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Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien. Er gab eine Untersuchung in Auftrag, die den Rassismus im Königreich untersuchen sollte. Die Ergebnisse der Kommission sorgte für Kritik.
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Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien. Er gab eine Untersuchung in Auftrag, die den Rassismus im Königreich untersuchen sollte. Die Ergebnisse der Kommission sorgte für Kritik.

„Sklaverei verherrlicht“

Struktureller Rassismus – Untersuchung der britischen Regierung sorgt für Wirbel

  • VonSebastian Richter
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Eigentlich sollte ein Bericht der britischen Regierung über Rassismus aufklären. Die Ergebnisse der Kommission gehen für Boris Johnson aber nach hinten los.

London – In Großbritannien sorgt ein Bericht zu strukturellem Rassismus für Wirbel. Der Bericht sieht keinen strukturellen Rassismus in der britischen Gesellschaft. Für diesen Schluss hagelte es Kritik, die letztendlich im Rücktritt von Samuel Kasumu, dem ranghöchsten Schwarzen Berater Johnsons, gipfelte.

Das Papier wurde von der Kommission zu Rassismus und ethnischen Ungleichheiten (CRED) verfasst, die erst im letzten Jahr im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung ins Leben gerufen wurde. Premierminister Boris Johnson hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben. Ursprünglich sollte das Papier laut Johnson dazu beitragen, die Politik über „die wahre Natur der Barrieren und der Diskriminierung, die Minderheiten zweifelsohne spüren“, zu informieren. „Es gibt sehr ernste Probleme in unserer Gesellschaft, die mit Rassismus zu tun haben und die wir angehen müssen“, fügte er hinzu.

Bericht in Großbritannien sieht keinen strukturellen Rassismus im Königreich

Im Bericht selbst wird beschrieben, dass es im Land zwar weiterhin Vorurteile gebe, das Vereinigte Königreich aber nicht „institutionell rassistisch“ sei. Großbritannien könne „als Modell für andere Länder mit weißer Mehrheit“ betrachtet werden. Schließlich werden 24 Empfehlungen abgegeben, unter anderem wird zum Aufbau von Vertrauen zwischen Polizei und Minderheiten geraten.

Weiter wird die Behauptung aufgestellt, Rassismus und Ungerechtigkeit zwischen den Ethnien existiere zwar, allerdings haben soziale, geografische, religiöse und kulturelle Aspekte einen größeren Einfluss auf Perspektiven im Leben. Im Vorwort des Reports spricht der Kommissionsvorsitzende Dr. Tony Sewell davon, dass einige Bevölkerungsgruppen von einem „historischem Rassismus“ heimgesucht werden und es einen „Widerwillen gibt, anzuerkennen, dass das Vereinigte Königreich offener und fairer geworden“, sei.

Diskriminierung und soziale Benachteiligung wird dennoch zur Sprache gebracht. Schlechtere Arbeitsplätze und niedrigere Gehälter von Minderheiten werden thematisiert, auch höhere Raten von Diabetes und Todesraten von Müttern bei der Geburt in der Schwarzen Bevölkerung Großbritanniens werden genannt. Gleichzeitig sollen viele Minderheiten grundsätzlich gesünder sein als die Weiße Mehrheit.

„Pessimistische Narrative“ über Minderheiten in Großbritannien

Laut „taz.de“ sei es dennoch auffällig, dass die Nennung von Rassismus als Grund für die Missstände vermieden wird. Stattdessen sei oft nur von „Benachteiligung“ die Rede. Als Beispiel nennt die „taz“ die Erwähnung von Covid-19-Todesfällen unter ethnischen Minderheiten. Die Todesfälle seien laut dem Bericht nicht im Zusammenhang mit den dem Hintergrund der Personen zu sehen, sondern da sie als Pflegekräfte Corona häufiger ausgesetzt seien. Warum Personen aus ethnischen Minderheiten in diesen Bereichen öfter arbeiten, werde aber nicht erwähnt.

Dem Bericht zufolge gebe es eine „pessimistische Narrative“ bezüglich Minderheiten in Großbritannien. Immer nur die Privilegien der Weißen Bevölkerung hervorzuheben, trage wenig zum Verständnis der Umstände in Großbritannien bei. Die einzigartige Kultur von Personen mit afrikanisch-karibischen Hintergrund solle gefeiert werden, statt immer nur auf „Profit und Leiden“ der Sklaverei hinzuweisen.

Boris Johnson selbst vertritt eine ähnliche Position. Im Sommer 2020 sagte er nach dem Sturz einer Statue für eines Sklavenhändlers: „Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, uns für unsere Geschichte, unsere Traditionen und unsere Kultur zu schämen.“

Bericht zu Rassismus in Großbritannien sorgt für Kritik

Landesweit wurde Kritik am CRED-Bericht laut. So äußerten sich Antirassismusaktivisten skeptisch und empört. Der Kommission wurde vorgeworfen, das Zusammenspiel Ungleichheit schaffender Faktoren ignoriert zu haben. Marsha de Cordova, Sprecherin für Gleichberechtigung bei der „Labour Party“, warf dem Bericht die Verherrlichung der Sklaverei vor. Die Kommission würde „absichtlich versuchen, uns zu trennen“, so die Politikerin auf Twitter. Statistiken seien gezielt ausgesucht worden. Der Bericht sei „politisch motivierte Polemik, um uns zu spalten und zu verunsichern“. Er suggeriere, dass es „institutionellen Rassismus“ nicht gebe, obwohl „es Beweise für das Gegenteil“ gebe.

Einen Tag nach der Veröffentlichung des Berichts trat Samuel Kasumu, Sonderberater für Zivilgesellschaft, von seinem Amt zurück. Bis zum Mai wird Kasumu sein Amt noch behalten, bevor er ausscheidet. Erst im Februar wollte Kasumu offenbar zurücktreten, konnte dann aber von einem anderen Regierungsmitglied vom Bleiben überzeugt werden. Damals beklagte er sich über „unerträgliche“ Spannungen innerhalb der Downing Street. Johnsons konservative Partei betreibe „eine Politik, die von Spaltung durchdrungen ist“, sagte er.

Offiziell hat der Rücktritt nichts mit dem heftig umstrittenen Papier zu tun, wie ein Regierungssprecher betonte. Laut de Cordova spreche der Ausstieg allerdings Bände. (Sebastian Richter)

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