Mit Helm unterwegs: Michael Schumacher (Archiv von 2006).
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Mit Helm unterwegs: Michael Schumacher (Archiv von 2006).

Skiunfall Schumi

Ein Helm kann Leben retten

Der Unfall von Michael Schumacher zeigt, wie gefährlich Skifahren sein kann: Zwar nimmt die Zahl von schweren Skiunfällen laut Statistik seit 30 Jahren beständig ab, doch noch immer erleiden pro Saison mehr als 3000 Deutsche Kopfverletzungen.

Von Jan Christian Müller

Es war nur eine kleine Meldung in den „Salzburger Nachrichten“: Ein Junge aus den Niederlanden ist vergangenen Freitag in der Steiermark von der Skipiste abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Der 15-Jährige erlag zwei Tage später einem schweren Schädel-Hirn-Trauma. Er hatte keinen Helm getragen.

Es ist eine furchtbar traurige Nachricht für Familienmitglieder und Freunde, die von der einheimischen Presse in der Regel routiniert in wenigen Zeilen verbreitet wird. Allein in Österreich sind in der Saison 2012/13 32 Menschen auf Skipisten tödlich verunglückt, hinzu kamen 19 Lawinenopfer, die nur noch tot geborgen werden konnten.

Häufigste Unfallursache: zu hohe Geschwindigkeit

Auf den Pisten sind laut Statistik die meisten Unfälle mit Verletzungsfolgen selbstverschuldete Einzelstürze aufgrund zu hoher Fahrgeschwindigkeit. Das Unfallrisiko beim Skifahren mit anschließend notwendiger ärztlicher Behandlung hat sich laut Erhebung der Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) seit 1980 um 58 Prozentpunkte reduziert. Und doch: Fast jeder 100. von jährlich 4,2 Millionen deutschen Skifahrern musste sich in der abgelaufenen Skisaison nach einem Unfall behandeln lassen, fast jeder 1000. stationär im Krankenhaus.

Mehr als 3000 (7,2 %) Opfer erlitten Kopfverletzungen. Die häufigsten Verletzungen entstehen an Knie und Schulter, wobei sich Männer aufgrund der risikoreicheren Fahrweise öfter an der Schulter verletzen (23,4 %) als Frauen (14,4 %), die wiederum viel häufiger Knieblessuren davontragen (49,6 % zu 29,8 %).

Etwas gestiegen ist das Risiko von Kollisionsunfällen. Einen solchen hatte der ehemalige thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus am Neujahrstag 2009 verursacht und dabei eine Frau tödlich verletzt. Über den Zusammenprall war umfangreich in den Medien berichtet worden.

Der Sicherheitsexperte Andreas König vom Deutschen Skiverband sagte am Montag der dpa, der „Althaus-Effekt“ habe dazu geführt, dass laut Schätzungen inzwischen „zwischen 70 und 80 Prozent“ der Skifahrer Helme trügen. „Das Sicherheitsbewusstsein ist ein sehr großes geworden“, so König, ein Helm auf dem Kopf beim Skifahren sei „salonfähiger geworden, sieht besser aus“, gehöre „inzwischen zur Skiausrüstung dazu“.

Forderungen nach Helmpflicht

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) forderte bereits vor Michael Schumachers schwerem Sturz eine hundertprozentige Abdeckung per Skihelm: „Es wird Zeit, dass die Helmpflicht auf deutschen Pisten kommt“, sagte der BDC-Hauptgeschäftsführer Jörg Ansorg am vergangenen Freitag.

„Ein Skiunfall kann schreckliche Folgen wie Schädelbrüche oder Hirnblutungen haben. Der Helm ist die einfachste Möglichkeit, die Zahl solch schwerer Verletzungen zu verringern.“

Laut Chirurgen-Verband gibt es in Südtirol und Teilen Österreichs bereits eine Helmpflicht für Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr.

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