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Handgeschriebene Weihnachtsgrüße

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So wie früher: Wer sich heutzutage die Mühe macht, handgeschriebene Grußpostkarten zu Weihnachten zu versenden, profitiert aus mehreren Gründen.

Glaubt man einer Erzählung meiner Großmutter, dann sorgte deren Mutter für einen nicht unerheblichen Teil des Jahresumsatzes der Postfiliale in ihrem Heimatort - einem kleinen Ort in Oberhessen. Der Ausstoß an Postkarten und Briefen ihrer Mutter muss zur (Vor-)Weihnachtszeit enorm gewesen sein. Vielleicht liegt mein Faible für das persönlich geschriebene Wort an Verwandte, Freunde, Bekannte oder ehemalige Kollegen – gerade vor den Feiertagen – also in meinen Genen.

Natürlich können Feiertagsgrüße im 21. Jahrhundert längst auf anderen Wegen verschickt werden: Schnell und kostenneutral per E-Mail, kreativ und bunt via WhatsApp oder mit netten Smileys als Facebook- oder Instagram-Direktnachricht. Ja, selbst in aller Öffentlichkeit können als Statusnachricht, als kunstvolle Collage oder humoristisches Video auf Social-Media-Apps die besten Wünsche für Weihnachten und das neue Jahr an alle überbracht werden. Unabhängig davon, ob die Empfänger überhaupt gemeint waren oder es sie auch nur ansatzweise interessiert.

Nimmt man sich allerdings, so wie ich, seit dem Auszug aus dem Elternhaus vor fast zehn Jahren, die Zeit, sich hinzusetzen, Adressen zusammenzusuchen, Papier, Umschläge und Karte zu besorgen, Briefmarken zu kaufen und dann einen individuellen Text an all die Menschen zu verfassen, an die man in der Vorweihnachtszeit denkt, dann passieren gleich mehrere Dinge: Erstens ist die Rückmeldung in aller Regel prompt und positiv: „Dass heutzutage noch jemand eine Karte schreibt!“ „Welche eine Freude beim Blick in den Briefkasten!“ „Und sogar handschriftlich – toll!“ Zweitens ist der Zeiteinsatz, für die Formulierungen der in der Regel nur kurzen Texte gut angelegt. Denkt man währenddessen ja nicht nur an die Adressat:innen, sondern reflektiert auch das eigene vergangene Jahr. Und drittens ist eine Postkarte oder ein Brief trotz des seit Jahren steigenden Portos eine vergleichsweise geringe Investition, die aber als kleine und vor allem sehr persönliche Aufmerksamkeit den Angeschriebenen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Das gilt meiner Erfahrung nach auch dann, wenn man eigentlich regelmäßigen Kontakt miteinander hat.

Vom Glück der Kleinen Dinge

Die selbstgestrickten Socken in fröhlichen Farben, das liebevoll gekochte Menü, der handgeschriebene Brief an die weit entfernt wohnende Freundin oder die schon so lange aufgeschobene Mitgliedschaft im Verein, der sich um Bedürftige kümmert – im diesjährigen Adventskalender stellen wir Ideen vor, wie Sie mit kleinen Dingen oder beherzten Gesten Ihre Lieben oder auch andere Menschen zu Weihnachten beschenken können. FR

Noch persönlicher wird das Ganze, wenn man nicht nur ein besonders schönes, sondern auch ein individuelles Motiv auswählt. Ein Familienfoto etwa, einen Schnappschuss des festlich geschmückten Weihnachtsbaumes, ein selbst gemaltes Bild oder eine eigens gestaltete Grafik. Häufig entdecke ich beim Besuch bei Freund:innen oder Familie die eine oder andere meiner Karten an einer Pinnwand oder an einem Magneten an der Kühlschranktür. Jedes Mal freue ich mich, dass ihnen der Gruß doch so viel bedeutet hat, dass sie ihn aufgehoben haben, statt ihn nach der Lektüre einfach im Papierkorb zu entsorgten.

Ich selbst gehe sogar noch einen Schritt weiter und bewahre besonders schöne Exemplare auch nach dem Abhängen von Pinnwand und Co. in meiner Schreibtischschublade auf. Nebenbei bemerkt: Nicht selten ist das eine gute Inspiration, falls einem die Ideen beim Schreiben doch mal ausgehen.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: In einer Zeit, in der wir längst den Großteil unserer schriftlichen Korrespondenz auf Tastaturen tippen, sind (vor-)weihnachtliche Grüße per Post eine gute Übung für die eigene Handschrift. Und genauso individuell wie das Schriftbild eines jeden Menschen ist, so ist es auch der handschriftliche Weihnachtsgruß. Von Hand verfasst, bedeuten liebe Worte besonders viel.

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