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Im Kino ist Wahlberg ab 18. April in „Broken City“ zu sehen.
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Im Kino ist Wahlberg ab 18. April in „Broken City“ zu sehen.

Mark Wahlberg

Gute Filme brauchen "Leute mit genug Eiern"

Schauspieler Mark Wahlberg ist in den USA ein gefragter TV-Produzent. Sein Image als Unterwäschemodel hat er dort schon lange hinter sich gelassen. Ein Gespräch über den kleinen Unterschied.

Von Marin Majica

Schauspieler Mark Wahlberg ist in den USA ein gefragter TV-Produzent. Sein Image als Unterwäschemodel hat er dort schon lange hinter sich gelassen. Ein Gespräch über den kleinen Unterschied.

Es ist eine Arbeitsreise, und das strahlt Mark Wahlberg auch aus. Der Schauspieler und Produzent macht weltweit Werbung für den Kinofilm „Broken City“. An Premierenpartys oder Promi-Restaurants in Berlin habe er kein Interesse, heißt es vor dem Treffen. Das glaubt man sofort: Wahlbergs gemütliche Hose und der Pullover wirken, als wolle er gleich zum Sport, aber sein konzentrierter Blick sagt: Das hier ist sein Workout. Interview-Sparringsrunde Nummer 12, Gong.

Mister Wahlberg, welcher Kinofilm hat Sie zuletzt gefesselt?

„Life of Pi“ war ziemlich unglaublich. In den habe ich meine Kinder mitgenommen, aber die wollten lieber Videogames spielen. Ich liebe Ang Lee als Filmemacher. Und ich war vor allem beeindruckt von dem jungen Hauptdarsteller, der vorher noch nie geschauspielert hat – wie großartig er mit einem computeranimierten Tiger zusammenspielt. Ich habe so etwas mit einem Bären gemacht, ich weiß, wie schwierig das ist.

Gibt es eine Fernsehserie, die Sie ähnlich fasziniert?

Ich habe mir nichts mehr angeschaut, seit wir mit unserer eigenen Serie „Boardwalk Empire“ auf Sendung gegangen sind. Ich verfolge die Konkurrenz nicht. Shows wie „Homeland“ sehe ich mir einfach nicht an.

Sie haben sich neben Ihrer Karriere als Kino-Schauspieler als Produzent einen Namen gemacht. Einige der interessantesten TV-Serien gehen auf Ihr Konto. Ist Fernsehen zurzeit das spannendere Medium?

Sie haben recht damit, dass im Fernsehen gerade viele spannende Dinge passieren und im Kino nicht. Dort gibt tatsächlich zurzeit einen Mangel an interessanten Geschichten, aber das wird sich hoffentlich ändern. Ich will da optimistisch bleiben.

Aus der amüsanten Serie „Entourage“, deren Drehbuch auf Ihren eigenen Erfahrungen als junger Schauspieler in Hollywood basierte, soll nun ein Kinofilm entstehen. Ist die Geschichte des Jungstars Vinnie Chase und seiner Freunde nach sieben Staffeln nicht ausgereizt?

Unsere Idee ist, dorthin zu gehen, wo die Sache angefangen hat: zurück zu den Jungs. Wir hatten über die Jahre tolle weibliche Nebenfiguren, aber die Beziehungen der Jungs untereinander wurden dadurch im Laufe der Zeit verseucht. Wir wollen zu der ursprünglichen Verrücktheit zurück. Das Drehbuch ist gut, wirklich! Der Film wird wohl 2014 in die Kinos kommen.

Wer gehörte zu Ihrer Entourage?

Die echten Menschen eben, die die Vorlagen für diese Figuren sind. Mit E, Vinnies Manager Eric, bin ich bis heute unterwegs. Johnny Drama, Vinnies Halbbruder, ist in Wirklichkeit, na ja, Johnny Drama. Er heißt so und war früher mein Fitness-Trainer. Und Ari Gold ...

Vinnies legendärer Agent, dessen Motto „Let’s hug it out“ zur Redewendung geworden ist...

...Das ist einfach Ari Emanuel, der bekannte Agent aus Los Angeles und Bruder von Rahm Emanuel, dem früheren Stabschef des Weißen Hauses.

Wahlberg in „Broken City“ im Kino

Als Nächstes sind Sie im Kino in „Broken City“ zu sehen. Wie entscheiden Sie, woraus eine Serie und woraus ein Film werden soll?

Uns hat das Drehbuch gefallen, es erinnert an die Filme der 70er Jahre, mit einer starken Geschichte und starken Charakteren. „Boardwalk Empire“ war ein Buch, wir hatten die Rechte daran, und wir wollten Martin Scorsese nach „The Departed“ dazu bringen, mit uns ein wenig Fernsehen zu machen. Terence Winter, der beste Drehbuchautor im Fernsehen, schrieb das, und Martin hat den Piloten gedreht.

Der Held von „Broken City“ ist ein Privatdetektiv und Ex-Polizist mit einem dunklen Geheimnis. Russel Crowe spielt einen wunderbar rücksichtslosen New Yorker Bürgermeister. Es gibt korrupte Polizisten und Bauunternehmer – das würde auch einen guten Serienstoff abgeben.

Absolut. Aber es kommt immer darauf an, was man zur Verfügung hat. Für einen Crime-Thriller wie „Broken City“ wollen die Filmstudios kein Geld ausgeben, sie wollen einfache Geschichten, die sie mit einem 15-Sekunden-Spot an den Mann bringen und aus denen sie Fortsetzungen machen können. Also musst du kreativ sein. „Boardwalk Empire“ ist die Ausnahme und eine sehr teure Serie, aber ansonsten hat man im Fernsehen immer wenig Geld und Zeit. Die Methoden, mit denen wir dort produzieren, haben wir auf das Kino übertragen.

„Ich arbeite, als wäre ich auf der Flucht“

In einem Interview hat Ihr Kollege Kiefer Sutherland kürzlich beklagt, dass es keine mittelgroßen Filme mehr gibt – ambitionierte Filme mit Budgets zwischen acht und 20 Millionen Dollar. Er sagt, Schauspieler wie er haben die Wahl: entweder Blockbuster drehen, mit denen sich bestenfalls auch Spielzeug verkaufen lässt, oder spannende Geschichten als Serie fürs Fernsehen.

Nun ja, wenn Sie sich allein die Oscar-Nominierungen 2013 ansehen, sind da schon einige erwachsene Filme dabei. Es braucht nur Leute mit genug Mut und Eiern, um diese Filme zu machen. Aber solche Leute gibt es noch, keine Sorge. „Broken City“ wäre zum Beispiel viel teurer geworden, aber wir haben wie beim Fernsehen gearbeitet und es für die Hälfte gemacht. Alle verzichteten auf einen Großteil ihrer Gage, um die Geschichte zu erzählen.

Jon Hamm aus „Mad Men“ sagte vor Kurzem, er vermisse die Geschwindigkeit und die Dynamik des Fernsehens, wenn er fürs Kino arbeitet. Beim Fernsehen werden neun Seiten Drehbuch pro Tag gedreht, beim Film anderthalb. Und oft werden die Drehbücher noch in letzter Sekunden geändert.

Ja, es ist zwar eine Arbeitsgeschwindigkeit, als wäre man nach einer Schießerei auf der Flucht, aber ich arbeite so gerne, auch an Kinofilmen. Ich sitze einfach nicht gerne den ganzen Tag herum, sondern bringe Sachen lieber schnell zu Ende. Also trennt man sich von allem Überflüssigem – von den Leuten zum Beispiel, die rumlaufen und Obst und Getränke verteilen, während alle herumstehen und sich fragen, können wir nicht drehen? Klar können wir: Los geht’s.

Das Gespräch führte Marin Majica.

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