Übersicht

Neue Grundsteuer: Was sich ab Juli 2022 für Eigentümer ändert

  • Alina Schröder
    VonAlina Schröder
    schließen

Mit der Neuberechnung der Grundsteuer kommen auf Eigentümer und Besitzende ab Juli 2022 neue Pflichten zu. Alle Informationen zur Reform lesen Sie hier.

Frankfurt – Hauseigentümer:innen sowie Grundbesitzende erwartet eine wichtige Änderung: Ab 2025 tritt eine Grundsteuer-Reform in Kraft, was bedeutet, dass der Grundstückswert neu berechnet wird. Die alte Berechnungsgrundlage läuft zwar erst in drei Jahren aus, dennoch müssen alle Personen, die über ein Haus oder ein Grundstück verfügen, ab Juli bereits aktiv werden. Was gilt es dabei zu beachten? Alle Informationen zur Grundsteuer und der Reform hier im Überblick.

Zunächst gilt zu klären, was die Grundsteuer ist und wen sie konkret betrifft: Wie das Bundesfinanzministerium informiert, wird die Grundsteuer einmal pro Jahr auf den Grundbesitz erhoben. Dazu zählen neben Grundstücken einschließlich der Gebäude auch Betriebe der Land- und Forstwirtschaft. Gezahlt wird die Steuer in der Regel von den Eigentümer:innen. Für Mieter:innen ändert sich daher nichts – es sei denn, der Grundbesitzende wickelt die Grundsteuer über die Betriebskostenabrechnung ab. In diesem Falle können ab 2025 Änderungen in der Nebenkostenabrechnung auftreten.

Neue Grundsteuer: Bereits ab Juli 2022 kommen auf Eigentümer und Grundbesitzende einige Pflichten zu. (Symbolbild)

Grundsteuer-Reform: So müssen Grundbesitzende und Eigentümer jetzt vorgehen

Doch wenn die aktuelle Berechnungsgrundlage erst in drei Jahren ausläuft, warum müssen Grundbesitzende und Eigentümer:innen jetzt schon aktiv werden? Das liegt daran, dass eine Erklärung des Grundsteuerwerts für die Neuberechnung ab dem 1. Juli verpflichtend an das zuständige Finanzamt, beispielsweise über das Portal „Elster“, übermittelt werden muss. Die Frist läuft bis zum 31. Oktober 2022. Das gilt auch für Eigentümer:innen aus Hessen. So können Sie die Erklärung elektronisch übermitteln:

  • 1) Authentifizierung über ein sogenanntes „Elster-Zertifikat“. Dieses wird nach einer Elster-Registrierung automatisch ausgestellt. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Registrierung rund zwei Wochen in Anspruch nehmen kann.
  • 2) Für Privateigentümer:innen von unbebauten Grundstücken, Ein- oder Zweifamilienhäusern sowie Eigentumswohnungen soll ab Juli im Auftrag des Bundesfinanzministeriums eine Grundsteuererklärung für Privateigentum bereitgestellt werden.
  • Quelle: bundesfinanzministerium.de

Eine Übermittlung in Papierform ist allerdings in vielen Bundesländern nicht zulässig. „Es besteht eine Pflicht, die Erklärung zur Feststellung des Grundsteuerwerts elektronisch abzugeben. Damit soll für alle am Steuerrechtsverhältnis Beteiligten Aufwand gespart werden“, heißt es auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen. Da die Regelung nicht flächendeckend ist, haben einzelne Bundesländer inzwischen spezifische Anleitungen veröffentlicht. Im Freistaat Bayern ist eine Übermittlung auf Papier beispielsweise trotzdem möglich.

Grundsteuer wird neu berechnet: Welche Formulare werden für die Steuererklärung benötigt?

Wie Moritz Josten, Sprecher der Oberfinanzdirektion Hessen, bereits gegenüber hna.de mitteilte, wurde Ende des vergangenen Jahres ein Informationsschreiben zur neuen Grundsteuer ab 2025 an die verschiedenen Kommunen versandt. „Dieses Schreiben haben bereits sehr viele Städte und Gemeinden dem aktuellen Grundsteuerbescheid, den die Eigentümerinnen und Eigentümer von Grundbesitz in Hessen von den Kommunen erhalten, beigelegt“, so Josten.

Folgende Formulare und Daten werden für die Grundsteuererklärung grundsätzlich benötigt:

  • Zertifikatsdatei (bei einer elektronischen Übermittlung über „Elster“)
  • Aktenzeichen
  • Grundbuchinformationen
  • Weitere spezifische Informationen je nach Landesmodell (Informationen beim jeweiligen Finanzministerium der Bundesländer)

Neue Grundsteuer: So funktioniert künftig die Berechnung

Die Berechnungsformel für die Grundsteuer erfolgt in drei Schritten und lautet wie folgt:

Wert des Grundbesitzes x Steuermesszahl x Hebesatz.

Bei der Berechnung des Grundsteuerwerts gibt es allerdings eine signifikante Änderung: Der Bodenrichtwert des jeweiligen Grundstücks sowie eine statistisch ermittelte Nettokaltmiete sollen laut Angaben des Bundesfinanzministeriums künftig eine Rolle spielen. Falls Sie keine Ahnung von dem Bodenrichtwert Ihres Grundstücks haben, ist das jedoch kein Problem. Dieser ist in den Bodenrichtwertinformationssystemen (BORIS) der Länder einsehbar. Zu den weiteren Faktoren zählen die Grundstücksfläche, Grundstücksart und das Alter des Gebäudes.

Im zweiten Schritt werden dann die Wertsteigerungen ausgeglichen, die „im Vergleich von den aktuellen zu den seit dem Jahr 1935 beziehungsweise 1964 nicht mehr aktualisierten Werten entstanden sind“, heißt es auf der Website des Ministeriums. Nachfolgend werden die Hebesätze durch die Gemeinden gegebenenfalls angepasst.

Grundsteuer-Reform 2022: Warum muss sie reformiert werden?

Zuletzt gilt es noch zu klären, warum die Grundsteuer überhaupt neu berechnet wird. Dies hat folgenden Grund: Im Jahr 2018 hat das Bundesverfassungsgericht das aktuelle System zur Bewertung der Grundsteuer für verfassungswidrig erklärt, da Grundstücke gleicher Art unterschiedlich behandelt werden. Das liegt daran, dass sich die Werte von Grundstücken und Gebäuden in den vergangenen Jahren sowohl im Westen als auch im Osten stark in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Für Immobilien und Grundstücke in benachbarter Lage ergeben sich dadurch verschiedene Grundsteuerzahlungen. Dem soll mit der Grundsteuer-Reform entgegengewirkt werden.

Die Grundsteuer kann allerdings in ihrer jetzigen Form noch bis zum 31. Dezember 2024 erhoben werden. Die neue Berechnung tritt dann 2025 offiziell in Kraft. (asc)

Rubriklistenbild: © Harry Koerber/Imago

Mehr zum Thema

Kommentare