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Sturm „Eunice“ fegt über Großbritannien: Tausende weiter ohne Strom

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Von: Sarah Neumeyer

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In Teilen Europas hat Sturmtief „Eunice“ Verwüstung angerichtet. Mehrere Menschen starben. In England sorgt der Orkan für Chaos.

Update vom Samstag, 19.02.2022, 17.47 Uhr: Das Sturmtief „Eunice“ hat in weiten Teilen Europas große Verwüstungen angerichtet. Europaweit die meisten Toten gab es in den Niederlanden, wo vier Menschen starben. In Großbritannien und Deutschland starben drei Menschen, in Polen zwei. In Belgien und Irland starb jeweils ein Mensch.

Der über Irland entstandene Sturm war am Freitag (18.02.2022) über Teile des Vereinigten Königreichs, dann über Nordfrankreich und die Benelux-Staaten gezogen, bevor er in der Nacht zum Samstag auf Dänemark, Deutschland und später Polen traf. In Großbritannien wurden Rekordwindgeschwindigkeiten an die 200 Kilometer pro Stunde gemessen. Dort sind noch immer etwa 190.000 Haushalte ohne Strom, berichtet die BBC. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps sagte, er rechne noch ein oder zwei Tage lang mit Verkehrsbehinderungen.

Trümmer der Dächer von drei Häusern, die während des Sturms Eunice abgerissen wurden, liegen am Straßenrand in der Kilburn Park Road im Nordwesten Londons.
Trümmer der Dächer von drei Häusern, die während des Sturms Eunice abgerissen wurden, liegen am Straßenrand in der Kilburn Park Road im Nordwesten Londons. © James Manning/dpa

Chaos und Zerstörung: Sturm „Eunice“ fegt über Großbritannien

Erstmeldung vom Freitag, 18.02.2022, 17.13 Uhr: London - Einen Tag nach einem Sturm mit jeweils drei Todesopfern in Deutschland und Polen ist Europa erneut von einem Orkantief heimgesucht worden. Durch das international „Eunice“ und in Deutschland „Zeynep“ genannte Sturmtief kam am Freitag (18.02.2022) in Irland ein Mensch ums Leben. Ein 60 Jahre alter Mann sei durch einen umstürzenden Baum getötet worden, teilte die Polizei mit.

In Teilen von Großbritannien* brachte das Orkantief das öffentliche Leben zum Erliegen. Auch in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Belgien und Frankreich sorgte der Sturm für Verkehrsbeeinträchtigungen. Am Freitagabend (18.02.2022) kann es erneut stürmisch werden. In Deutschland rechnen Küstenschützer angesichts des Orkantiefs „Zeynep“ in der Nacht zum Samstag mit hohen Wasserständen an der niedersächsischen Nordseeküste. Es gibt Warnungen vor einer Sturmflut, Meteorologen rechnen mit einem „historischen Orkan“.

Wellen schlagen gegen den Deich in Porthcawl, Bridgend, Wales, während der Sturm «Eunice» auf die Südküste trifft. In Teilen des Landes wurde die höchste Wetterwarnstufe ausgerufen.
Wellen schlagen gegen den Deich in Porthcawl, Bridgend, Wales, während der Sturm „Eunice“ auf die Südküste trifft. In Teilen des Landes wurde die höchste Wetterwarnstufe ausgerufen. © Jacob King/dpa

Orkantief „Eunice“: Rekord-Windgeschwindigkeiten von 196 km/h

Für London gab die Wetterbehörde die erste Sturmwarnung der Alarmstufe rot heraus, seit diese Kategorisierung 2011 eingeführt worden war. Die britische Hauptstadt wirkte am Freitag wie ausgestorben. Am Millennium Dome im Südosten Londons zerstörte der Wind große Teile des Daches.

Auf der Isle of Wight vor Englands Südküste traf „Eunice“ mit Rekord-Windgeschwindigkeiten von 196 Kilometern pro Stunde auf Land. Dies sei nach vorläufiger Einschätzung „die stärkste jemals in England gemessene Bö“, teilte die britische Wetterbehörde Met Office mit.

„Eunice“ oder „Zeynep“ rollen über Europa: Heftige Schneefälle in Schottland und Nordengland erwartet

Auch für den Südosten und Südwesten Englands und den Süden von Wales galt die höchste Alarmstufe, die „Lebensgefahr“ bedeutet. An den Küsten wurde mit Überflutungen gerechnet. Für Schottland und Nordengland wurden heftige Schneefälle vorhergesagt. Millionen Menschen waren aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Die Schulen in den Sturmgebieten blieben geschlossen.
In Südwestengland fiel in mehr als 70.000 Haushalten der Strom aus, wie der Netzbetreiber mitteilte. Auf den Londoner Flughäfen wurden hunderte Flüge gestrichen, der Fährverkehr über den Ärmelkanal wurde ausgesetzt. In Wales stellten alle Züge und Busse ihre Fahrten ein.

In England gab es wegen Sturmschäden an Straßen, Brücken und Bahntrassen Verspätungen und Ausfälle im Bus- und Bahnverkehr. In London wurde der Zugverkehr während der morgendlichen Stoßzeit eingeschränkt. Mehrere Brücken wurden gesperrt.

Die britische Armee wurde wegen des Sturms in Bereitschaft versetzt. Premierminister Boris Johnson rief seine Mitbürger auf Twitter auf, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und den Aufrufen der Behörden zu folgen. Ein Vertreter der britischen Umweltbehörde warnte davor, auf der Jagd nach dramatischen Aufnahmen an die Küsten zu gehen. Dies wäre „wahrscheinlich das Dümmste, was Sie tun können“, sagte er.

Das Dach der O2 Arena im Südosten Londons wurde durch den Sturm „Eunice“ beschädigt. Stürmisches Wetter hat in Großbritannien das öffentliche Leben teilweise lahmgelegt und Zerstörung angerichtet.
Das Dach der O2 Arena im Südosten Londons wurde durch den Sturm „Eunice“ beschädigt. Stürmisches Wetter hat in Großbritannien das öffentliche Leben teilweise lahmgelegt und Zerstörung angerichtet. © Stefan Rousseau/dpa

Sturmwarnung wegen „Eunice“ in Irland: Alle Schulen geschlossen

Auch Irlands Wetterbehörde gab eine Sturmwarnung heraus. Alle Schulen in dem EU-Land blieben geschlossen. In mehr als 80.000 Haushalten und Geschäften fiel der Strom aus.

Von England aus sollte „Eunice“ nach Dänemark weiterziehen. Züge mussten dort mit verringerter Geschwindigkeit fahren, für die Nacht wurde mit der Sperrung der Brücke über den Großen Belt gerechnet.

Die Deutsche Bahn stellte den Regional- und Fernverkehr in Norddeutschland am Nachmittag schrittweise ein. Hier wurde „Eunice“ unter dem Namen „Zeynep“ mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern erwartet. Der Wetterdienst gab flächendeckende Unterwetterwarnungen für den Norden sowie die Mitte und den Osten Deutschland heraus.

Niederlande ruft Warnstufe rot aus: Hunderte Flüge und Züge gestrichen

In den Niederlanden rief die Meteorologiebehörde Warnstufe rot aus. Medienberichten zufolge wurden hunderte Flüge gestrichen, der Zugverkehr sollte am Nachmittag eingestellt werden. Auch in Belgien war der Bahnverkehr beeinträchtigt und die Behörden riefen die Bürger auf, nur in dringenden Fällen das Haus zu verlassen. In der nordfranzösischen Bretagne verursachte „Eunice“ bis zu vier Meter hohe Wellen und beeinträchtigte den regionalen Bahnverkehr.

Bereits am Mittwoch hatte der Sturm „Dudley“ in Großbritannien für Verkehrschaos und Stromausfälle gesorgt, aber keinen größeren Schaden angerichtet. Danach richtete das selbe Sturmtief unter dem Namen „Ylenia“ in Deutschland und mehreren seiner Nachbarländern Unheil an. In Deutschland starben am Donnerstag (17.02.2022) drei Autofahrer in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, auch in Polen kamen mindestens drei Menschen durch den Sturm ums Leben. (AFP) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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