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Der Blick auf die Bucht von Kotor.
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Der Blick auf die Bucht von Kotor.

Dienstreisen

Heimbüro mit Meerblick

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Wie ein Paar, das sich in Frankfurt kennenlernte, in Corona-Zeiten in Montenegro ein neues Geschäftsmodell entwickelt

Wenn Helga Haag und Igor Djurica hinunterschauen von ihrer Terrasse, sehen sie die traumhafte Bucht von Kotor. Wenn sie sich umdrehen und hochschauen, erkennen sie noch die letzten Schneereste auf dem 1750 Meter hohen Berg Lovcen. Hier, im Städtchen Tivat in Montenegro an der südöstlichen Adriaküste des Mittelmeers, haben die beiden Auswanderer aus Hessen vor sieben Jahren begonnen, eine kleine Ferienanlange mit inzwischen fünf Apartments aufzubauen. „Wir sind mit zwei Koffern angekommen und haben anfangs eine kleine Wohnung vermietet“, berichtet Igor, der Abenteurer, „jetzt sind es 600 Quadratmeter geworden.“ Es lief lange gut an, und dann kam Corona.

Helga Haag (50) und ihr ein Jahr jüngerer Partner wollen sich nicht unterkriegen lassen. Jetzt sind sie dabei, ihr Geschäftsmodell zu erweitern. Ihren Plan haben sie in ersten Schritten schon umgesetzt: Homeoffice für ausländische Gäste im mediterranen Klima unter der Sonne Montenegros über mehrere Monate hinweg. Die ersten Heimarbeiter:innen aus Deutschland sind schon da gewesen. Das Internet funktioniert anstandslos, mit mobilem Router ausgestattet sogar im Strandcafé. „Das Leben hier ist entspannter als in Deutschland, die Schlagzahl geringer, die Menschen warmherzig, die Natur wunderschön“, schwärmt Helga Haag.

Der Inzidenzwert wird besser

Aber im vergangenen Jahr brach der Tourismus um 90 Prozent ein, an dem das junge Land hängt wie an einer Nabelschnur. Haag und Djurica traf es weniger hart, manche Stammgäste blieben treu oder solidarisch und zahlten, obwohl sie nicht anreisten. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Igor.

Staatliche Entschädigungen gibt es im aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgegangen Montenegro nicht annähernd in vergleichbarem Umfang wie in Deutschland. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels: Die Inzidenzzahlen in Montenegro – hier leben rund 640 000 Menschen auf einer Fläche, die etwa zwei Drittel so groß ist wie Hessen – gehen zurück, Restaurants und Cafés öffnen wieder, das Paar ist hoffnungsfroh für 2021. Für sie als Einheimische gilt: Sie dürfen – im Gegensatz zu ausländischen Gästen – an Wochenenden ihre Gemeinde Tivat derzeit nicht verlassen. „Wir sind froh, dass es Sonderrechte für Touristen gibt.“ Die Regelung soll den Tourismus wieder in Gang bringen.

Flughafen Tivat ganz in der Nähe

Ihr Apartmenthaus mit Unterkünften von 25 bis 80 Quadratmetern für 50 bis 120 Euro pro Nacht liegt nur fünf Autominuten vom Flughafen Tivat entfernt, der auch regelmäßig von Frankfurt angeflogen wird, wenn nicht gerade Corona für Ausfälle sorgt. Die Airports in der Hauptstadt Podgorica und in Dubrovnik im benachbarten Kroatien sind nur jeweils rund 80 Kilometer entfernt.

17 Stunden dauert die Autofahrt von Frankfurt, wo sich die beiden vor zehn Jahren kennenlernten. Genau: In Alt-Sachsenhausen in der Kneipe „Klapper 33“. Die damals im Frankfurter Nordend beheimatete Projektmanagerin Helga Haag und der seinerzeit in Hanau ein Restaurant betreibende Igor Djurica wollten nachts um halb drei eigentlich gerade den Heimweg antreten, als sie sich zufällig begegneten. „Dabei sind wir beide sonst nie in Alt-Sachs unterwegs gewesen“, versichert Helga Haag – und lacht.

Die Liebe hielt auch beim ersten Zusammenziehen in Montenegro, der alten Heimat von Igors Eltern. Und das gemeinsame Projekt gehen sie mit Hingabe an. Wer will, kann den teilweisen Familienanschluss leben, bekommt Frühstück und mehrmals wöchentlich ein Abendessen gekocht, die Ausflüge mit der eigenen Segeljacht, Kajaks, mit Fahrrädern oder zum Wandern können unter Begleitung der Gastgeber gebucht werden. Das Motto heißt: „Vieles geht, nichts muss!“

Auswandern auf Zeit

Dass die Arbeitswelt in Deutschland sich in der Pandemie geändert hat, wollen die beiden nun nutzen. Rabatte für Langzeitbucher:innen zum zeitweisen Auswandern mit Familienanschluss inbegriffen. Durch den nahen Naturhafen mit Ankerplatz für Kreuzfahrtschiffe ist internationales Publikum im südlichsten Fjord Europas unterwegs, aber wer die Ruhe sucht, ist in Tivat bestens aufhoben.

Helga Haag zieht es nur ein-, höchstens zweimal im Jahr zurück nach Deutschland. Die lebensfrohe Frau hat ihr doppeltes Glück in der Sachsenhäuser Klappergasse gefunden: Igor und Montenegro.

Helga Haag und Igor Djurica.

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