Hannover

Ein Stern ist nicht genug

Eine feministische Sprachwissenschaftlerin kritisiert die Verwaltungssprache.

Der Vorstoß der Stadt Hannover für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache stößt bei einer feministischen Sprachwissenschaftlerin auf Kritik. „Ich bedaure die Einführung des Gendersterns durch meine Heimatstadt Hannover“, sagte Luise F. Pusch. „Die Frauen finden sich als Anhängsel wieder, wie zu Anfang der feministischen Sprachkritik.“ Pusch gilt als eine der Begründerinnen der feministischen Linguistik in Deutschland.

Die Stadt Hannover hatte mit einer neuen Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache öffentlich eine breite Debatte losgetreten. Wenn möglich, sollen Formulierungen wie „Redepult“ statt „Rednerpult“ oder „Teilnahmeliste“ statt „Teilnehmerliste“ verwendet werden, heißt es in der Broschüre. Gibt es keine Alternative, wird der Genderstern empfohlen – etwa der*die Ingenieur*in.

„Ich bin nach wie vor für das Binnen-I, das der von mir bevorzugten Lösung, dem generischen Femininum, noch am nächsten kommt“, so Pusch. Die Uni Leipzig benutze in ihrer Grundordnung seit Jahren das generische Femininum, also generell die weibliche Form („Teilnehmerinnenliste“) statt der männlichen („Teilnehmerliste“). Der Protest dagegen sei bundesweit lautstark gewesen, sagte Pusch.

Die Form werde sich allerdings nur schwer durchsetzen lassen, weil viele Frauen ihren Männern nicht zumuten wollten, was Frauen routinemäßig zugemutet werde: „Nämlich, sich in der falschen Genderschublade wiederzufinden.“ (dpa)

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