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Die Stiefmutter des Elfjährigen filmte den Streit angeblich, um die Aggressivität des Jungen zu dokumentieren.
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Die Stiefmutter des Elfjährigen filmte den Streit angeblich, um die Aggressivität des Jungen zu dokumentieren.

Mordanklage

Handy-Video erschüttert Brasilien

  • Wolfgang Kunath
    VonWolfgang Kunath
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Die Aufnahme eines hasserfüllten Familienstreits dokumentiert möglicherweise die Ermordung eines Elfjährigen. Das Video konnte von Polizei-Technikern wieder hergestellt werden.

Ein Video schockiert Brasilien: Es dokumentiert einen hasserfüllten Streit, bei dem die Stiefmutter dem elfjährigen Sohn ihrer Mannes offen mehrmals den Tod androht – das Kind wurde im April ermordet aufgefunden, Vater und Stiefmutter stehen zurzeit wegen Mordes vor Gericht.

Die etwa 15 Minuten lange Aufnahme wurde vor über einem Jahr mit dem Handy von Bernardo Vater, dem Arzt Leandro Boldrini, in der Wohnung der Familie im südbrasilianischen Três Passos gemacht. Wie die Kriminalkommissarin Caroline Bamberg jetzt vor Gericht sagte, habe die Stiefmutter die Kamera des Handys selber angeschaltet, um die Aggressivität des Elfjährigen zu dokumentieren.

Der Film wurde später gelöscht, konnte aber von Polizei-Technikern wieder hergestellt werden und ist nun ein weiteres, gegen die Eltern sprechendes Indiz – eines, das nicht nur die Öffentlichkeit erregt, sondern wohl auch die Geschworenen beeinflussen dürfte.

Zunächst ist der Arzt zu sehen, dann wird das Handy auf einem Möbelstück abgelegt, zeigt nur die Decke des Zimmers, gibt aber den Streit wieder. Zuerst schreit Bernardo rund drei Minuten lang um Hilfe – zur Not noch zu interpretieren als das Geschrei eines schluchzenden, erregten Kindes in einem mehr oder weniger harmlosen Familienstreit. Aber dann eskaliert der Hass: „Bernardo, du weißt nicht, wozu ich fähig bin, ich verfaule lieber im Gefängnis als dass ich mit dir Störenfried weiter in diesem Haus lebe“, sagt Graciele, die Stiefmutter.

Leiche im Wald verscharrt

Ohne dass der Vater intervenierte, beschimpft Graciele dann die leibliche Mutter Bernardos, die sich 2010 das Leben nahm, worauf der Junge gegen den Vater und dessen Frau Todeswünsche ausstößt, die die Frau, vom Vater nicht gebremst, mehrfach voller Hass entgegnet.

Nach einem längeren Schweigen spricht der Vater dann von einem „Arzneimittel“, fragt den Sohn nach seinem Gewicht, was der Kleine nicht beantwortet, und man hört die Stimme der Stiefmutter: „Gib ihm 60 Tropfen“. Zwischen diesem Streit und dem Tod des Jungen liegen acht Monate. Am 4. April, so die Darstellung des Ehepaars, meldete sich Bernardo ab, um bei einem Schulfreund in der Nachbarschaft zu übernachten. Zwei Tage später erschien der Vater dort, angeblich um den Jungen abzuholen. Aber Bernardo war nie zu dem Freund gegangen.

Am 4. April wurde das Auto der Stiefmutter wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt; die Polizei ist davon überzeugt, dass außer Graciele auch Bernardo in dem Auto saß. Es fuhr in Richtung auf den Ort Frederico Westphalen – und dort fand die Polizei, die Leandro Boldrini am 6. April alarmiert hatte, Mitte April die verscharrte Leiche des Kindes in einem Waldstück. Den Ermittlungen zufolge starb Bernardo an einer Überdosis Beruhigungsmittel. Nun stehen der Arzt und seine Frau wegen Mordes vor Gericht, ferner eine Freundin des Paares und dessen Bruder, die der Anklage zufolge bei der Tat geholfen haben.

Wenn der Fall schon damals die Öffentlichkeit erregt hatte, so löst das Video nun in Brasilien einen Schock aus. Der Polizei liegen offenbar weitere Aufnahmen vor, die jedoch nicht öffentlich wurden. Jader Marques, der Verteidiger von Bernardos Vater, sagte, die Aufnahmen dokumentierten zwar einen schweren familiären Zwist, änderten aber auch nichts daran, „dass keine Beweise vorliegen“ für die Beteiligung Leandros an dem Tod des Kleinen.

Auch die Mutter ermordet?

Bernardos Großmutter mütterlicherseits will aufgrund des Videos darauf dringen, dass die Untersuchung über die Umstände des Todes ihrer Tochter, also Bernardos leiblicher Mutter, erneut aufgerollt wird. Denn der Aufnahme zufolge hat die Stiefmutter dem Kleinen gedroht, er werde den gleichen Tod sterben wie seine Mutter. Der Anwalt der Großmutter sieht darin ein Geständnis; es deute darauf hin, dass Bernardos Mutter 2010 nicht freiwillig aus dem Leben geschieden, sondern umgebracht worden sei.

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