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Hat Spaß auch ohne Alkohol: Jason Statham.

Jason Statham

„Es ist gut, Angst zu haben“

Er gilt als der "Bruce Willis fürs Grobe": Action-Star Jason Statham. Vor dem Start seines neuen Films "Parker" spricht er im Interview über seinen Verzicht auf Stuntmen und sein gesundes Leben.

Mit seinen 1,75 Metern ist Jason Statham nicht gerade groß für einen Actionhelden. Auch wirkt er viel zu sympathisch für einen brutalen Gangster. Im Interview spricht er ohne Allüren frei von der Leber weg, mit seiner tiefen Reibeisenstimme und dem dicken Südlondon-Akzent. In seinem neuen Film, dem Thriller „Parker“, spielt er dennoch an der Seite von Jennifer Lopez einen Meisterdieb, der von seinen Mit-Gangstern um seine Beute betrogen wird und sich an ihnen rächt.

Wie sehen Sie sich selbst: eher als Action-Star oder als Schauspieler?
Wenn mich die Leute unbedingt abstempeln wollen, kann ich mit der Bezeichnung Action-Star ganz gut leben. Mein Freund und Filmemacher Guy Ritchie hat mich vor gut 15 Jahren ja nicht wegen meiner subtilen „Hamlet“-Interpretation für seinen Film „Bube, Dame, König, grAS“ haben wollen, sondern für eine sehr körperbetonte Action-Rolle. Und die konnte ich liefern. Und so spielte ich nach und nach in immer mehr Action-Filmen mit …

… und wurden bald „der Bruce Willis fürs Grobe“ genannt …
… auch damit habe ich kein Problem (lacht). Ich bringe den harten Action-Helden – glaube ich zumindest – ganz überzeugend auf die Leinwand. Und erst jetzt fange ich langsam an, mich an Rollen zu wagen, die komplexer und gefühlvoller sind. Ich habe in meinem Leben keine Stunde Schauspielunterricht gehabt. Aber ich stand gemeinsam mit solchen Schauspieler-Koryphäen wie Robert De Niro, Nick Nolte oder Clive Owen vor der Kamera. Dabei habe ich sehr viel von ihnen gelernt. Und dass mich ein so großartiger Regisseur wie Taylor Hackford für die nicht ganz so eindimensionale Rolle des Parker haben wollte, hat mich sehr gefreut. Außerdem hat es mir auch in Punkto Schauspielerei enormen Auftrieb gegeben. Aber eines ist klar: Ein Charakterdarsteller wird aus mir nicht mehr.

Sie machen – im Gegensatz zu anderen Action-Helden wie Stallone, Willis oder Schwarzenegger – fast alle Ihre Stunts selbst. Ist das Berufsehre?
Ja, wenn Sie so wollen. Ich fände es sehr billig, wenn ich nicht selbst die Knochen hinhalten würde, wann immer es möglich ist. Das bin ich mir und meinen Fans schuldig. Ich versuche da ein wenig meinen Vorbildern Jackie Chan und Bruce Lee nachzueifern. Was man im Film sieht – das bin ich. Da gibt es keine Zwischenschnitte oder Tricks. Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen kommt bei mir ein Stuntdouble zum Einsatz. Meistens dann, wenn die Versicherung nicht mehr für mich bürgen will.

Wie halten Sie sich für so einen hohen physischen Einsatz fit?
Gesunde Ernährung und hartes Training – das jetzt, wenn ich auf Reisen bin, leider viel zu kurz kommt. Aber sobald ich wieder in Los Angeles bin, werde ich regelmäßig trainieren.

Was heißt denn das genau: gesunde Ernährung, hartes Training?
Ich trinke viel Wasser und absolut keinen Alkohol. Ich esse viele Proteine, Fisch, Nüsse, Gemüse in Olivenöl zubereitet. Keinen Zucker, keine Kohlehydrate, kein Brot, keine Pasta. Ich komme aus der Welt der Sportwettkämpfe – ich kenne die Regeln. Es ist nur manchmal sehr schwierig, sie so rigoros einzuhalten. Und meine Trainings-Routine ist recht vielfältig. Ich mache Konditionstraining und Krafttraining – oft mit Gewichten, als ob ich mich auf eine Olympiade vorbereiten würde. Dann diverse Kampfsportarten, wie Karate Thai-Boxen und Jiu-Jitsu. Wichtig ist auch: intensives Stretching.

Und wie stehen Sie zu Doping-Mitteln?
Das ist Bullshit! Die einzige Droge für mich ist der Adrenalin-Kick.

Sie waren als Jugendlicher im britischen Olympiakader als Turmspringer sehr erfolgreich. Wie haben Sie gemerkt, dass Sie dafür Talent haben?
Ich habe schon als kleiner Junge sehr viel mit meinem Vater herumgeturnt. Er war selbst ein sehr guter Schwimmer und Boxer. Besonders gut konnte ich Purzelbäume schlagen und Trampolinspringen. Eines Tages sah ich, wie im Schwimmbad jemand vom 10-Meter-Brett sprang. Das hat mich begeistert. Von da an wollte ich auch Turmspringer werden. Mein Vater hat mich noch am selben Tag bei einem Schwimmverein angemeldet.

Konnten Sie von Ihrer Erfahrung als Sportler etwas für Ihre Filmkarriere gebrauchen?
Nein, das sind schon sehr verschiede Welten. Außer vielleicht, dass ich als Sportler gelernt habe, mich hundertprozentig auf etwas zu fokussieren. Diese Art von Disziplin kam mir im Filmbusiness sehr zugute (lacht). Denn das Filmbusiness ist ein hartes Geschäft, das erfordert vollste Konzentration und absolutes positives Denken.

Wann haben Sie zuletzt mal richtig Angst gehabt?
Ich habe oft Angst. Angst ist – im Gegensatz zu Panik – etwas sehr gutes. Angst hält dich wach, gespannt, auf dem Höhepunkt deiner Leistungsfähigkeit. Und das ist oft sogar überlebenswichtig. Und Angst kann auch vor Gefahren warnen. Das sollte man nicht unterschätzen.

Wann fühlen Sie sich richtig befreit, wann ruhen sie am tiefsten in sich?
Beim Snowboarden und Tauchen, fällt mir spontan ein. Das mache ich für mein Leben gern. Aber ich liebe auch ganz andere sportliche Herausforderungen. Kite-Surfen zum Beispiel. Das ist seit einiger Zeit meine neue Leidenschaft. Vielleicht kaufe ich mir auch bald mal ein Speed-Boat. Erzählen Sie das aber nicht meinen Produzenten. Die mögen es nicht, wenn ich in den Drehpausen Kopf und Kragen riskiere.

Das Interview führte Ulrich Lössl.

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