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Zu viel Zoff: Liam (l.) und Noel Gallagher .
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Zu viel Zoff: Liam (l.) und Noel Gallagher .

Oasis-Trennung

Der Hass war stärker

Oasis sind am Ende: Nach 18 Jahren Streit und Missgunst trennen sich die Gallagher-Brüder - und beenden ein Kapitel Popgeschichte. Von Thorsten Keller und Rudolf Novotny

Von Thorsten Keller und Rudolf Novotny

Deine Freunde kannst du dir aussuchen, deine Familie nicht." Diese Binsenweisheit hat Noel Gallagher, 42, Gitarrist und Songschreiber von Oasis, vor Jahren in einem Interview zitiert. Natürlich wusste die Musikwelt sofort, dass sich nicht Gallaghers komplette Familie angesprochen fühlen musste, sondern nur sein kleiner Bruder Liam, 36.

Am Ende einer 18 Jahre währenden, wortreichen und immer wieder auf offener Bühne ausgetragenen Hassliebe verkündete Noel Gallagher am Wochenende in nur zwei Sätzen das Ende der Britpop-Band auf deren offizieller Internetseite: "Mit einiger Traurigkeit und riesengroßer Erleichterung" teilte der Musiker mit, "dass ich Oasis heute verlasse. Die Leute sollen schreiben und denken, was immer sie wollen - aber ich kann mit Liam keinen Tag länger zusammen arbeiten".

Keinen Tag länger, das bedeutete: Auch der geplante Open-Air-Auftritt am Samstagabend in Konstanz fiel aus. Für Oasis sprangen dort die Hardrock-Veteranen von Deep Purple ein, deren Ex-Mitglieder Jon Lord und Ritchie Blackmore sich noch weniger ausstehen konnten als Liam und Noel. Britische Medien berichten, der finale Streit sei vor einem Festival-Auftritt in Paris eskaliert. Die Brüder hätten sich, wie so oft, im Backstage-Bereich gefetzt - dabei soll Liam eine Gitarre nach seinem Bruder geworfen haben, die Noel daraufhin zertrümmerte.

Keine überraschende Wendung angesichts der Bandgeschichte. Von Anfang an bestimmten die Streitereien der Brüder die Arbeit der Band. Tourneen fielen aus, es gab Prügel auf der Bühne. Noel schrieb sogar ein Lied über die Probleme mit seinem Bruder. In "Masterplan" heißt es: "Nimm dir Zeit, prüfe deine Worte, bevor du etwas sagst ..." Bis zuletzt schien es, als ob Liam den Rat des Älteren befolgt habe. So sagte Noel Gallagher noch im Januar im FR-Interview über das Verhältnis zu Liam: "Wir kriegen das ganz gut hin." Nur ein einziges Mal seit Bestehen der Band "habe ich ernsthaft versucht, meinen Bruder Liam umzubringen. Das ist doch eine ganz gute Bilanz".

Oasis waren, ehe Amy Winehouse und Pete Doherty die Klatschspalten von Sun und Daily Mail zuverlässig füllten, die größten Rockstars Englands: hymnische Songs, handfeste Skandale. Ihr erstes Konzert gaben sie im August 1991 im "Boardwalk Club" in ihrer Heimatstadt Manchester, im Vorprogramm der längst vergessenen Band Sweet Jesus. Ein Jahr später entdeckte sie Alan McGee, der Boss der Plattenfirma Creation, bei einem Auftritt in Glasgow. 1994 erschien das erste Oasis-Album "Definitely Maybe" mit den Single-Hits "Live Forever" und "Cigarettes&Alcohol".

Schon damals praktizierten die Gallagher-Brüder eine klare Aufgabenteilung: Gitarrist Noel war der musikalische Direktor und Songschreiber, Liam gab den Frontmann, der auf der Bühne meist mit hinter dem Rücken verschränkten Armen herumstand und mit jeder Faser seines Körpers Überheblichkeit und Publikumsverachtung ausstrahlte. Zwar durfte Liam später auch eine Hand voll eigener Songs zu den Oasis-Alben beisteuern - aber bedeutend fürs Gesamtwerk der Band war davon kein einziger.

Die musikalischen Vorbilder von Oasis waren die britischen Bands der sechziger Jahre, von den Kinks bis zu den Beatles. Dass sie von diesen inspiriert wurden, haben die Gallaghers nie verleugnet - von 2004 an hatten sie mit Schlagzeuger Zak Starkey, dem Sohn von Ringo Starr, sogar einen Beatle der nächsten Generation in ihren Reihen. Ihren größten Coup landeten Oasis 1995 mit dem zweiten Album "(What´s the Story) Morning Glory", auf dem auch die Jahrhundert-Songs "Wonderwall" und "Don't Look Back In Anger" waren.

Bei aller musikalischen Brillanz - die Band profitierte auch von einer beispiellosen Hysterie, die von der englischen Musikpresse geschürt wurde. Die zeitgleiche Veröffentlichung neuer Alben von Blur und Oasis wurden von Melody Maker und NME zu einem Kampf um den vakanten Britpop-Thron hochgeschrieben. Am Ende konnte nicht einmal mehr die BBC das Ereignis ignorieren. Am Abend des 14. August 1995 berichtete der Sender in den Abendnachrichten über den "größten Chartkampf seit 30 Jahren". Zuträglich waren der Dramaturgie auch die natürlichen Gegensätze der Bands: Hier die rüpelhaften Gallaghers, Ex-Gelegenheitsbauarbeiter aus der verfallenden Industriestadt Manchester - dort die intellektuellen Mittelklasse-Jungs von Blur, aufgewachsen im Londoner Speckgürtel.

Am Ende gingen Oasis als Sieger vom Platz. Sagenhafte 4,4 Millionen Menschen in Großbritannien kauften "Morning Glory" - nur Queens "Greatest Hits" und "Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band" von den Beatles waren in der Geschichte der englischen Albumcharts erfolgreicher. Damit hatten Oasis nicht nur den Status der von ihnen verehrten Beatles erreicht - ein Jahr später übertrumpften sie ihre Idole sogar: Mit einem Konzert in Knebworth, der größten musikalischen Veranstaltung, die bis dahin auf britischem Boden stattgefunden hatte. Drei Millionen Menschen bewarben sich für die 250 000 Tickets. Knebworth war auch das am schnellsten ausverkaufte Konzert der britischen Musikgeschichte.

Als am 11. August 1996 die Band die Bühne betrat, brandete ohrenbetäubender Jubel auf. Noel Gallagher blickte auf die Menge. Dann sagte er: "Das ist Geschichte. Das ist Geschichte!"

Oasis sind jetzt ebenfalls Geschichte.

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