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Halbinsel Nuussuaq auf Grönland
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Die Halbinsel Nuussuaq auf Grönland. Hier soll es viele seltene Metalle geben, die für die Produktion von Elektrofahrzeugen benötigt werden.

„Ökologisch gefährlich“

Bill Gates und Jeff Bezos: Milliardäre investieren in Rohstoff-Suche auf Grönland

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Auf Grönland sollen wichtige Metalle für Elektroautos in großer Menge vorhanden sein. Ein Projekt zweier Unternehmen könnte das arktische Ökosystem bedrohen.

Nuuk – Das britische Bergbau-Unternehmen Bluejay Mining und das Mineralerschließungs-Unternehmen Kobold Metals aus den USA unterzeichneten am Montag (10.08.2021) eine Joint-Venture-Vereinbarung. Das ausgegebene Ziel ist, auf Grönland Vorkommen von Nickel, Kupfer, Kobalt und Platin zu finden – wichtige Rohstoffe für die Produktion von Elektrofahrzeugen.

Kobold Metals setzt auf künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, um solche Rohstoffe aufzuspüren und will 15 Millionen Dollar in das Projekt investieren. Finanziell gestützt wird das Unternehmen von einer Initiative des Microsoft-Gründers Bill Gates. „Breakthrough Energy Ventures“ wurde 2015 gegründet, um gegen den Klimawandel vorzugehen und Schwung in die Erforschung sowie den Ausbau erneuerbarer Energien zu bringen, hieß es. Zu den Investoren dieser Initiative gehören weitere Milliardäre wie Amazon-Gründer Jeff Bezos, Unternehmer Richard Branson, Co-Gründer von Alibaba Jack Ma, Ray Dalio und New Yorks ehemaliger Bürgermeister Michael Bloomberg. Doch in der Wissenschaft gibt es erhebliche Bedenken am Grönland-Projekt.

Grönland: Milliardäre wollen Rohstoffe aufspüren

Grönland beschäftigt derzeit ein heikles Thema. Denn auf der größten Insel der Welt gibt es zwar eine Fülle an Rohstoffen, jedoch hat die Bevölkerung immer wieder gegen den Ausbau von Minen gestimmt. Kobold Metals erklärt, dass mit dem KI-basierten Verfahren umweltschonender Bergbau möglich sei. Man erschließe hochqualitative Erzvorkommen, die weniger intrusive Methoden zur Gewinnung bräuchten. Bluejay führe demnach jahrelange Prüfungen durch, um soziales und ökologisches Konfliktpotenzial zu identifizieren.

Die gesammelten Daten sollen ergeben, dass in dem etwa 2897 Quadratkilometer großen Landstrich bei Disko-Nuusuaq im Westen Grönlands größere Anhäufungen von Metallen zu erwarten seien. Mehr als 20 bohrbereite Ziele seien identifiziert worden, für die Bluejay neben weiteren Gebieten über Lizenzen verfügt. Diese kosteten das Unternehmen im Jahr 2017 weniger als 700.000 Dollar.

Die Bohrziele sollen nun verfeinert werden. Bis Ende 2022 stellt Kobold zunächst 3,4 Millionen Dollar in die geologische und geophysikalische Bewertung des Gebiets bereit. In Stufe zwei bis Ende 2024 investiert das Unternehmen weitere 11,6 Millionen Dollar für fünfzehn vorab vereinbarte Bohrlöcher. Im Gegenzug erhält das Unternehmen 51 Prozent der Anteile an diesem Grönland-Projekt. Nach Abschluss dieser zweiten Phase soll Bluejay die Bohrungen in den verbleibenden 49 Prozent der Fläche aus eigener Tasche finanzieren.

Milliardäre Bill Gates und Jeff Bezos investieren in umstrittenes Projekt auf Grönland

Das Unterfangen könnte dennoch in einem ökologischen Desaster enden, wie Forschende behaupten. „Im Grunde befinden sie sich direkt auf dem Ozean“, meint Jeffrey Welker, ein Professor an der Universität von Alaska, der das arktische Ökosystem seit Jahrzehnten studiert. „Potenziell schafft das einige ökologisch gefährliche Situationen bei einer Kontaminierung dieses Fjords. Jede Beeinträchtigung des Meeressystems durch irgendeine Aktivität könnte für die Bevölkerung katastrophal sein“, teilte er dem Nachrichtenportal The Daily Beast mit.

Zwar gilt der Wechsel von fossilen Brennstoffen zu einem elektrischen Antrieb von Fahrzeugen in Sachen Klimawandel als wegweisend. Zur Herstellung benötigen die Batterien und Chips der elektrischen Fahrzeuge Rohstoffe wie Lithium und Kobalt. Diese sind jedoch knapp – und der Abbau läuft nicht unbedingt sauber ab. Die New York Times berichtete im Mai beispielsweise über eine Lithium-Mine im US-Staat Nevada, die das Grundwasser drei Jahrhunderte lang verschmutzen und dabei „einen gigantischen Haufen an Abfall hinterlassen“ soll. Auch wenn die Intention gut sei, die „neuen Anforderungen unserer sauberen Energie könnten für noch größeren Schaden sorgen“, so Aimee Boulanger, von einer Initative für „verantwortlichen Bergbau“. Die Umweltbilanz von Elektrofahrzeugen bleibt mit Hinblick auf die Rohstoff-Gewinnung umstritten.

„CO2-Emissionen haben eine globale Wirkung. Wenn man diese Minen in ganz abgelegenen Gebieten eröffnet, hat das eher einen lokalen Effekt. Doch an diesen unberührten Orten wird es nie wieder so sein wie davor“, sagte der Wissenschaftsjournalist Kevin Krajick, der sich vor allem mit Diamantabbau in der kanadischen Tundra beschäftigt, gegenüber The Daily Beast.

Suche nach seltenen Metallen auf Grönland: Umwelt-Schäden durch Minen befürchtet

Darüber hinaus hat die NGO Amnesty International zahlreiche Menschenrechtsverletzungen in Minen dokumentiert, die von Batteriefirmen genutzt werden, beispielsweise Kinderarbeit und unsichere Arbeitsbedingungen in der Demokratischen Republik Kongo. „Die glamourösen Schaufenster und das Marketing neuester Technologien sind ein starker Kontrast zu den Kindern, die Taschen voller Gestein tragen sowie Minenarbeitern in engen, handgefertigten Tunneln, die permanente Lungenschäden riskieren“, steht in einem Bericht von Amnestys Mark Dummett aus dem Jahr 2016 geschrieben.

Der Weltklimarat IPCC warnt vor den Folgen des Klimawandels und ruft Alarmstufe Rot aus. Besonders Grönland ist von der Klimakrise betroffen. Aufgrund hoher Temperaturen schmelzen aktuell Milliarden Tonnen Eis am Tag.

Erst im Frühling 2021 hatte Grönland, mit einer Bevölkerung von 56.000 Menschen, das Parlament neu gewählt. Die linke Partei Inuit Ataqatigiit ging dabei siegreich hervor – was sich auch in angekündigten Beschlüssen widerspiegelt. Wie die kanadische Zeitung Nunatsiaq News berichtet, plant die Regierung Grönlands, den Abbau von Uran zu verbieten. Zudem werden keine neuen Lizenzen für die Erdölsuche vor der Küste mehr vergeben. (lrg)

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