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Pandemie

Großbritannien: Regierung in Bedrängnis – Zu späte Reaktion auf Corona-Variante aus Indien?

  • Sebastian Richter
    VonSebastian Richter
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Das Kabinett von Boris Johnson steht in der Kritik. Maßnahmen gegen die Corona-Variante B.1.617 sollen zu spät erfolgt sein – wegen eines Handelsabkommens.

London – Die Regierung in Großbritannien muss sich wegen ihres Vorgehens zum Schutz vor der Corona-Variante aus Indien rechtfertigen. Aus der Opposition wird Kritik laut, das Kabinett von Premierminister Boris Johnson habe zu spät auf die Gefahr reagiert. Die Regierung verteidigt sich gegen die Vorwürfe.

Dass Großbritannien schneller hätte handeln können, sei „völlig falsch“, so Gesundheitsminister Matt Hancock gegenüber dem Sender Sky News am Sonntag (16.05.2021). Indien hätte nicht schneller auf der roten Liste der Länder gesetzt werden können, für die besondere Quarantänemaßnahmen in der Corona-Pandemie gelten. Im April seien strenge Reisebeschränkungen verhängt worden, erklärte Hancock – und zwar bevor die Variante B.1.617.2 genau untersucht wurde. Die Beschränkungen verpflichtete Reisende nach Großbritannien dazu, sich in Hotels in Quarantäne zu begeben.

Regierung von Großbritannien: Handelsabkommen wichtiger als Gesundheitspolitik

Pakistan und Bangladesch wurden von der Regierung noch vor Indien auf die rote Liste gesetzt. Laut der britischen Sunday Times seien schon mindestens 20.000 Menschen nach Großbritannien eingereist. Diese Entscheidung erntete Kritik aus der Opposition. Der Vorwurf wurde laut, dass die Regierung dabei von einer für April geplanten Reise des Premierministers Johnson nach Indien beeinflusst worden sei. Die Handelsbeziehungen nach dem Brexit sollten besprochen, ein Handelsabkommen mit Indien angestrebt werden. Am 19. April wurde der Besuch aufgrund der Corona-Lage letztendlich trotzdem abgesagt. Die Richtlinien für Indien traten erst einige Tage später in Kraft.

Premierminister Boris Johnson: Sein Umgang mit der Corona-Pandemie war höchst umstritten.

Zwar ist die Impfkampagne in Großbritannien weit fortgeschritten, die Angst vor der indischen Corona-Variante wächst aber stetig. „Wir befinden uns in einem Wettlauf zwischen der Impfkampagne und dem Virus, und diese neue Variante hat dem Virus ein paar zusätzliche Beine in diesem Wettlauf gegeben, aber wir haben ein hohes Maß an Zuversicht, dass die Impfstoffe siegen werden“, so Gesundheitsminister Hancock.

Corona-Öffnungsplan in Großbritannien wackelt – Indische Variante könnte Johnson-Pläne verhindern

Eigentlich hatte Boris Johnson angekündigt, zum 21. Juni alle Corona-Maßnahmen aufzuheben. „Behutsam aber irreversibel“ wollte Johnson Großbritannien zurück in die Normalität bringen, so kündigte er es jedenfalls im Februar an. Die Ausbreitung der indischen Corona-Mutation könnte ihm jetzt aber einen Strich durch die Rechnung machen. Zwar beschränkt sich die Verbreitung des Variante B.1.617.2 bisher auf lokale Ausbrüche mit insgesamt rund 1300 Fällen – doch die Zahl verdreifachte sich innerhalb einer Woche. Experten schätzen, dass sich die indische Variante schon bald als dominant durchsetzen werde.

Die Regierung in London will zunächst trotzdem an den Lockerungen wie geplant festhalten. Die schrittweisen Öffnungen sehen vor, dass Treffen mit bis zu sechs Personen in Privathaushalten ab Montag (17.05.2021) möglich sein werden. Auch Innengastronomie, Theater, Kinos und Museen dürfen Öffnungen wieder möglich machen. Auslandsreisen sind teilweise wieder ohne Auflagen erlaubt.

Indische Corona-Variante breitet sich in Großbritannien aus – Regierung hält an Lockerungen fest

Johnson selbst warnte am Freitag (14.05.2021), dass sein Fahrplan für Lockerungen ins Stocken geraten könnte. Im Fall, dass sich die mögliche höhere Übertragbarkeit der Corona-Variante B.1.617 bewahrheitet, wäre eine neue Welle in der Pandemie nicht auszuschließen. Ob dann am 21. Juni wieder Normalität einkehren kann, will die Regierung eine Woche vorher, am 14. Juni, entscheiden.

Die Regierung von Großbritannien sieht sich massiver Kritik gegenüber. Premierminister Boris Johnson (l.) und Gesundheitsminister Matt Hancock (r.) verteidigen ihre Politik im Umgang mit der Corona-Variante aus Indien.

Auch Hancock verteidigte am Sonntag ein festhalten am Öffnungsplan. Man wisse einfach nicht genug über die Übertragbarkeit der Corona-Variante, „deswegen ist es angemessen, den Fahrplan weiterzuverfolgen.“ Die Menschen müssen aber „wachsam und vorsichtig sein“.

Die Variante breitet sich in Großbritannien immer weiter aus. Das Robert-Koch-Institut hatte Großbritannien am Freitag (14.05.2021) erneut als Corona-Risikogebiet klassifiziert, nachdem die WHO B.1.617 als „besorgniserregend“ eingestuft hatte. Nach Ansicht einiger Experten könnte die Variante bis zu 50 Prozent ansteckender sein, als die in Großbritannien vorherschende Mutation B.1.1.7. (spr/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Uk Parliament/Jessica Taylor/dpa

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