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Sonne an der Ostsee.

Firscherei

Große Flotte, kleiner Fang

Die Zahl der Fischereischiffe ist stark gewachsen – doch die Ressourcen schrumpfen stetig.

Die Größe der weltweiten Fischereiflotte hat sich seit 1950 mehr als verdoppelt. Die Zahl der Schiffe sei von 1950 bis 2015 von 1,7 Millionen auf 3,7 Millionen gestiegen, berichten Forscher um Yannick Rousseau von der University of Tasmania in Battery Point in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Im gleichen Zeitraum stieg demnach der nötige Aufwand, um eine bestimmte Menge Fisch zu fangen, stark an. „Für die letzten 65 Jahre sehen wir, dass immer mehr Schiffe immer weniger Fische jagen“, wird Rousseau in einer Mitteilung seiner Universität zitiert.

Die Forscher werteten die Daten von 149 Staaten zu ihren Fangflotten aus und ergänzten dies um Daten aus Taiwan, Grönland und von den Färöer-Inseln. Außerdem sichteten sie Datenbanken und Fachliteratur. Grundsätzlich unterschieden sie zwischen Schiffen mit und ohne maschinellen Antrieb sowie industriellen Schiffen. Besonders die Bezifferung der kleineren Boote zur traditionellen Fischerei stellte die Wissenschaftler vor eine Herausforderung.

In den vergangenen 65 Jahren sei nicht nur die Zahl der Schiffe und Boote gestiegen, sondern auch der Anteil und die Leistung derjenigen mit Motor. Demnach waren 2015 gut zwei Drittel der Schiffe (68 Prozent) motorisiert.

Weltweit sank der Fang pro Aufwand (CPUE; catch per unit of effort) seit 1950 stetig, was die Forscher mit einem Rückgang der Ressourcen durch Überfischung erklären. In den meisten Ländern schrumpfte der Wert bis 2015 auf ein Fünftel der ursprünglichen Menge. Betroffen sind demnach etwa Südostasien, Lateinamerika und das südliche Mittelmeer. „Trotz der fortgeschrittenen Technologie und steigenden Schiffszahlen muss die moderne motorisierte Flotte härter arbeiten, um weniger Fisch zu fangen“, sagt Rousseau.

Allerdings verweist das Team auf starke regionale Unterschiede. Während die Zahl der Schiffe in Asien um gut 400 Prozent zunahm, verzeichnen Europa und Nordamerika einen Rückgang. In Europa, Nordamerika und Australien verdoppelte sich die Flotte von 1950 bis in die 1980er Jahre, ab 2010 registrieren die Forscher jedoch einen deutlichen Einbruch. Der Fang pro Aufwand stieg demnach in beiden Regionen seit 2000, in Europa jährlich um etwa 2,5 Prozent – das führen die Forscher auch auf bessere Technik zurück. Beide Regionen haben – ebenso wie Australien und Neuseeland – ein Fischerei-Management.

„Man kann nicht pauschal sagen, dass die Weltmeere überfischt sind. Aber natürlich gibt es Regionen, auf die das zutrifft“, sagt der stellvertretende Leiter des Thünen-Instituts für Fischereiökologie in Rostock, Uwe Krumme. So gebe es etwa in Asien durch die steigende Bevölkerung immer mehr kleine Fischer, die sich ein Boot kauften, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen – und mit dem Erlös vielleicht weitere Gefährte anzuschaffen. Auch wenn die Fischbestände zurückgingen, würden diese Boote und Schiffe genutzt. Ohne vernünftiges Fischereimanagement steige so der Druck auf die Fischbestände, sagt Krumme.

Generell kritisiert Krumme, die Forscher hätten nicht zwischen verschiedenen Fangarten differenziert – etwa die Fischerei nach Bodenfischen und nach Schwarmfischen. Zudem sage die Zahl der Boote und Schiffe allein nur wenig aus über die globale Fangkapazität.

Die australischen Forscher gehen davon aus, dass sich der von ihnen berichtete Trend in den kommenden Jahren weiter verschärft. Sie rechnen bis Mitte des 20. Jahrhunderts mit einer weiteren Million Fischereischiffe auf den Ozeanen und zudem mit einem Anstieg von deren Motorleistung. „Diese Veränderungen werden die nachhaltige Nutzung der Fischressourcen in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen“, sagt Rousseau.

Dies gelte besonders für Regionen wie Südostasien, wo sich große Teile der Bevölkerung durch traditionelle Fischerei versorgen. „Zusätzliche Maßnahmen zum Fischereimanagement werden daher dringend benötigt“, urteilen die Wissenschaftler. (dpa)

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