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Armin Laschet (CDU,r) , Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Hendrik Streeck (l), Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, kommen zu einer Pressekonferenz der Landesregierung
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Armin Laschet (r) vertraut in Nordrhein-Westfalen auf den „Expertenrat Corona“. Dabei wird er unter anderem vom Bonner Virologen Hendrik Streeck (l) beraten. (Archivfoto)

Virologe

Streeck vermisst „Langzeitplan“ in Corona-Pandemie – und bestätigt Drosten-Prognose

  • Nico Scheck
    vonNico Scheck
    schließen

Der Lockdown in Deutschland steht vor einer Verlängerung. Virologe Hendrik Streeck vermisst einen „Langzeitplan“ in der Corona-Pandemie – und bestätigt die Befürchtungen eines Kollegen.

  • In wenigen Tagen werden Bund und Länder eine Verlängerung des Corona-Lockdowns besprechen.
  • Sorgen bereiten dabei vor allem die neuen Corona-Varianten.
  • Virologe Hendrik Streeck sieht die Mutations-Argumentation für einen Lockdown skeptisch.

Bonn – Es ist nur wenige Tage her, da sprach Virologe Hendrik Streeck davon, dass man das Coronavirus nicht ausrotten könne. Das war im Interview mit der „Welt“. Was er damit meint, machte er nun im Interview mit „web.de“ deutlich: „In der ersten Pressekonferenz, auf der ich war, habe ich gesagt: Das Virus ist da, wir müssen lernen, mit ihm zu leben.“

Noch immer befindet sich Deutschland im Corona-Lockdown, noch immer ist ein Ende der Pandemie nur schwer auszumachen. Einzig diverse Impfstoffe entfachen Hoffnung auf baldige Besserung. Und, immerhin: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt in diesen Tagen. Es stellt sich also die Frage, ob wir mittlerweile gelernt haben, mit dem Virus zu leben.

Virologe Hendrik Streeck übt Kritik an Corona-Strategie

Streeck weiß auf diese Frage eine klare Antwort. „Das Problem ist nach wie vor, dass wir es nicht schaffen, die Bevölkerung kommunikativ über die nächsten drei Wochen hinaus mitzunehmen. Momentan hangeln wir uns von Verordnung zu Verordnung“, erklärte er bei „web.de“. Was ihm fehlt, ist ein „Langzeitplan“.

Zudem brauche es für die Bewertung des Infektionsgeschehens mehr Maßstäbe als nur die Sieben-Tage-Inzidenz, denn: „Als Arzt interessiert mich vor allem, ob ein Patient krank wird. Deswegen ist es so wichtig, die stationäre und intensivmedizinische Belegung einzubeziehen.“ Zudem sei die Zahl der Neuinfektionen nicht zuverlässig vergleichbar, hänge sie doch von der Testung ab. Fazit: Man brauche „weitere, stabile Parameter“.

Virologe Streeck vermisst einen Langzeitplan in der Corona-Krise (Archivfoto).

Virologe Hendrik Streeck macht deutlich: Corona-Mutante „nur bedingt ein Argument“ pro Lockdown

Dass in Deutschland nach wie vor der Lockdown gilt, befürwortet Streeck. „Da wir nicht genug über das Infektionsgeschehen wissen, bleibt uns gar keine andere Möglichkeit“, betonte der Bonner Mediziner. Es fehle auch schlicht an Daten, was man öffnen könne und was nicht.

Sollte es also beim Lockdown bleiben? Streecks Kollege Christian Drosten hatte zuletzt vor Lockerungen bis Ostern gewarnt, während Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) baldige Lockerungen in Aussicht stellt. Drostens Sorge bezieht sich dabei vor allem auf die neuen Corona-Varianten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirft das Argument der Mutationen immer wieder in die Runde, wenn es darum geht, den harten Lockdown zu verteidigen.

Eine Ansicht, die Streeck nur bedingt zu teilen scheint. Zwar halte er es „in der momentanen Situation für richtig, den Lockdown zu halten“. Schließlich können die Mutationen ein Gefahrenpotenzial bedeuten, doch: „Heute sind sie dafür nur bedingt ein Argument, weil auch hier noch ausreichend Studien fehlen.“

Hendrik Streeck hält Christian Drostens Schätzung von 100.000 Neuinfektionen pro Tag für realistisch

Angesprochen auf die von Drosten jüngst in den Raum geworfenen 100.000 Neuinfektionen pro Tag gen Frühjahr, erklärte der Virologe: „Ich halte es für gar nicht so unwahrscheinlich, dass wir schon Dunkelziffern hatten, die an solchen Werten kratzten. Wenn man annimmt, dass rund zwei Prozent der Infizierten intensivmedizinisch behandelt werden müssen, dann kommt man bei 5.000 belegten Intensivbetten auf entsprechend viele Neuinfektionen, die es vorher gegeben haben muss.“

Die Hoffnung, dass sich die Lage im Sommer entspannt, betitelt Streeck als „realistisch“. Doch auch das könne man nicht vorhersagen. Man dürfe jetzt nicht den Fokus verlieren. Und viel wichtiger: „Wir müssen für uns beantworten, wie wir unser Leben mit dem Virus gestalten wollen - denn es wird bleiben.“ (Nico Scheck)

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