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Einschusslöcher in der Scheibe eines Autohauses. Dort endete der Amoklauf des 17-jährigen Tim K..

Waffenrecht

Grüne fordern Gesetzesreform

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Auch zehn Jahre danach habe die Regierung keine Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden gezogen, kritisieren die Grünen und fordern ein strengeres Waffenrecht.

Die Grünen haben anlässlich des Jahrestages des Amoklaufs von Winnenden ein schärferes Waffenrecht gefordert. „Auch zehn Jahre nach dem schrecklichen Amoklauf von Winnenden hat die Bundesregierung immer noch nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen und den privaten Besitz von Schusswaffen schärfer reglementiert“, sagte die innenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Irene Mihalic. „Jährlich verschwinden Tausende Waffen aus privaten Beständen, und keiner weiß, wohin.“

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, sagte: „Die Opfer mahnen uns, dass Gewalt und Waffen keine Problemlösungen sind. Sie bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Er plädierte „für ein rigides Waffenrecht“ und betonte: „Auch die Zunahme der Anträge für den Kleinen Waffenschein sorgt uns“.

Nach dem Amoklauf gab es eine bundesweite Waffenamnestie. Laut Regierungspräsidium Stuttgart wurden bis Ende 2017 allein in Baden-Württemberg über 200 000 Waffen straffrei abgegeben, etwa ein Viertel davon war illegal. Auch wurde 2009 das Mindestalter für das Training mit großkalibrigen Sportwaffen von 14 auf 18 Jahre angehoben. Schließlich wurden die Sicherheitsstandards für Waffenschränke verschärft. Ein von Winnenden-Hinterbliebenen gefordertes komplettes Verbot, Schusswaffen in Privatwohnungen aufzubewahren, blieb aus.

Nach Angaben der Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen!“ sind seit Winnenden jedoch mindestens 80 Menschen in Deutschland mit Schusswaffen von Sportschützen getötet worden.

In den vergangenen zehn Jahren hätten Sportschützen im privaten Umfeld mehr Menschen umgebracht als bei den Amokläufen von Winnenden und Erfurt zusammen, sagt der Sprecher der Initiative, Roman Grafe, dessen Buch „Spaß und Tod. Vom Sportwaffen-Wahn – Opfer, Täter, Lobbyisten“ am heutigen Montag erscheint.

Grafe bezeichnet die Änderungen im Waffenrecht seit dem Amoklauf von Winnenden vor zehn Jahren als „billige Beruhigungsmittel“. Menschen könnten in Deutschland als Sportschützen immer noch problemlos an scharfe Waffen kommen. Die Initiative fordert ein komplettes Verbot solcher Waffen für den Schießsport.

Die Zahl der Waffen insgesamt hat zuletzt tatsächlich zugenommen. Das ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Anfang 2019 wurden im Nationalen Waffenregister 5,4 Millionen Waffen und Waffenteile in Privatbesitz registriert; Anfang 2017 waren es noch rund 5,35 Millionen. Zugleich hat die Zahl der Menschen, die als Inhaber eines Kleinen Waffenscheins verdeckt Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen tragen dürfen, zugenommen – von 565 000 Anfang 2018 auf knapp 620 000 Anfang 2019. Aktuell gelten 23 000 Waffen als „abhandengekommen“.

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