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Großbritannien

Drei Monate nach Freedom Day - Droht die nächste große Corona-Welle?

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Großbritannien scheint die Corona-Pandemie weitgehend hinter sich gelassen zu haben. Fachleute warnen nun jedoch davor, dass die Freiheit nicht mehr allzu lange währen könnte.

London – In Großbritannien ist von der Corona-Pandemie nicht mehr viel zu spüren. Am 19. Juli 2021 hatte das Vereinigte Königreich alle Corona-Einschränkungen aufgehoben und den „Freedom Day“ gefeiert: Das öffentliche Leben findet seitdem wieder wie gewohnt statt. Schulen, Restaurants, Museen und viele weitere Einrichtungen können ohne Einschränkungen besucht werden. Auch Großveranstaltungen sind wieder möglich – Kontaktbeschränkungen gibt es nicht.

Expert:innen hatten nach der Bekanntgabe des „Freedom Days“ eindringlich davor gewarnt, dass die Corona-Zahlen wieder stark ansteigen würden. Bisher ist dies jedoch nicht passiert, lediglich ein leichter Anstieg ist zu beobachten. Am Mittwoch (13.10.2021) wurden laut der Website „Corona in Zahlen“ 37.855 Neuinfektionen gemeldet. Anfang August waren es etwa 29.000 Neuinfektionen täglich.

Corona in Großbritannien: Expert:innen haben trotz hohem Impfschutz Bedenken

Die Zahl der Menschen, die an Covid-19 gestorben sind, ist sogar auf 75 Fälle gesunken. Anfang des Jahres waren es teilweise mehr als 1300 Tote pro Tag, so das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Großbritannien hat mit rund 72 Prozent aber auch eine relativ hohe Quote an durchgeführten Erstimpfungen. Rund 66 Prozent sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Büroangestellte und Pendler :innen gehen während der morgendlichen Rushhour durch den Gebäudekomplex Canary Wharf in London.

Wissenschaftler:innen äußerten bezüglich des Impfschutzes jedoch auch ihre Bedenken. Koen Pouwels, Experte für den Verlauf von Infektionskrankheiten beim „Health Economics Research Center“ (HERC) in Oxford, vermutet, dass die Immunität gegen Covid-19 im Laufe der Zeit abnehmen wird, so das Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es ist ein gutes Zeichen, dass die Zahl der Menschen, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, sinkt“, sagte er. „Aber es gibt absolut keine Garantie dafür, dass dies auch so bleibt.“ Vor allem im Winter, wenn sich die Menschen häufiger in geschlossenen Räumen aufhalten werden, sei die Ansteckungsgefahr erhöht.

Corona-Pandemie in Großbritannien: Schwere Vorwürfe gegenüber Boris Johnson

Mit etwa 138.000 Corona-Toten ist Großbritannien eines der am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Länder Europas. Besonders der Winter Anfang 2020 hat Großbritannien schwer getroffen. Täglich wurden 4000 Menschen aufgrund von Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert. Grund für diese schwerwiegende Entwicklung war auch die späte Reaktion von Premierminister Boris Johnson: Während viele andere Länder bereits Anfang 2020 ihre Grenzen geschlossen und einen Lockdown verhängt hatten, beschloss er diesen erst am 23. März. Kurz darauf landete Johnson sogar selbst mit einer Covid-19-Infektion auf der Intensivstation.

Johnsons Corona-Politik wurde zuletzt auch in einem Bericht des britischen Parlaments stark kritisiert. Die Zurückhaltung und das Herauszögern eines Lockdowns zu Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr war demnach „eines der größten Versäumnisse im Bereich der öffentlichen Gesundheit“ in der Geschichte des Landes, heißt es im Untersuchungsbericht. Die gefährliche Ansicht von Politiker:innen und Berater:innen, dass man das Virus ohnehin nicht aufhalten könne und dass man auf eine „Durchseuchung“ setzen sollte, habe Menschenleben gekostet. Laut Berichten soll Johnson zum Beispiel gesagt haben, das Alter der meisten Menschen, die an Covid-19 gestorben seien, liege sowieso bereits „oberhalb der Lebenserwartung“.

Corona-Pandemie in Großbritannien – Expert:innen warnen vor Anstieg der Infektionszahlen

Aktuell sieht man viele Menschen in Großbritannien auf den Straßen, die keine Maske mehr tragen. Laut dem Wissenschaftler Koen Pouwels kam der Wandel, das Zurückkehren zur Normalität, aber keineswegs von heute auf morgen: „Es war nicht so, als ob man einen Schalter umgelegt hätte“, sagte er zufolge dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Erst nach und nach hätten sich die Menschen in Großbritannien an die neuen Freiheiten gewöhnt.

Auch wenn im öffentlichen Nahverkehr in Großbritannien offiziell noch die Maskenpflicht gilt, tragen viele Menschen keine Mund-Nase-Bedeckung. Rund drei Monate nach dem Freedom Day befürchten Expert:innen einen Anstieg der Corona-Infektionszahlen.

Wie lange die Menschen in Großbritannien diese Freiheiten noch ausleben können, ist allerdings unklar. Laut Expert:innen könnte das aktuelle Corona-Management dazu führen, dass die Zahlen bald wieder ansteigen werden. Im Verlauf des Winters könnten bis zu 60.000 Menschen an der Folge dieser Virusinfektion sterben, so die Warnung. Dabei spielten auch neue Varianten eine Rolle. Da die Bevölkerung nun schon lange Zeit keinen Grippeviren mehr ausgesetzt war, könnte es sein, dass der Kreuzschutz gegen neue Varianten niedriger sei, so Pouwels. Zudem ist die Bevölkerung nur zum Teil immunisiert, wodurch das Verbreitungsrisiko einer neuen Variante höher ist.

Corona-Pandemie an Großbritanniens Schulen: Eltern und Lehrer:innen kritisieren Impfkampagne für Kinder

Lehrer:innen und Eltern bemängeln zudem die schleppende Impfkampagne von Kindern und Jugendlichen. Der Bildungsminister Nadhim Zahawi soll keinen Überblick über die Zahlen haben, lautet einer der Vorwürfe: „Über 200.000 Kinder konnten letzte Woche aufgrund von Covid nicht in die Schule gehen und die Konservativen schlafen am Lenkrad. Nadhim Zahawi kann nicht mal sagen, wie viele Kinder geimpft wurden“, sagte Kate Green, Parlamentsmitglied und Bildungsbeauftragte der oppositionellen Labour-Partei. Zirka zehn Prozent der jungen Menschen dieser Altersgruppe sollen laut Medienberichten geimpft sein. Die Schulen sind fast ausnahmslos alle geöffnet.

Johnson zeigt sich derweil weiterhin optimistisch und setzt auf die individuelle Verantwortung der Bevölkerung. Angesichts des Winters und einer zu befürchtenden Grippewelle rief er dazu auf, dass sich noch mehr Menschen impfen lassen sollen. Gleichzeitig soll die Bevölkerung aber auch zurück in ihre Büros kehren. „Eine produktive Gesellschaft braucht dieses gewisse Etwas, das nur entsteht, wenn man sich von Angesicht zu Angesicht trifft – und durch Plaudereien am Wasserspender“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zufolge. (Anna Charlotte Groos)

Rubriklistenbild: © Victoria Jones/dpa

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