+
Backstage bei der Wahl zur „Miss Gay“ in Johannesburg: In Südafrika ist Homosexualität von der Verfassung geschützt.

Homophobie

Hassprediger die Einreise verweigert

  • schließen

Südafrika verweigert dem US-Fernsehprediger Anderson die Einreise, weil er die Todesstrafe für Homosexuelle fordert. Er ist auch als Leugner des Holocaust bekannt.

Pastor Steven Anderson folgt der Schrift aufs Wort. „Wahrlich ich sage Euch“, spricht der Herr im Johannesevangelium Kapitel 4 Vers 35: „Sehet in das Feld, denn es ist reif zur Ernte.“ Also packte der US-Prediger die Koffer, um sich auf den Weg zum Feld ans Kap der Guten Hoffnung machen, wo er sowohl zahlreiche verlorene schwarze Schafe wie unzählige offene Ohren vermutete. Südafrika ist das einzige Land des Kontinents, in dem Homosexualität – oder Sodomie, wie Anderson die Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechtes zu nennen pflegt – von der Verfassung geschützt wird. Aber gleichzeitig ist es auch das Land, in dem Homosexuelle verunglimpft, vergewaltigt und nicht selten sogar getötet werden.

Anderson, der den Tod für „Sodomisten“ fordert, ging davon aus, dass er am Kap der Guten Hoffnung mit offenen Armen empfangen würde. Schließlich war er von einer südafrikanischen Pfingstlerkirche eingeladen worden, und die hiesige Immigrationsbehörde hatte gegen seinen „Missions-Besuch“ zunächst auch nichts einzuwenden. „Wenn die Regierung mich nicht wollen würde, hätte sie das längst gesagt“, meinte der Gründer der „Faithful Word Baptist Church“, der vor seiner Berufung zum Pastor Feuermelder in Firmen installierte, noch vor wenigen Tagen.

Damit hatte der Mann des Feuers seine Rechnung jedoch ohne Südafrikas agile „Gay Community“ gemacht.

Die Aktivisten stellten ohne große Mühe ein umfangreiches Dossier zusammen, denn zumindest in den USA ist Anderson bekannt wie ein bunter Hund. Nicht nur seiner Homosexuellenhetze wegen: Nach dem Terroranschlag auf die Schwulen-Disco in Orlando hatte der Pastor sowohl seine Freude darüber ausgedrückt, dass es fortan 50 Sodomisten weniger in der Welt gebe, wie seine Enttäuschung darüber, dass es auch Überlebende gab.

Schon zuvor hatte er öffentlich seinen Gott gebeten, für den Tod Barack Obamas zu sorgen. Und zwar solle er den ersten dunkelhäutige Präsidenten der Supermacht eines natürlichen Todes sterben und nicht ermorden lassen: „Denn wir brauchen keine neuen Märtyrer, wir haben bereits genügend Feiertage“. Dass der Prediger auch den Holocaust leugnet, sei nur am Rand erwähnt.

Es seien nicht so sehr die Hasstiraden gegen Homosexuelle als seine rassistischen Entgleisungen gewesen, die ihn schließlich zum Umdenken bewogen hätten, räumte Südafrikas Innenminister Malusi Gigaba freimütig ein. Anderson putze dieselben Afrikaner herunter, die ihn nach Südafrika eingeladen hätten, gab der Minister schließlich bekannt: „Wir wollen diesen Mann nicht in unserem Land.“

Oft zitiert er die Bibel

Die Aktivisten, die innerhalb von Tagen 60 000 Unterschriften gegen Anderson gesammelt hatten, nehmen das Einreiseverbot für den Hassprediger jetzt als Triumph in Anspruch. „Wir fühlen uns geehrt und respektiert, dass der Minister zu dieser Entscheidung gekommen ist“, sagte eine Sprecherin der Gay Community, Nomsa Manzini.

Schon in der Vergangenheit war Südafrikas Regierung wegen eines Einreiseverbots in die Schlagzeilen geraten: Doch das galt dem Dalai Lama und war auf den Druck des großen Bruders in Peking zustande gekommen. Jetzt muss sich das religiöse Oberhaupt der Tibeter die zweifelhafte Ehre mit dem Hassprediger aus Arizona teilen. Dieser legte nach dem Einreisebann erst richtig los. Die südafrikanische Entscheidung sei offensichtlich einer „Handvoll Perverser“ zuzuschreiben, die wie Erzbischof Desmond Tutu in einem rosaroten Gewand durch die Gegend liefen, befand der Pastor und zitierte einmal mehr die Bibel: „Euer Blut komme über Euch!“ Ihm täten die Menschen Leid, die in Südafrika leben müssten, fügte der Prophet der Finsternis hinzu: Doch mancher Kapländer fühlte sich nach der Entscheidung seiner Regierung wohl zu Hause wie schon lange nicht mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion