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Die insolvente „Gorch Fock“-Werft im niedersächsischen Elsfleth.

Werft

Gorch Fock: Zwischen Reeperbahn und Elbchaussee

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„Gorch Fock“-Werft: Geschäftsverbindungen des Ex-Vorstands führen offenbar auch ins Hamburger Rotlichtmilieu

Das Landgericht Hamburg hat entschieden: Marcus Reinberg, einer der beiden früheren Vorstände der insolventen „Gorch Fock“-Werft im niedersächsischen Elsfleth, darf nicht über sein volles Vermögen verfügen. Vermögenswerte in Höhe von 8,4 Millionen Euro bleiben laut Gerichtsbeschluss weiter gepfändet – sprich „arrestiert“.

Damit kann die neue Werftführung an der Weser auf das Vermögen zugreifen. Nach Überzeugung der Zivilkammer gebe es ausreichend Anhaltspunkte, dass der inzwischen insolvente Schiffbaubetrieb einen Schadenersatzanspruch in dieser Höhe gegen den früheren Vorstand habe, sagte ein Gerichtssprecher nach der Urteilsverkündung.

Zu den beschlagnahmten Vermögenswerten zählt demnach unter anderem eine Villa an der Hamburger Elbchaussee. Reinberg wollte der Pfändung eigentlich zuvorkommen und das Haus in bester Lage verkaufen. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die das Redaktions Netzwerk Deutschland (RND) einsehen konnte. Querverbindungen führen demnach ins Hamburger Rotlichtmilieu.

Demnach ist der Verkauf der Immobilie sogar bereits besiegelt. Der Vertrag nennt einen Kaufpreis in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro. Das Geld wäre unverzüglich geflossen, wenn das Gericht die Pfändung aufgehoben hätte. Reinbergs Anwalt bestätigte dem RND auf Anfrage denn auch den beabsichtigten Verkauf. Zu Details machte er allerdings keine Angaben.

Als Käufer weist das Grundbuch die Machida Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz in Boostedt bei Neumünster in Schleswig-Holstein aus. Betreiber sind laut Wirtschaftsauskunft Creditreform die Anwälte A. als Gesellschafter und B. als Geschäftsführer (Namensabkürzungen wurden von der Red. geändert).

Clans und Kiezgrößen

A. verwaltet Immobilien im Hamburger Rotlichtmilieu, eine in der Herbertstraße auf St. Pauli, eine andere in Lokstedt. Eines der Etablissements, der „Funny Nightclub“, gilt als Edel-Bordell. A. trat 2008 im sogenannten Osmani-Prozess gegen die als Kiezgrößen bekannt gewordenen Geschäftsleute Burim und Bashkim Osmani als Verteidiger auf.

B. indes ist am legendären, mittlerweile allerdings insolventen Café Keese auf der Hamburger Reeperbahn beteiligt gewesen. Die Immobilie gehörte lange Zeit Burim Osmani. B. trat vor vier Jahren beim Bau eines Studentenwohnheims in Hamburg St. Pauli erneut an der Seite Osmanis in Erscheinung: die Kiezgröße als Gesellschafter der ausführenden Grundstücksgesellschaft Stellingen (GGS), B. als Geschäftsführer.

Der Osmani-Clan, dem weitere Personen dieses Namens angehören, besitzt in Hamburg zahlreiche Immobilien. Burim Osmani kam vor mehr als 30 Jahren nach Hamburg, stieg in den 90er Jahren zum härtesten Rivalen des legendären Kiez-Königs Willi Bartels (1914 bis 2007) auf und kaufte auf St. Pauli eine Immobilie nach der anderen. In den vergangenen Jahren ist es aber eher ruhig um den Osmani-Clan geworden.

Das Hamburger Verfahren steht im Zusammenhang mit der Sanierung des Marine-Schulschiffes „Gorch Fock“ und der Insolvenz der Elsflether Werft. Mitten in der millionenteuren Sanierung hatte die Werft am 20. Februar Insolvenz angemeldet. Sie konnte ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Bei einem Kassensturz vor dem Insolvenzantrag fehlten rund 20 Millionen Euro.

Statt geplant knapp zehn sind mittlerweile bereits 70 Millionen Euro in die Sanierung der „Gorch Fock“ geflossen. Parallel zu den Pfändungen ermittelt die Osnabrücker Staatsanwaltschaft. Der Verdacht auf Untreue und Korruption steht im Raum. Sowohl Reinberg als auch dessen früherer Vorstandskollege Klaus Wiechmann beteuern nach wie vor ihre Unschuld. Die Anwälte A. und B. wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

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