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In Deutschland ist die Weiße Heideschnecke (Xerolenta obvia) heimisch, in Australien jedoch nicht - dort gilt sie als gefährliches Ungeziefer.

Australien

Heideschnecken bremsen Mercedes aus

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Weil 30 Kriechtiere an Bord waren, müssen nun 900 Neuwagen von Australien zurück nach Europa geschifft werden.

Auf dem fünften Kontinent nimmt man das Thema Biosicherheit sehr ernst. Neu eingeführte oder eingeschleppte Spezies wie Kaninchen, Füchse, Aga-Kröten oder Feuerameisen haben in früheren Jahren bereits schlimme Schäden an Australiens Fauna und Flora angerichtet.

Wie wenig Spaß die Behörden bei dem Thema verstehen, ging zuletzt 2015 durch die Weltpresse, als Hollywood-Star Johnny Depp und seine damalige Frau Amber Heard heimlich ihre geliebten Hunde Boo und Pistol nach Australien schmuggelten, und dafür später sogar vor Gericht landeten.

Als im Oktober nun an brandneuen Fahrzeugen des Stuttgarter Autobauers Daimler Heideschnecken gefunden wurden, war das Entsetzen in Australien groß. Die insgesamt 30 Schnecken, die in unterschiedlichen Frachtern in mehreren Häfen – in Melbourne und Brisbane sowie in Fremantle in Westaustralien und in Port Kembla in New South Wales – entdeckt wurden, brachten die Auslieferung der Luxusautos zu einem sofortigen Stopp.

Denn Heideschnecken (Xerolenta obvia) sind in Australien nicht heimisch und gelten dort als gefährliches Ungeziefer. Die Weichtiere könnten unter anderem Weizen, Gerste und Obstbäume befallen, hieß es vonseiten des australischen Landwirtschaftsministeriums, sowie eine Reihe von Parasiten und Pilzkrankheiten übertragen.

Gegenüber australischen Medien sagte der Autohersteller, man arbeite eng mit dem Ministerium zusammen, um die Ursache für den Befall der Autos herauszufinden. Das Fachmedium „Caradvice.com.au“ schrieb, dass es davon ausgehe, dass der Schneckenbefall bisher einmalig sei. Für ähnliche Vorfälle seien normalerweise Wanzen verantwortlich.

Doch trotz der Kooperation der Deutschen müssen nun alle 900 Autos zurück nach Europa geschifft werden . „Die Heideschnecke ist eine exotische Schnecke in Australien“, rechtfertigte eine Sprecherin des Ministeriums die Entscheidung gegenüber lokalen Medien. „Es wird davon ausgegangen, dass Populationen nur in Südosteuropa und lokalisierte Populationen in Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika existieren.“ Man habe alle Optionen für das Risikomanagement an Land geprüft, doch entschieden, dass die beste Maßnahme sei, „die Fahrzeuge wieder aus Australien zu exportieren“.

Dafür werden die betroffenen Fahrzeuge wohl auf Paletten platziert und in Containern verschifft anstatt wie normalerweise üblich auf sogenannte „Roll-on-Roll-off“-Schiffe gefahren, um die Schiffe nicht weiter mit den Schnecken zu verseuchen.

Zunächst geht es für die Autos zurück nach Zeebrügge in Belgien, was danach jedoch passiert, ist noch unklar. Daimler könnte die Autos behandeln und zurückschicken lassen oder völlig neue Autos nach Australien schicken. Klar ist nur, dass die australischen Kunden nun noch etwas länger auf ihre deutschen Luxusautos warten müssen.

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