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Griechische Demonstrierende flüchten vor Polizisten in Athen.
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Griechische Demonstrierende flüchten vor Polizisten in Athen.

Ausschreitungen

Griechenland: Polizei erschießt Roma-Jugendlichen – heftige Proteste in den Straßen

  • VonLukas Zigo
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Eine berüchtigte Polizeieinheit schießt auf ein Auto und tötet einen 20-Jährigen. In Athen brechen Proteste gegen Polizeigewalt aus.

Athen – Das Athener Stadtzentrum ist dieser Tage erneut Schauplatz von Protesten gegen ausartende Polizeigewalt. Nachdem ein 20-jähriger am Samstag (23.10.2021) durch Kugeln einer für Gewalt berüchtigten Polizeieinheit gestorben war, brachen erneut Demonstrationen aus.

Mit Tränengas und Blendgranaten ging die Polizei nahe dem Stadtteil Exachia, das als anarchistische Hochburg im Athener Zentrum gilt, gegen die Demonstrierenden vor. Studierende der umliegenden Universitäten forderten unter der Führung der starken Linken und der Anarchistischen Gemeinschaft Gerechtigkeit für den erschossenen Nikos Sempanis. Gemeinsam mit zwei anderen Jugendlichen Roma soll Sampanis Samstagabend zum Spaß ein Auto geklaut haben, bevor sie von besagter Polizeieinheit verfolgt wurden, welche daraufhin das Feuer eröffnete.

Griechenland: Richter ordert Festnahme von sieben Polizeibeamten an

Ursprünglich berichtete die Polizei, sie habe das Feuer eröffnet, nachdem der Fahrer das gestohlene Auto rückwärts in die Polizeibeamten hineinfuhr. Es wurden etwa 30 Schüsse auf das Auto abgegeben. Ein Richter in Athen beorderte die Festnahme von sieben Polizisten wegen eines Tötungsdeliktes, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Polizei im Nachgang des Vorfalls keinerlei Verletzungen vermeldete.

Ein 16-jähriger Beifahrer wurde in den Bauch getroffen und befindet sich weiter in einem Athener Krankenhaus in Lebensgefahr. Ein 15-jähriger Passagier entkam unverletzt. Er hat sich noch nicht gestellt.

Erneute Proteste gegen Polizeigewalt in Griechenland

Der Vorfall hatte schwere Proteste zur Folge. Dienstags Proteste folgten auf eine Nacht von Straßenschlachten. Demonstrierende bewarfen die Polizei mit Molotow-Cocktails von Dächern, worauf die Polizei mit dem Abfeuern diverser nicht tödlicher Waffen, sowie gewalttätigen Schlägen reagierte. Nach den Ausschreitungen von Montagnacht vermeldeten linke Gruppen, dass einige Mitglieder verhaftet wurden, wieder andere seien im Krankenhaus gelandet.

Lokalen Medienberichten zufolge ist das Special Intervention Team (SIT), eine per Motorrad eingesetzte Polizeieinheit zur Bekämpfung gewalttätiger Zwischenfälle, für die Schießerei in Perama, ein Vorort von Piräus, verantwortlich. Es wird angenommen, dass besagte Einheit ihre Kommunikationen von Funk auf die Nachrichten-App Viber über Smartphones gewechselt hat, um sicherzugehen, dass ihre Verständigung geheim bleibt.

Griechische Polizeibeamte beunruhigt über Selbstkontrolle einzelner Einheiten

Diese Entdeckung beunruhigt einen griechischen Polizeibeamten, welcher der Situation geschuldet Anonymität erbittet, zutiefst. Gegenüber Vice World News merkte er an, der Wechsel auf Viber, sei „natürlich, um zu verhindern, dass Vorgesetzte und Medien ihre Befehle und Organisation mitbekommen.“

„Die heutigen Informationen, dass diese Einheit ein verschlüsseltes Messenger-System anstelle der Funkgeräte verwendet hat, wie es die korrekte Vorgehensweise ist, ist sehr ärgerlich“, sagte der Polizeibeamte. „Diese Sondereinsatzeinheit operiert durch ihr eigenes Kommando und jetzt haben wir erfahren, dass dieses Kommando im Geheimen erteilt wird.“ Der Beamte berichtet darüber hinaus, die SIT Einheit habe am Dienstag eine neue Viber Nachricht ihrer Kommandeure erhalten: Bleibt fern von Roma-Gemeinschaften und macht nur Verhaftungen mit Zustimmung des zentralen Kommandos.

Mehr als 270.000 Roma, eine eigenständige ethnische Gruppe, die Romani oder Sinte spricht, leben hauptsächlich in etwa 70 Vorstadtsiedlungen im ganzen Land. Der griechischen Polizei wird seit langem Brutalität gegenüber einer Gemeinschaft vorgeworfen, welcher dem Europarat zufolge seit langem das Recht auf politische Vertretung in der Region verweigert wird. (Lukas Zigo)

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