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Zwischen 1905 und 1908 als Zweigstelle der „British Royal Mint“ errichtet, diente das Gebäude zur Herstellung von Münzen und der Reinigung von Gold.

Kanada

Haus des Goldes

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Als am 27. März 2017 die millionenschwere „Big Maple Leaf“-Münze aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen wird, erlangt Kanadas Münzprägeanstalt „Royal Canadian Mint“ weltweit Berühmtheit. Während jetzt in Berlin über den spektakulären Diebstahl verhandelt wird, stellt man in Ottawa weiter Sammlermünzen her – und feiert sie als beste Wertanlage.

Da steht das Prachtstück auf einem Marmorsockel. Der Tisch ist mit schwarzen und roten Samttüchern drapiert. Strahler sind auf die Goldmünze gerichtet und lassen sie funkeln. Es ist eine besondere Münze, die hier im Tresorraum der „Royal Canadian Mint“ aufbewahrt wird – die „Big Maple Leaf“-Goldmünze, drei Zentimeter dick mit einem Durchmesser von fünfzig Zentimetern. Nachdem sie im Jahr 2007 geprägt worden war, bescheinigte ihr das Guinessbuch der Rekorde, die größte Goldmünze der Welt zu sein, eine Ehre, die inzwischen der australischen Goldmünze „Australian Kangaroo“ zukommt. Die Vorderseite des „Big Maple Leaf“ ziert ein Ahornblatt, das „Maple Leaf“, Symbol Kanadas, und die Umschrift gibt nicht nur das Ausgeberland, sondern auch das Gewicht der Münze und den Feingehalt „99999“ an, was für 99,999 Prozent steht. Die Rückseite zeigt Königin Elizabeth II, Staatsoberhaupt des Commonwealth-Landes Kanada.

Normalerweise liegt „Big Maple Leaf“ in einer Spezialschatulle in dieser Schatzkammer, verborgen vor der Öffentlichkeit. Ihr Wert liegt nach dem jetzigen Goldpreis bei sechs Millionen Can-Dollar, wasetwa 4,8 Milllionen US-Dollar oder vier Millionen Euro entspricht. Nur sechs dieser Münzen stellte die Royal Canadian Mint (RCM) 2007 her: Eine wird in Ottawa aufbewahrt, eine ist im Besitz von Königin Elizabeth, vier wurden von Investoren gekauft. Eine davon ging als Leihgabe an das Bode-Museum in Berlin – und wurde dort in der Nacht zum 27. März 2017 gestohlen.

Zwar stehen derzeit vier Männer – einer von ihnen ist ein ehemaliger Wachmann des Museums, der den Dieben Tipps gegeben haben soll – wegen des Verdachts des Diebstahls der Münze in Berlin vor Gericht, aber gefunden wurde das Goldstück nicht. Der Diebstahl, die Festnahme der Verdächtigen im Sommer 2017 und der Prozessbeginn im Januar 2019 machten auch in Kanada Schlagzeilen. Vom „Great Berlin Gold Heist“ ist die Rede. Der Verdacht, dass die Münze eingeschmolzen und gestückelt verkauft wurde, hat sich bis heute gehalten. Das Urteil des Landgerichts Berlin, das frühestens im Februar zu erwarten ist, wird in Kanada sicherlich ebenfalls viel Aufmerksamkeit finden.

„Big Maple Leaf“ hat der Royal Canadian Mint weltweit Aufmerksamkeit beschert, ihre wahre Bedeutung aber liegt in der Herstellung von Umlauf- und Anlagemünzen. Wie eine Festung liegt die Münzprägeanstalt auf der Anhöhe über dem Ottawa-Fluss am Sussex Drive in Ottawa, nicht weit vom Parlament entfernt. Das Gebäude wurde zwischen 1905 und 1908 als Zweigstelle der „British Royal Mint“ im spätgotischen Stil errichtet und diente von Anfang an zwei Zwecken: Der Herstellung von Münzen für den Zahlungsverkehr – so genannter Umlaufmünzen – und als Raffinerie zur Verarbeitung und Reinigung von Gold, das in Kanada gewonnen wird. 1931 kam die Münzanstalt unter die alleinige Rechtshoheit Kanadas und wurde in Royal Canadian Mint umbenannt.

Allein im Jahr 2018 wurden etwa 1,8 Milliarden Münzen oder Rohlinge an zwölf Kunden weltweit geliefert.

In Winnipeg, Hauptstadt der Provinz Manitoba, wurde 1976 eine weitere Produktionsstätte eröffnet. Die Aufgabenteilung zwischen Ottawa und Winnipeg ist klar: „Alle Umlaufmünzen werden in unserer Anlage in Winnipeg hergestellt, auch die Münzen, die als Gedenkmünzen in den Umlauf kommen“, erklärt Alexander Reeves, Sprecher der „Royal Canadian Mint“. Die gängigen 1- und 2-Dollarmünzen und die 25-, 10- und 5-Centmünzen Quarter, Dime und Nickel werden in hoher Stückzahl in Winnipeg hergestellt. Nahezu drei Milliarden Münzen befinden sich in Kanada im Umlauf und jedes Jahr stellt die Royal Mint etwa 400 Millionen neue Münzen her. Dazu gehören auch Gedenkmünzen wie die 2-Dollar-Münze zum 75. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie („D-Day“) oder die Dollar-Münze zum 50. Jahrestag der Entkriminalisierung homosexueller Beziehungen, der „Equality Loonie“, die mit einer Auflage von jeweils etwa drei Millionen Stück produziert wurden. Die Kanadier nennen ihre 1-Dollar-Münze wegen des darauf abgebildeten Seetauchers (Loon) nur „Loonie“. Die Produktion von Pennies (1 Cent-Münzen) wurde 2012 eingestellt.

Mit der Anlage in Winnipeg übernahm die Royal Canadian Mint auch weltweit eine wichtige Rolle. Zahlreiche Länder lassen hier ihre Münzen prägen oder werden mit Rohlingen versorgt, den ungeprägten Metallscheiben, aus denen sie dann ihre Umlaufmünzen prägen. „Wir haben seit 1976 nahezu 80 Länder mit Münzen oder Rohlingen versorgt. Jüngste Beispiele sind Neuseeland, Barbados und Indonesien“, sagt Reeves. Die Zahl ist gewaltig: Allein 2018 wurden etwa 1,8 Milliarden Münzen oder Rohlinge an zwölf Kunden geliefert.

Die teureren Anlage- oder Bullionmünzen, die als Geldanlageobjekte dienen, und die Sammlermünzen für Numismatiker werden dagegen in Ottawa hergestellt. Die Sicherheitsvorkehrungen mit Sicherheitsschleusen sind engmaschig: Denn vor einigen Jahren zeigte der Golddiebstahl eines Mitarbeiters, dass die damaligen Hürden nicht unüberwindbar waren.

Das Prägen von Münzen ist kein lautloser Job. „Nimm zwei Ohrstöpsel“, wird der Besucher aufgefordert, bevor er den Fertigungsbereich betritt. Schnell und präzise arbeitet die Maschine, die die Anlagemünze „Maple Leaf“ in Gold oder Silber mit einem Edelmetallgehalt von einer Feinunze prägt. „Wir haben die Technologie entwickelt und patentiert, die Maschine wurde in Österreich gebaut“, erklärt Xianyao Li, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung. Die Maschine überprüft das exakte Gewicht der Münze und tastet mit einem Laser blitzschnell die Oberfläche ab, um dann überflüssiges Metall abzukratzen. Steven Papais, Chef der Produktionsabteilung, öffnet einen unscheinbaren Plastikcontainer. Er ist randvoll mit den feinen Gold- oder Silberspiralen gefüllt, die als „Abfall“ bei der Münzprägung übrig bleiben. „Sehr wertvolle Fussel“, meint Papais. Sie landen wieder im Produktionsprozess. Und immer wieder wird genau gewogen. Jede Unze muss registriert werden.

Galt im Jahr 2007 als größte Goldmünze der Welt: die Big Maple Leaf.

Zwei Mitarbeiter sortieren die goldenen Anlagemünzen, den berühmten „Gold Maple Leaf“. Die „Maple Leaf“-Münzen in der Gold- oder Silberversion mit einem Edelmetallgehalt von 99,99 Prozent sind die wichtigsten Anlagemünzen der Royal Canadian Mint. Sie gehören zu den beliebtesten Bullionmünzen der Welt. Xianyao Li ist überzeugt, dass der „Maple Leaf“ auch die sicherste Anlagemünze ist.

Jede Münze geht durch ein Lasergerät. „Wir schaffen eine digitale Signatur, einen Code, sozusagen eine DNA für jede einzelne Münze“, erläutert er. In der Datenbank werden diese Informationen gespeichert. Die Anlagemünzen werden nicht von der Royal Mint verkauft, sondern von Banken und Händlern. Käufer können die Echtheit der Münze anhand der digitalen Signatur überprüfen lassen. „Glänzend, hell, sicher“, beschreibt Li die Münzen.

Im Tresorraum der Raffinerie hat Rob Sargent auf einem Tisch einen Goldbarren, eine kleinere Goldplatte und ein Döschen wie aus einem Medikamentenschrank aufgestellt. Das Döschen ist unerwartet schwer. Es ist voll von Goldkörnern, die etwa die Größe von Getreidekörnern haben. „Diese Goldkörner liefern wir an Juweliere für die Schmuckherstellung“, erklärt Sargent, der die Raffinerie leitet und für die Verwaltung des Inventars zuständig ist. Die Goldkörner gehören neben Münzen und Goldbarren zu den Anlageprodukten der Royal Mint. Das Gold kommt überwiegend aus kanadischen Minen, „etwa 70 Prozent“, sagt Sargent, der Rest vor allem aus den USA. Da der Transport sehr teuer ist, kommt nur wenig Edelmetall aus anderen Ländern.

Die Royal Mint ist die Verarbeitungsstätte für Gold oder Silber, das in Barren mit einem Edelmetallgehalt von 20 bis 80 Prozent geliefert und in ein Produkt mit 99,99 oder gar 99,999 Prozent Gold oder Silber verarbeitet wird. Eigentümer bleiben in erster Linie die Minen oder andere Kunden, die das wertvolle Metall liefern. Im vergangenen Jahr verkaufte die Royal Canadian Mint Goldbarren und –münzen von insgesamt 523 000 Unzen, umgerechnet etwa 16 Tonnen, was bei einem Marktpreis von 1500 US-Dollar pro Unze etwa einer Milliarde Can-Dollar oder 750 Millionen Euro entsprechen würde. Die „Royal Canadian Mint“ ist zudem von der „London Bullion Market Association“, die den außerbörslichen Handel mit Edelmetallen reguliert, als „Good Delivery Refiner“ zertifiziert. „Das heißt, dass das von uns verarbeitete Edelmetall aus ethischer Produktion kommt, also kein ,Konflikt-Gold‘ aus Kriegsgebieten, keine Kinderarbeit“, sagt Sargent.

„Achtung, das ist schwer“, warnt er, als er einem Besucher einen etwa 25 Zentimeter langen Goldbarren überreicht. „400 Unzen, etwa zwölf bis dreizehn Kilo, also rund 600 000 US-Dollar“, sagt er. „Das wäre ein nettes Haus hier in Ottawa“, fügt er lachend hinzu. Dann wandert der Goldbarren wieder in das Regal. Und die Türen des Tresorraums schließen sich.

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