Prozessbeginn

Dem Grauen stellen

Prozess im Mordfall Sophia L. beginnt.

Warum musste die Studentin Sophia L. sterben? Diese Frage soll nun beantwortet werden. Am Dienstag (23. Juli) beginnt am Landgericht Bayreuth der Prozess gegen einen 1977 in Marokko geborenen Lastwagenfahrer. Er soll die 28-jährige Frau ermordet haben. Zwölf Verhandlungstage mit 17 Zeugen und drei Sachverständigen sind angesetzt, um herauszufinden, was wirklich geschehen ist. „Wir erwarten, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Als Angehöriger will man sie wissen, auch wenn sie noch so grausam ist“, sagt Sophias Bruder Andreas L.

Fest steht: Die Germanistik-Studentin wollte im Juni 2018 von ihrem Studienort Leipzig in Richtung Nürnberg trampen. Von dort wollte sie weiter zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Doch dort kam Sophia nie an. Ihr Bruder sagt, Sophia sei häufiger getrampt und habe noch während der Fahrt Nachrichten per Handy-Messenger gesendet.

Kritik an Arbeit der Polizei

An einer Tankstelle an der Autobahn 9 in Sachsen soll der Lastwagenfahrer die Tramperin mitgenommen und laut Anklage später ermordet haben. Der genaue Tathergang ist unklar. Der Angeklagte gab laut Gericht an, die Studentin bei einer Auseinandersetzung getötet zu haben. Als Tatort wird Oberfranken vermutet. Der Fahrer wurde in Spanien festgenommen. Dort wurde auch Sophias Leiche entdeckt, einige Tage nachdem ihre Familie sie als vermisst gemeldet hatte.

Die Eltern der Studentin und ihr Bruder treten im Prozess als Nebenkläger auf. Die Familie hat wiederholt die Arbeit der deutschen Ermittler kritisiert. Sie hätten Sophia lange als Vermisstenfall eingestuft, obwohl von Anfang an der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen vorgelegen habe. Auch habe die Kommunikation zwischen den Bundesländern Bayern und Sachsen nicht funktioniert. „Es kann nicht sein, dass man sich drei Tage darüber streitet, wer zuständig ist“, sagt Andreas L. Die spanische Polizei habe hingegen „vorbildlich“ gearbeitet.

Auch vor dem Prozess weist L. erneut darauf hin, dass es nicht um Gewalt von Geflüchteten gehe, sondern um Gewalt gegen Frauen. Hintergrund ist, dass Rechtspopulisten versucht hätten, Sophias Tod zu instrumentalisieren. Unter anderem hatten Teilnehmer einer AfD-Demo in Chemnitz im vergangenen Jahr das Foto der Studentin im Großformat durch die Innenstadt getragen. „Wir lassen nicht zu, dass das Andenken an unsere Sophia für ausländerfeindliche Zwecke missbraucht wird“, hatte die Familie danach erklärt.

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