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Heuschreckenplagen entstehen vor allem nach ausgiebigen Niederschlägen, die eine Dürreperiode ablösen.

Große Schäden

Heuschreckenplage in Ostafrika

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Die Fluginsekten gefährden die Ernährung von Millionen von Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia. Zumindest vereinzelt wird die Plage in Kenia auch als Strafe Gottes betrachtet.

Dunkle Wolken am Himmel, die wie ein Sandsturm aussehen, sich aus der Nähe betrachtet jedoch als lebendig herausstellen; Millionen von Flügeltieren, die innerhalb von Minuten grüne Felder in eine braune Wüste verwandeln; und Flugzeuge, die notlanden müssen, nachdem sie in einen Schwarm der vierflügeligen Insekten geraten sind. Die Heuschreckenplage, die sich Ende vergangenen Jahres am Horn von Afrika zusammenbraute, hat inzwischen Kenia erreicht.

Dort wurde ein Phänomen vergleichbarer Größenordnung zuletzt vor 70 Jahren beobachtet. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) haben die Insekten bereits „Hunderttausende von Hektar“ Anbaufläche kahl gefressen: In Ostafrika seien deshalb im Lauf dieses Jahres „Millionen von Menschen“ auf Nahrungsmittel angewiesen.

Die gefräßigen Armeen sind in Somalia, Äthiopien und Kenia eingefallen, aber vermutlich werden sie sich noch in weitere Länder verbreiten. 

Das Verbreitungsgebiet der gefräßigen Armeen begrenzt sich in Afrika derzeit noch auf die drei Staaten Somalia, Äthiopien und Kenia: Vermutlich werden die bis zu 150 Kilometer pro Tag zurücklegenden Heuschreckenschwärme allerdings auf Eritrea, den Sudan und Südsudan, auf Uganda, Ruanda und Tansania übergreifen, wie die FAO fürchtet. Auch die Arabische Halbinsel sei von der Gefahr der aus Jemen stammenden Wüstenheuschrecken nicht ausgenommen: Selbst Indien hat derzeit gegen Millionen von Fluginsekten zu kämpfen. Werde man die Plage nicht in den Griff bekommen, könnten sich die Heuschrecken bis Juni auf das 500-fache vermehren, warnen die FAO-Experten: eine Prognose, die selbst biblische Ausmaße übersteigt.

Während sich Kleinbauern mit Pfeifen und Plastiktrommeln erfolglos gegen die Plage wehren, setzt Kenias Regierung aus Flugzeugen gesprühtes Insektenvernichtungsmittel ein. Das schadet allerdings der Umwelt und hilft nicht immer, weil die Heuschrecken oft Immunität gegen das Gift entwickeln. Außerdem verfügt der ostafrikanische Staat nicht über ausreichende Mengen des Vernichtungsmittels: Die FAO rief die Staatengemeinschaft deshalb zur Soforthilfe in Höhe von 70 Millionen US-Dollar auf.

Experten kennen außer chemischen auch biologische Methoden im Kampf gegen die fliegende Plage: Diese sind jedoch eher zur Vorbeugung und weniger für einen bereits akuten Katastrophenfall geeignet. Nach einem 2017 veröffentlichten UN-Bericht sterben in Entwicklungsländern jährlich rund 200 000 Menschen an den Folgen einer Pestizidvergiftung. Manche der in Afrika eingesetzten Insektenvernichtungsmittel sind in Europa verboten.

Zumindest vereinzelt wird die Plage in Kenia auch als Strafe Gottes betrachtet. Thomas Kakala, Bischof der „Jesus Cares Centre Ministries“, macht die politische Führung des Landes für die Katastrophe verantwortlich: Sie sei lediglich durch „ernsthafte Gebete“ wieder aus der Welt zu schaffen. In Äthiopien musste unterdessen eine Boeing 737-700 der staatlichen Fluggesellschaft in der Hauptstadt Addis Ababa notlanden, nachdem sie in einen Heuschreckenschwarm geraten war. Bilder zeigen die wie in Insekten-Muß getunkte Nase der Maschine.

Heuschreckenplagen entstehen vor allem nach ausgiebigen Niederschlägen, die eine Dürreperiode ablösen. In Ostafrika kam es Ende vergangenen Jahres zu heftigen Regenfällen, die auf eine ungewöhnliche Erwärmung des westlichen Teils des Indischen Ozeans zurückzuführen sind. Inwieweit das sogenannte Dipol-Phänomen, das gleichzeitig zur Abkühlung des östlichen Teils des Ozeans und zu den katastrophalen Waldbränden in Australien beigetragen hat, mit der Klimaerwärmung zu tun hat, ist bislang noch nicht ausreichend erforscht.

Ein kenianischer Insektenkenner rief unterdessen dazu auf, die Heuschrecken mit zwischen Flugzeugen gespannten Netzen einzufangen und als Futtermittel für Nutztiere zu verwenden. Die proteinreichen Flügeltiere seien „äußerst nahrhaft“, sagte der Direktor der Entomologischen Gesellschaft des Landes, Muo Kasina.

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