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Gute Hand, böse Hand

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Von: Boris Halva

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Anny Aurora
Anny Aurora. © Kay Blake/Imago

Wenn Notizbücher entzücken und Vorsorgespots missglücken.

Mit einer echten Handarbeit hat ein Achtjähriger die Herzen der Menschen erobert – und zwar weit über sein Heimatstädtchen Boise im US-Bundesstaat Idaho hinaus. Wie die „New York Times“ berichtet, hat Dillon Helbig zwischen den Jahren diverse Stifte zur Hand genommen und in einem Notizbuch „Die Abenteuer von Dillon Helbigs Weihnachten“ niedergeschrieben. Offenbar fand er die 81-seitige Story (er ist übrigens der Held, der durch die Zeit reist!) so gut, dass er das Buch in der Stadtbücherei von Boise ins Regal stellte, damit es auch andere lesen könnten. Später kamen ihm Zweifel, ob das wirklich okay war – aber als Dillons Mutter Susan in die Bücherei ging, um das Buch zu holen, war es bereits ausgeliehen. Bis Dillon sein Debüt zurückbekommt, wird er sich gedulden müssen: Inzwischen stehen 56 Namen auf der Warteliste für das Buch, das nun auch in den Katalog der Bücherei aufgenommen wurde. Auch wenn er schon für Schreibworkshops für Gleichaltrige gebucht ist und mehrere Verlage sein Buch gern veröffentlichen würden: Dillon bleibt cool. Er werde mit 40 aufhören zu schreiben – „dann werde ich Spiele entwickeln“. Na dann, weiterhin ein glückliches Händchen, Dillon!

Apropos glückliches Händchen! Wissen Sie, wie viele Männer regelmäßig zur Hodenkrebsvorsorge gehen? Oder wie sie ihre Testikel richtig abtasten, um herauszufinden, ob was dranhängt, was da nicht hingehört? Nein? – Sehen Sie, da hat die Techniker Krankenkasse (TK) eine echte Wissenslücke aufgespürt. Um diese zu schließen, hat die TK allerdings zu einem Stilmittel gegriffen, das zur Folge hatte, dass nicht wenige ihre Hände über dem Kopf zusammenschlugen, nachdem sie das Video zur Kampagne gesehen hatten. Für den Aufklärungsfilm, der wohl nicht zu dröge anmuten sollte, wurde eine Dame namens Anny Aurora angeheuert, die ihrem neuen Nachbarn erklärt, wie er seine Hoden abtasten kann, um Tumore zu erkennen. Etliche, die den Spot gesehen hatten, nannten diesen „sexistisch und nicht witzig“. Was auch damit zu tun haben könnte, dass Aurora als Pornodarstellerin arbeitet und in dem Filmchen nicht nur über das Abtasten spricht, sondern selbst Hand anlegt – natürlich hinter großen Pixeln! Aber, wir kennen das ja vom Internet: Wer den Spot gedreht hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Und Empörung ist garantiert! Die TK ließ sich nicht beirren: Man habe für den Spot mit dem Titel „Der live-saving handjob“ bewusst einen „ungewöhnlichen Ansatz gewählt“. Ob ein „pornografisches Umfeld“ so ungewöhnlich ist, sei mit Blick auf die Suchabfragen im Netz dahingestellt – sicher ist: Der Slogan „Sex sells“ dient hier tatsächlich mal einem guten Zweck.

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