Mehr als 718 Millionen Euro bis 2025

Dieses Bundesland setzt auf „Revolution“ an Grundschulen: Was sich zum Schuljahr 2020/21 ändert

  • Lars Becker
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Nordrhein-Westfalen feilt mit einer „Revolution“ am Schliff der Grundschulen - mit viel Geld. Schüler, Lehrer wie Eltern sollen davon gleichermaßen profitieren.

  • Mehr als 718 Millionen Euro pumpt das Land NRW bis 2025 in seine fast 2800 Grundschulen.
  • Was offiziell „Masterplan“ heißt, ist tatsächlich in Teilbereichen eine kleine „Revolution“.
  • So soll das „Schreiben nach Gehör“ der Vergangenheit angehören, Englischunterricht beginnt später.

Düsseldorf - Ein Konzept für die Grundschule der Zukunft, ja sogar in Teilen eine kleine Revolution: Nordrhein-Westfalen hat einen „Masterplan“ für die Arbeit an den fast 2800 Grundschulen im bevölkerungsreichsten Bundesland präsentiert. Darin stehen kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen, um das Lernen in den Klassen 1 bis 4 für die rund 650.000 Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern.

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
Bevölkerung17,93 Millionen
Größte StädteKöln, Düsseldorf, Dortmund, Essen

Die Landesregierung gebe damit den Startschuss für eine zeitgemäße Weiterentwicklung und Unterstützung der Grundschulen in NRW, hieß es in Düsseldorf. Mit dem „Masterplan Grundschule“ werde ein zentraler Auftrag aus dem Koalitionsvertrag erfüllt. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte: „Wir wollen das Gute der Grundschule noch besser machen und zudem auch neue Impulse setzen.“

Dafür nimmt das Land nach eigenen Angaben sehr viel Geld in die Hand: Bis 2025 sollen insgesamt mehr als 718 Millionen Euro in das Fundament einer erfolgreichen Bildungsbiographie der Kinder in NRW investiert werden, wie WA.de* berichtet.  Was verbirgt sich hinter dem „Masterplan“? Hier gibt es die Antworten.

Revolution an Grundschulen in NRW: Über zehn Jahre alte Lehrpläne aktualisiert

Die mittlerweile über zehn Jahre alten Lehrpläne werden derzeit weiterentwickelt und sollen zum Schuljahr 2021/22 in Kraft treten. In diesem Zusammenhang weüden auch die Kompetenzerwartungen für digitales Lernen eingearbeitet und auch Möglichkeiten des Lernens auf Distanz für die Grundschule verbessert.

Das Land Nordrhein-Westfalen investiert bis 2025 nach eigenen Angaben mehr als 718 Millionen Euro in den „Masterplan Grundschule“, der in Teilen eine kleine Revolution darstellt.

Revolution an Grundschulen in NRW: Englisch erst ab Klasse 3 - dann aber „richtig“

Damit Lehrerinnen und Lehrer in der sogenannten „Schuleingangsphase“ - 1. und 2. Schuljahr - den Fokus auf Rechnen, Lesen und Schreiben legen können, fängt der Englisch-Unterricht anders als jetzt (zweites Halbjahr der 1. Klasse) ab dem Schuljahr 2021/22 erst im dritten Schuljahr an - dann aber intensiver durch ein höheres Stundenvolumen. Fachoffensive in Deutsch und Mathematik, nennt sich das im Masterplan.

Revolution an Grundschulen in NRW: „Schreiben nach Gehör“ wird gestrichen

Die Abkehr vom umstrittenen Prinzip „Schreiben nach Gehör“ wird in Nordrhein-Westfalen weiter forciert. Ebenfalls ab dem Schuljahr 2021/22 wird nämlich eine bisherige Handreichung für einen systematischen Rechtschreibunterricht und einen verbindlichen Pflichtwortschatz mit allen Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung fest im Lehrplan verankert.

Revolution an Grundschulen in NRW: Mathematik und Informatik im Fokus

Im Fach Mathematik sollen ab 2021 Orientierungshilfen und Vorlagen für Förderpläne erarbeitet werden. Außerdem sollen die Grundschüler bereits Grundzüge der Informatik lernen und dann beispielsweise im Sachunterricht schon mal „spielerisch auch einen Roboter programmieren“, sagte Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer.

Um die Fächer Deutsch und Mathematik zu stärken, sollen insgesamt 106 zusätzliche Stellen für Fachkoordinatoren an den Schulämtern eingerichtet werden. Diese sollen die Umsetzung der Lehrpläne vor Ort begleiten. Dafür sind bis 2025 insgesamt rund 21 Millionen Euro vorgesehen. Die Leistungen der Viertklässler in Mathe und Deutsch seien nicht nur in NRW, sondern in ganz Deutschland schlechter geworden, betonte Gebauer.

Revolution an Grundschulen in NRW: Zurückstellung von der Einschulung

Schulpflichtige Kinder können um ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt werden, wenn erhebliche gesundheitliche Gründe vorliegen. Bei der Schuleingangsuntersuchung sollen auch eigene fachärztliche oder fachtherapeutische Gutachten der Eltern berücksichtigt werden. Außerdem soll künftig in besonders begründeten Fällen schon am Ende der ersten Klasse entschieden werden, ob ein Kind in der Klasse bleibt. Dies entspreche einem vielfach geäußerten Wunsch der Eltern und Lehrkräfte.

Außerdem soll Kindern nach Klasse 4 der Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I noch besser gelingen - durch „eine wechselseitige Einbeziehung von Grundschulexpertise in die Lehrplanarbeit für die Schulen der Sekundarstufe I und umgekehrt.“

Revolution an Grundschulen in NRW: Großes Augenmerk aufs Schwimmen

2019 hat die Landesregierung den Aktionsplan „Schwimmen lernen in Nordrhein-Westfalen 2019 bis 2022“ mit verschiedenen Maßnahmen zur Stärkung der Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen vorgestellt. Der „Masterplan Grundschule“ sieht einen weiteren Ausbau des Landesprogramms „NRW kann schwimmen“ vor, mit dem Schwimmkurse in den Ferien finanziert werden sollen. Dafür sind insgesamt zehn zusätzliche Stellen vorgesehen.

Revolution an Grundschulen in NRW: 570 zusätzliche Konrektoren-Stellen

Zur Unterstützung der Schulleitungen sollen künftig alle Grundschulen Stellvertreter-Stellen erhalten. Dazu gehören auch die kleinen Grundschulen mit weniger als 180 Schülern. Ab dem Schuljahr 2021/22 sollen rund 600 kleine Grundschulen jeweils eine Konrektoren-Stelle erhalten, sagte Yvonne Gebauer. „Damit möchten wir auch die Leitungen an kleinen Grundschulen stärken.“ Insgesamt sollen nach Angaben des Ministeriums rund 570 Konrektoren-Stellen zusätzlich geschaffen werden. Insgesamt 21 Millionen Euro wird das Land dafür bis 2025 einplanen.

NRW-Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat den „Masterplan Grundschule“ in Düsseldorf vorgestellt - eine mehr als 718 Millionen Euro Investition in die Bildungszukunft von rund 650.000 Jungen und Mädchen. Details des Konzeptes sind im bevölkerungsreichsten Bundesland eine Revolution.

Revolution an Grundschulen in NRW: 600 Verwaltungsassistenten in Vollzeit

Die Schulverwaltungsassistenzen zur Unterstützung der Schulen und Schulleitungen werden ausgeweitet und dafür ab dem kommenden Jahr 400 zusätzliche Stellen eingerichtet. Damit können dann 600 Assistenten in Vollzeit beschäftigt werden. Die Zahl der sogenannten Anrechnungsstunden für die Bearbeitung besonderer Aufgaben wird erhöht, so dass Grundschullehrer entlastet werden. Die Kosten dafür belaufen sich in den kommenden fünf Jahren auf insgesamt mehr als 100 Millionen Euro.

Revolution an Grundschule in NRW: Erstmals Beförderungen möglich

Erstmals werden auch Grundschullehrkräften Beförderungsstellen in Aussicht gestellt. Damit sollen auch Lehrer außerhalb des Schulleitungsamtes eine berufliche Perspektive bekommen. Für fünf Prozent der Planstellen - knapp 1300 - sollen diese Beförderungsmöglichkeiten geschaffen werden. Das bedeutet auch mehr Geld für diese Lehrer. Allerdings: Weiterhin gibt es keine Aussage zu der geforderten gleichen Bezahlung von Grundschul- und Gymnasiallehrern. Der Lehrerverband VBE erklärte, auch die künftigen Beförderungsstellen lösten das Problem des Lehrkräftemangels nicht. Bis 2025 werden im Landeshaushalt rund 45 Millionen dafür eingeplant. Für das neue Schuljahr 2020/21 hat das Land zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um zusätzliche Lehrer an die Schulen zu bringen.

Gebauer sagte, der eigentliche Grund für den Lehrermangel sei, dass es in der Vergangenheit zu wenig Studienplätze für das Grundschullehramt gegeben habe. Zwei von drei Bewerbern hätten abgewiesen werden müssen. Die CDU/FDP-Landesregierung habe seit Amtsantritt 700 zusätzliche Studienplätze geschaffen.

Revolution an Grundschulen in NRW: Drei Mal so viele Stellen für Sozialpädagogen

Die Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte an den Grundschulen wurden bisher laut Ministerium auf 1750 verdreifacht. Geplant ist ein Ausbau auf insgesamt 3000 Stellen bis zum Jahr 2025. Das Land wird dafür insgesamt mehr als 260 Millionen Euro bereitstellen. Im Vorgriff wurden schon mit Beginn dieses Schuljahres 400 Stellen freigegeben.

Revolution an Grundschulen in NRW: 800 zusätzliche Inklusionsstellen

Zur Stärkung des gemeinsamen Lernens in der Grundschule sollen alle mindestens zweizügigen Grundschulen Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung fest in ihrem Kollegium haben. Die Inklusionsstellen sollen in den kommenden Jahren um insgesamt 800 Stellen auf 4300 erhöht werden. Dieser Stellenausbau soll zum Schuljahr 2021/22 beginnen. Bis 2025 sind dafür rund 138 Millionen Euro vorgesehen.

Revolution an Grundschulen in NRW: Digitale Lernformen werden wichtiger

Ein moderner Grundschulunterricht erfordert eine digitale Infrastruktur (wie z.B. einen Gigabitanschluss oder einen Wlan-Zugang in allen Unterrichts- und Fachräumen), um den Schülerinnen und Schülern ein frühzeitiges Erlangen von Medienkompetenzen zu ermöglichen. Die Umsetzung der digitalen Infrastruktur soll unter anderem durch den Digitalpakt Schule finanziert und realisiert werden. Die zusätzlichen Investitionen des Landes in die digitale Ausstattung von bedürftigen Schülerinnen und Schülern sowie für digitale Endgeräte von Lehrkräften werden die digitalen Lernformen in Grundschule erweitern können, so das Land.

Revolution an Grundschulen in NRW: Angleichung an Haupt- und Realschule

Die Landesregierung will die steigende Besetzung bei den Lehrerstellen nutzen, um eine Erhöhung der Anrechnungsstunden, die eine Grundschule erhält, zu realisieren. Die Grundschulen erhalten bisher pro Grundstelle 0,2 Entlastungsstunden für die Bearbeitung besonderer Aufgaben. Das ist im Vergleich zu anderen Schulformen der mit Abstand geringste Wert. Die Landesregierung will daher schrittweise eine Erhöhung der Anrechnungsstunden erreichen, ausgerichtet am Niveau der Haupt- und Realschulen. Das Ziel ist es, die Entlastungsstunden auf insgesamt 0,5 Entlastungsstunden anzuheben. Für diese Maßnahmen sind in der mittelfristigen Finanzplanung mehr als 76 Millionen Euro vorgesehen.

Das neue Schuljahr in NRW steht unter den Vorzeichen der Maskenpflicht an den weiterführenden Schulen zunächst bis zum 31, August. Grundschüler dürfen die Corona-Schutzmasken zumindest an ihren festen Sitzplätzen ablegen- *WA.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Jens Büttner / dpa

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