Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hitzewelle in Kanada

Heiß, heißer, Kanada: Hitzeglocke bereitet immer mehr Sorgen

  • VonGerd Braune
    schließen

„Für diese Hitze gibt es einfach keine Übertreibungen“, sagt ein Meteorologe. Das nicht gerade für warme Sommer bekannte Land bricht derzeit Rekorde.

British Columbia - Eine Hitzeglocke liegt über West-Kanada. An mehreren Orten werden Hitzerekorde gebrochen. Mit 49,6 Grad Celsius wurde in Lytton in British Columbia am Dienstag die höchste jemals in Kanada gemessene Temperatur erreicht. Für weite Teile des landes wurden Hitzewarnungen herausgegeben. Gefährlich sind diese Temperaturen vor allem für ältere Menschen. Ein dramatischer Anstieg hitzebedingter Todesfälle wird gemeldet.

„Für diese Hitze gibt es einfach keine Übertreibungen, um sie zu beschreiben“, meint Armel Castellan, Meteorologe des kanadischen Umweltministeriums. „Wir sind einfach perplex, wie oft Rekorde gebrochen werden.“ Lytton, eine Gemeinde im Tal des Fraser-Flusses 260 Kilometer nordöstlich von Vancouver, hatte bereits am Montag mit 47,9 Grad einen Rekord gemeldet, am Dienstag wurde er erneut gebrochen. Bis dahin war die absolut höchste Sommertemperatur in Kanada 45 Grad, meldet der Rundfunk „CBC“: gemessen 1937 in Saskatchewan.

Hitze in Kanada: Sieben Orte melden mehr als 45 Grad

Allein in der Pazifikprovinz British Columbia meldeten sieben Orte mehr als 45 Grad, darunter Kelowna und Osoyoos im Okanagan-Tal, das für Obst- und Weinbau berühmt ist. Für einige Menschen in etwas „kühleren“ Städten waren die Meldungen aus Lytton offenbar Anlass in diese Gemeinde zu reisen. Der Vorsitzende der Handelskammer von Lytton sprach am Dienstag von einem „Hitzetourismus“.

Vancouver im Dunstschleier der Hitze.

Die Hitzeglocke liegt über der gesamten Prärie, auch Jasper ist mit knapp unter 40 Grad extrem heiß. Der Osten wird nicht verschont. Dort wurden ebenfalls Temperaturen deutlich über 30 Grad gemeldet. In der Hauptstadt Ottawa stieg die Quecksilbersäule auf 33 Grad und mit der dort herrschenden Luftfeuchtigkeit wurde eine gefühlte Temperatur von rund 40 Grad errechnet.

Meteorologinnen und Meterologen sowie Behörden warnen, dass die Hitzewelle über das Wochenende und in die nächste Woche hinein anhalten könnte. Die besondere Sorge gilt älteren Menschen, Kindern und Obdachlosen. Castellan spricht von einem „Killer-Ereignis“, denn die Notfalldienste melden bereits einen deutlichen Anstieg der Todesfälle. In vier Tagen wurden in British Columba 233 Todesfälle gemeldet, der Durchschnitt liegt sonst bei 130. In Vancouver ereigneten sich 65 „plötzliche Todesfälle“, die auf das extreme Wetter zurückgeführt werden.

Hitzewelle in Kanada: Gemeindezentren mit Klimaanlagen werden als Abkühlstationen genutzt

In den Parks der Städte laufen die Rasensprenger ohne Pause, nicht nur, um die Grünflächen zu bewässern, sondern um den Menschen Gelegenheit zum Abkühlen zu geben. Viele nehmen die kühlende Dusche dankbar an. Gemeindezentren mit Klimaanlagen werden als Abkühlstationen genutzt, Wasserflaschen werden verteilt und die Kanadierinnen und Kanadier werden gebeten, sich um ältere Nachbar:innen zu kümmern, die besonders unter der Hitze leiden.

Kalifornien: Mit der Trockenheit steigt die Angst vor Waldbränden.

„Wir befinden uns mitten in der heißesten Woche, die British Columbia je erlebt hat“, sagte der Premier der Provinz, John Horgan. Er rief dazu auf, nach Menschen zu sehen, die gefährdet sein könnten. Rettungsambulanzen werden immer wieder gerufen, weil Menschen mit Hitzschlag zusammenbrechen. Verschärft wird die Lage vielerorts durch Waldbrände, die die Luftqualität verschlechtern.

Rekordhitze auch in den USA

Auch in Städten Portland, Oregon City und Seattle im Nordwesten der USA wurden nach Agenturangaben die höchsten Temperaturen seit dem Beginn der dortigen Aufzeichnungen im Jahr 1940 gemessen. Klimaanlagen und Ventilatoren waren vielerorts ausverkauft. Menschen suchten teils in Tiefgaragen oder klimatisierten Autos Schutz vor der Hitze.

Klimaforschende sind stets vorsichtig, einzelne Wetterereignisse direkt als Folge von Klimawandel zu bezeichnen, da die Ursache vielfältig sind. Aber sie sind überzeugt, dass durch Klimawandel extreme Wetterlagen intensiver und häufiger auftreten werden. „Ich bin schockiert“, sagt Simon Donner, Professor für Klimatologie an der Universität von British Columbia. „Wir müssen davon ausgehen, künftig mehr extreme Hitzewellen zu sehen, denn wir fügen der Atmosphäre Treibhausgase zu. In Kanada eine so lange und so starke Hitzewelle zu haben, das gab es noch nie.“ (Gerd Braune)

Rubriklistenbild: © AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare