Schülerproteste in London gegen Notenvergabe
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Schülerproteste in London: Dein Algorithmus kennt mich nicht.

Corona-Krise in Großbritannien

Nach Schülerprotesten in England - Boris Johnson lenkt ein

  • Stefan Krieger
    vonStefan Krieger
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Die Corona-Krise hat in Großbritannien auch Auswirkungen auf das Bildungssystem. Weil viele Abschlussprüfungen nicht gemacht werden können, wird die Notenvergabe von Computern übernommen.

  • Wegen der Corona-Krise können in England keine regulären Schulabschlüsse gemacht werden
  • Die Regierung von Boris Johnson in London setzt zur Ermittlung der Noten auf ein Computerprogramm
  • Viele Schüler sehen sich benachteiligt

Update 18.45 Uhr: Die britische Regierung ist im heftigen Streit um Schulabschlüsse während der Corona-Krise in England umgeschwenkt. Die Abschluss-Noten werden nun doch vor allem auf Einschätzungen von Lehrern basieren. Das Ergebnis einer umstrittene Software soll nur dann zum Zuge kommen, wenn es besser ist als die Meinung der Lehrer.

Erstmeldung: Wenn der Computer die Noten macht: In England gehen die Schüler auf die Straße

Da wegen der Coronavirus-Pandemie in Großbritannien weder Prüfungen zum Abitur (A-Level) noch zur mittleren reife (GCSE) stattfinden konnten, hat das Kultusministerium die Notenvergabe einem Computerprogramm überlassen. Hintergrund dieser Maßnahme war, die nach Einschätzung des Bildungsministeriums tendenziell zu positiven Einschätzungen der Lehrer auf ein Durchschnittsniveau der vergangenen Jahre zu drücken. Das geschah mit Hilfe eines Algorithmus, bei dem viele Schüler bis um drei Notenpunkte schlechter dastanden, als dies durch ihre Lehrer empfohlen wurde. Grundlage war für das Programm neben der individuellen Einschätzung der Schülerleistung auch der Durchschnitt der Prüfungen an der betreffenden Schule aus früheren Jahren.

Corona-Krise in Großbritannien: Boris Johnson gerät unter Druck

Nun gerät die britische Regierung, allen voran Boris Johnson, wegen der angewendeten Maßnahmen in diesem Jahr immer stärker unter Druck. Es kam zu zu Protesten von Schülern, die sich benachteiligt fühlten und teilweise ihre Träume von einem Studienplatz platzen sahen, als vergangenen Donnerstag die A-Level-Resultate herauskamen.  

In London und anderen Städten Großbritanniens gingen am Wochenende Schülerinnen und Schüler gegen das in der Corona-Krise angewandte Notensystem auf die Straße. Es kam zu Protesten, bei denen auch der Rücktritt von Bildungsministers Gavin Williamson gefordert wurde. Kritisiert wurde auch, dass die durch die Software generierte Notenvergabe soclhe Schüler, die ohnehin schon benachteiligt sind, noch zusätzlich schlechter gestellt werden.

Ein von Williamson kurzfristig ins Spiel gebrachter Widerspruchsmechanismus wurde am Wochenende von der zuständigen Behörde wieder in Teilen zurückgenommen.

Zunächst hatte es geheißen, Schüler könnten durch ein Beschwerdeverfahren erreichen, dass die beste Bewertung gezählt werde, entweder aus einem Probe-Examen oder aus der Lehrer-Bewertung. Alternativ solle es möglich sein, die Abschlussprüfung im Herbst nachzuholen, was für einen Studienbeginn zum Wintersemester jedoch zu spät käme. Doch dann ruderte die Behörde zurück.

Notenvergabe in Großbritannien: Die Opposition spricht von einem Fiasko

Die bildungspolitische Sprecherin der oppositionellen Labour-Partei, Kate Green, bezeichnete das Vorgehen der Regierung von Boris Johnson als „Fiasko, das sich von der Tragödie zur Farce entwickelt“. Premierminister Boris Johnson müsse die Angelegenheit zur Chefsache erklären. Auch Lehrerverbände äußerten sich kritisch.

Bildungsminister Williamson jedoch verteidigt sein computergestütztes Verfahren zur Ermittlung der Schulnoten. Es sei notwendig, um eine Inflation der Bestnoten zu verhindern. Der Druck wächst unterdessen, denn bereits am kommenden Donnerstag sollen die GCSE-Noten veröffentlicht werden.

Schon zuvor war die Regionalregierung in Schottland mit demselben Ansatz gescheitert und hatte eine Kehrtwende gemacht. In Schottland sollen nun nach Protesten doch die Einschätzungen der Lehrer maßgeblich sein. (skr mit dpa)

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