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Seite an Seite engagieren sich die Klimaaktivistinnen Indigo (links) und Antje Grothus gegen die Zerstörung des Waldes.
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Seite an Seite engagieren sich die Klimaaktivistinnen Indigo (links) und Antje Grothus gegen die Zerstörung des Waldes.

Hoffnung will wachsen

Hambacher Wald: Gesellschaftliches Trauma sorgt für Neubeginn

  • vonBarbara Schnell
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Monatelang kämpfen sie für den Erhalt des Hambacher Forstes, nun blicken zwei Aktivistinnen zurück und zugleich nach vorn: Viel wurde erreicht – aber genauso viel muss noch passieren.

Im Jahr 2018 vertritt Antje Grothus Anwohnerinnen und Anwohner der rheinischen Braunkohle-Tagebaue in der Kohlekommission. In der Initiative Buirer für Buir engagiert sich die 56-Jährige zudem für die Zukunft des Hambacher Forstes. Im „Hambi“ hat sie auch die Klimaaktivistin kennengelernt, die sich Indigo nennt.

Nach der Räumung vor zwei Jahren kreuzen sich die Wege der beiden Frauen hin und wieder in Berlin – Zeit für ein reflektierendes Gespräch über eine bemerkenswerte Zeit und ihre Strahlkraft finden sie erst jetzt. Am Rand des bedrohten Garzweiler-Ortes Keyenberg hat die 24-jährige Indigo mit einer Gruppe Gleichgesinnter das Baumhausdorf „Unser aller Wald“ gebaut.

Hambacher Forst: Der Protest war wichtig für die Klimabewegung

Hier wollen die Aktivistinnen und Aktivisten erneut ein Waldstück schützen und ihre Vision von einer gerechten, selbstbestimmten Gesellschaft leben. Der Herbst 2018 bleibt für beide Frauen unvergessen – als Trauma, aber auch als Neubeginn. „Der Protest am Hambacher Forst war ein wichtiger Moment für die Klimabewegung“, sagt Indigo.

Viele hätten erkannt, welche Bedrohung die Klimakrise darstelle, „dass ein ‚Weiter so‘ in diesem System nicht möglich ist.“ Für die Klimaaktivistin haben die Ereignisse im „Hambi“ eine Diskursverschiebung bewirkt, die sie berührt. „Da ist eine Hoffnung aus der Hoffnungslosigkeit entstanden“, sagt Indigo. „Als ich damals in den Wald gekommen bin, hätte ich nicht gedacht, dass wir gewinnen können.“

Hambacher Wald: Die Netzwerke wachsen

Antje Grothus ergänzt: „Viele der 50 000 Demonstrierenden waren auch aus Angst um die Demokratie dort. Armin Laschet versucht zwar jetzt, die Deutungshoheit für die Rettung des Hambacher Waldes an sich zu reißen, aber damit kommt er nicht durch.“ Die Räumung bleibe ein gesellschaftliches Trauma, das aber auch „eine neue Art von Gemeinsinn“ gestreut habe.

„Der Funke leuchtet jetzt auch am Dannenröder Wald“, findet Indigo. Die Klimaaktivistin will einen Bogen schlagen zum aktuellen Geschehen an der A49, das dem Kampf um den „Hambi“ ähnele. „Da konnten Menschen aus dem Hambacher Wald viel technisches Können weitergeben.“

Antje Grothus ist erleichtert, dass die Netzwerke auch über die individuellen Kämpfe hinaus wachsen. „Als hier in Garzweiler Ende Juli die Landstraße abgerissen und der Widerstand so wichtig wurde, stand unser Familienurlaub an“, erinnert sie sich. „Da war mein erster Reflex: ‚ich kann doch jetzt nicht wegfahren, ich muss doch hier sein‘.“ Schnell aber habe sie gemerkt, dass viele Gleichgesinnte ihre Kräfte bündelten – „von der Theologin bis zum Landwirt“, sagt Grothus – und solidarische Strukturen entstanden seien.

Der Hambacher Wald soll wieder Bürgerwald werden

Auch die Aktivistin Indigo war an diesem Prozess beteiligt. „Diese Monate waren anstrengend, aber auch befreiend“, sagt sie. „Viele Menschen, die uns unterstützen oder sich uns anschließen, haben zum ersten Mal das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“ Es sei überwältigend, einem Konzern wie RWE im Kampf gegen die fortschreitende Klimakrise gemeinsam gegenüberzustehen.

Doch so viel die Aktivistinnen und Aktivisten in den vergangenen Monaten auch bewirkt hätten – „trotzdem reicht es nie“, sagt Indigo. Immerhin aber wirke der gemeinschaftliche Kampf gegen das Gefühl der Ohnmacht. „Lieber in Anstrengung und voller Zweifel leben, als nichts zu tun“, meint die Aktivistin. Ohnehin blicken sie und ihre Kollegin Antje Grothus optimistisch in die Zukunft.

„Ich will den Hambacher Wald wieder als Bürgerwald sehen, überführt in eine Stiftung oder Genossenschaft“, sagt Grothus. „Ich sehe Wandel-Werkstätten, in denen echte Bürgerbeteiligung den Umbau nachhaltig gestaltet. Und ich sehe uns feiern.“ Der Kampf habe eine eigene Dynamik angenommen – Erfolge erreichen, sie abhaken, weitermachen. Auch die Erfolge großer Bewegungen wie „Fridays for Future“ geben Kraft.

Die Aktivistin Indigo wünscht sich, dass verschiedene Akteurinnen und Akteure im Kampf für gesellschaftliche Veränderungen zusammenfinden. Klimaaktivistinnen, antirassistische Demonstranten, die Recht-auf-Stadt-Bewegung – gemeinschaftlich könnte man die Erfahrung machen, etwas zusammen aufzubauen. „Und da sehe ich mich dann mittendrin“, sagt Indigo. Die gemeinsamen Engagements völlig Fremder im „Hambi“ oder bei „Fridays for Future“ seien gute Beispiele dafür, wie aus individuellen Aktionen ein großes kollektives Handeln werden kann.

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