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Kein Alltagsmüll, sondern Raum zur kreativen Entfaltung soll die neue Plattform bieten.
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Kein Alltagsmüll, sondern Raum zur kreativen Entfaltung soll die neue Plattform bieten.

Soziales Netzwerk Ello

Hello Ello!

  • Jennifer Hein
    VonJennifer Hein
    schließen

Das neue soziale Netzwerk Ello startet als hipper Gegenentwurf zu Facebook. Was kann es eigentlich?

Momentan geht es vor allem darum, dabei zu sein. Das war’s dann schon fast. So richtig viel los ist bei Ello noch nicht. Minimalistisches Design, viel Weißraum, ein paar stylische Bilder, wenige Funktionen. Das neue soziale Netzwerk aus den USA ist noch im Entstehen begriffen und ein bisschen geheimnisvoll. Wohin es mit der Plattform gehen wird, weiß keiner.

Das Prinzip ist elitär. Wer rein will, braucht eine persönliche Einladung. Diese wurden teils auf Twitter verschenkt, auf der Startseite ello.co lässt sich auch eine Anfrage an die Betreiber stellen. Einmal drin, passiert erstmal nicht viel. Ello befindet sich im Beta-Stadium. „Anregungen erwünscht“, heißt es. Eine Liste zeigt auf, was noch kommen soll: Private Profile, User-Blocking, private Nachrichten schreiben, das Einfügen von Video- und Audiodateien.

Derzeit sind alle Profile öffentlich. Klarnamen sind keine Pflicht. Jeder kann sich nennen, wie er will. Ello ist es egal, ob jemand ein Foto von sich, einen Katzenkopf oder sonst etwas als Profilbild einstellt. Selbst Nacktbilder sind erlaubt, wenn die Nutzer ihr Profil mit der Warnung NSFW versehen, „not safe for work“. Man schickt auch keine Freundschaftsanfragen, und persönliche Informationen gibt kaum jemand preis. Die Nutzer abonnieren andere Nutzer und können sie in die Listen „Friends“, also Freunde, oder „Noise“, eine Art Nachrichtenrauschen, sortieren – eine Art Gewichtung, von der der andere nichts weiß. Auch muss er dem nicht zustimmen.

Angriff auf Facebook

Das Logo von Ello ist ein Smiley ohne Augen. Also ein Kreis mit lächelndem Mund. Und das scheint auch das Prinzip zu sein: Ein netter Ort, an dem alle Spaß haben. Wie viele Nutzer bereits angemeldet sind, ist nicht bekannt. Angeblich soll sich die Zahl alle paar Tage verdoppeln.

„Schön, einfach und werbefrei“ soll Ello sein, versprechen die Betreiber, der Kidrobot-Designer Paul Budnitz, das Büro Berger & Föhr und die Entwickler von Mode Set, und setzen damit zum Angriff auf Facebook an.

Im Gegensatz zu Facebook-Chef Mark Zuckerberg wollen sie den Nutzer nicht zum Produkt machen, heißt es im „Manifest“ von Ello. Und: „Wir glauben, ein soziales Netzwerk kann ein Werkzeug der Mitbestimmung sein.“ Freiheit statt Zwang, Raum zum Entfalten statt Manipulation durch Werbung oder gefilterte Nachrichtenlisten.

Klingt toll. Und es kommt zum richtigen Zeitpunkt. Denn Facebook ist längst uncool. Auch wenn die Überwindung, das eigene Profil zu löschen, noch zu groß ist, der Reiz ist längst verflogen. Kommuniziert wird über WhatsApp, Bilder werden ausgetauscht über tumblr oder Instagram. Wer braucht alberne Kommentare von Eltern, Lehrern, Kollegen? Das Bombardement von langweiligen Alltagsposts geht den meisten nur noch auf die Nerven. Ello hat den Reiz des Neuen.

Statt schlechten Handyaufnahmen vom Mittagessen werden hier vor allem Fotos, Illustrationen, Grafiken und Gifs hochgeladen. Es geht mehr um witzige oder ästhetische Fundstücke, denn um Information, um Comic und Kunst statt Bilder von der letzten Partynacht. Kommentare über die verspätete Bahn oder den Tatort bleiben aus.

Jeder Nutzer hat automatisch die Posts von @ello gebucht und bekommt die neuesten Kommentare ausgewählter User: Ein gekritzeltes Porträt von @oliverage24, das immerhin 152 000 Klicks hat, @tywilkins postet ein neues Albumcover mit grafischen Elementen, @andreali zeigt Aufnahmen von glitzernden Schmuckstücken und @jessie Kalligrafie.

„Guck mal, was für ein digitaler Typ ich bin.“

Es geht nicht wie bei Facebook darum, sich selbst in seinen besten Momentaufnahmen zu präsentieren. Das Motto scheint eher zu sein: „Guck mal, was für ein cooler, digitaler Typ ich bin.“ Und das zeigt man mit Posts schöner und witziger Dinge. Das stylische Ello zieht Hipster und Kreative an, was es wiederum für alle anderen interessant macht. Seitdem Facebook einige Dragqueens gesperrt hat, die sich weigerten ihre echten Namen anzugeben, wandert allmählich auch die Schwulen- und Lesbenszene zu Ello.

Ello könnte das neue große soziale Netzwerk werden. Es soll ein „Ort der freien Entfaltung“ sein. Wie lange es ein solcher bleiben wird, ist fraglich. Denn das Projekt ist ein Venture Capital, von dem sich die Geldgeber sicher früher oder später mehr versprechen. Projekte wie Ello werden üblicherweise irgendwann verkauft. Ein neuer Betreiber könnte das ganze Prinzip der netten werbefreien Welt dann wieder umkehren. Eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, so munkelt die Internetgemeinde, könnten Zusatzfunktionen sein, die die Nutzer einzeln buchen und bezahlen müssten. Welche das sein könnten und wie teuer sie wären, ist noch nicht bekannt.

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