, was im Bikini-Atoll passiert ist.“ So lautet der erste Satz des Bildbands der US-Armee zu den Tests im Sommer 1946. Zwar hatten laut dem Bericht rund 42 000 Menschen in den Wochen zuvor Tausende Kilometer zum Atoll zurückgelegt, um die Sprengungen vorzubereiten und zu verfolgen. „Doch eine Atombombe“, heißt es weiter, „widersetzt sich genauer Untersuchung. Sie entzieht sich dem öffentlichen Blick.“

Atomtests der USA: Die Wolke hatte einen Durchmesser von fast 700 Metern

Erst erhellte Blitzlicht, „um ein Vielfaches heller als die Sonne“ den Tag. In einem Millionstel einer Sekunde. Ihre Augen hatten die kilometerweit entfernten Truppen in den Ellbogen vergraben, um nicht geblendet zu werden. Dann schob die Druckwelle eine kugelförmige Wolke in alle Richtungen, um kurz danach den Blick freizugeben auf die Säule aus Wasser und Dampf – mit einem Durchmesser von fast 700 Metern und einer Höhe von nahezu zwei Kilometern.

Die unbemannten Schiffe waren in der Lagune platziert, um die Wirkung der radioaktiven Wasser- und Druckwellen zu testen. Etliche sanken unmittelbar und lagen noch Jahrzehnte später am verstrahlten Meeresgrund.

Dass trotzdem Zeugnis abgelegt wurde von all diesen Stadien der Atomexplosion, machte die Technik möglich, Tausende Messinstrumente und „Kameras, gebaut, um festzuhalten, was das menschliche Auge nie sehen könnte.“

Die Atombomben der USA: Die Gefahr von damals hält an

Mehr als 50.000 Fotos und 400 Kilometer Film wurden zu Land, Luft und Wasser aufgenommen. Anstelle von Maschinengewehren wurden dafür an Flugzeugen Kameras montiert. Das Bild auf dieser Seite wurde ferngesteuert von einem Turm auf dem Riff des Atolls erstellt. In Bleigehäusen warteten die Fotoapparate auf die Detonation, als die Aufnahme fertig war, schlossen sich Klappen zum Schutz vor der Strahlung.

Bis heute wirken die Bilder als Drohkulisse in zweifachem Sinn: Zum einen als Erinnerung an die unvorstellbare Zerstörungskraft und zum anderen als Mittel in der globalen Machtpolitik.

Stand 2021 verfügen laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri neun Länder – die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea – über 13.080 Nuklearwaffen, rund 2000 davon in Alarmbereitschaft. Das sind 320 weniger als im Vorjahr, wie aus dem Bericht von Mitte Juni hervorgeht. Doch Sipri warnt: „Der globale Abbau einsatzfähiger Sprengköpfe scheint ins Stocken geraten zu sein, und ihre Zahl könnte wieder steigen.“ Die Drohkulisse bleibt bestehen. (Jakob Maurer)

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