Goldene Hennen für Christo, Gauck und Lena

Eine Feier für 20 Jahre Deutsche Einheit: Bei der Vergabe des ostdeutschen Medienpreises Goldene Henne wurde am Mittwochabend der Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck für seinen Einsatz um Freiheit und Bürgerrechte geehrt.

Berlin. Eine Feier für 20 Jahre Deutsche Einheit: Bei der Vergabe des ostdeutschen Medienpreises Goldene Henne wurde am Mittwochabend der Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck für seinen Einsatz um Freiheit und Bürgerrechte geehrt.

Verpackungskünstler Christo (75) erhielt die Trophäe für sein Lebenswerk. Weitere Preisträger waren etwa Lena, der chinesische Starpianist Lang Lang sowie Verteidiger Arne Friedrich im Namen der Deutschen Nationalelf.

Zu Ehren von Christo wurde während der dreistündigen Gala der Friedrichstadtpalast mit weißen Planen verhüllt - ähnlich, wie es der Künstler zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude 1995 mit dem Reichstag gemacht hatte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte: "Mit dieser Kunstaktion haben Sie der Welt ein anderes, neues Deutschland gezeigt - ein kreatives, heiteres Deutschland, das wir uns so nicht zugetraut hatten."

Für Christo war es der erste Berlin-Besuch nach dem Tod von Jeanne-Claude im vergangenen Jahr. "Ich bedauere sehr, dass sie nicht mehr da ist. Sie könnte so viel sagen", erklärte der Künstler sichtlich gerührt. "Ich spreche nur über unsere Arbeit, über sonst nichts."

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erinnerte in seiner Laudatio auf Gauck an die Welle der Unterstützung, die der ehemalige DDR-Bürgerrechtler im Juni bei seiner Kandidatur für das höchste Staatsamt erhalten hatte. "Er hat viele Bürger elektrisiert und interessiert. Er kann sowohl Herzen als auch den Verstand ansprechen."

Gauck nannte sich selbst einen glücklichen Verlierer. "Wir Deutschen können Freiheit", sagte er. "Wenn wir nicht so trübsinnig aus der Wäsche gucken, werden uns auch junge Leute folgen."

Ein Beispiel für jugendliche Begeisterungsfähigkeit gab Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrut. Die 19-Jährige erhielt den Ehrenpreis als "Charme-Botschafterin" Deutschlands. Ihr sei es gelungen, ein optimistisches, unverkrampftes Lebensgefühl zu vermitteln, sagte Laudator Kai Wiesinger. "Das ist ja echt krass, jetzt krieg' ich ne Goldene Henne", brachte sie nur heraus.

Die Trophäe wird von der Illustrierten "Superillu", dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und dem Friedrichstadtpalast verliehen. Der Preis erinnert an die 1991 gestorbene Entertainerin Helga "Henne" Hahnemann. Fünf der insgesamt zehn Auszeichnungen vergibt eine Jury, den Rest Leser und Zuschauer.

Schlagersängerin Helene Fischer (26) freute sich, die dritte Henne in ihren "Hühnerhof" mitnehmen zu können. "Das ist der inoffizielle Hennenrekord", sagte Moderatorin Miriam Pielhau. Das Fernseh-Duo Günter Netzer und Gerhard Delling, das bei der Fußball-WM zum letzten Mal gemeinsam vor der Kamera stand, erhielt die Auszeichnung für seine jahrelange Doppelmoderation von Fußball-Länderspielen. "Jetzt haben wir schon ein Problem - es ist nur eine Henne", frotzelte Delling.

In der Kategorie Schauspiel wurden Janina Hartwig (49) und Fritz Wepper (59) für ihre gemeinsame Arbeit in dem ARD-Quotenrenner "Um Himmels Willen" ausgezeichnet. Den Ehrenpreis für soziales Engagement erhielt das Berliner Ehepaar Barbara und Michael Kaasch, das mit seinem Verein HaitiCare ein Schul- und Kindergartenprojekt im dortigen Erdbebengebiet betreibt.

Zur Aufsteigerin des Jahres kürten die Zuschauer in einer Telefonabstimmung die Fußballspielerin Anna Felicitas Sarholz (18), die seit ihrem Bundesligadebüt 2009 ihre Klasse immer wieder unter Beweis gestellt hat. "Ich stehe lieber im Tor als auf der Bühne", gestand sie.

Für Stimmung im ausverkauften Friedrichstadtpalast sorgten Künstler wie die schwedische Soulsängerin Amanda Jensson, die walisische Mezzosopranistin Katherine Jenkins und die ostdeutsche Kultband Silly. RBB-Intendantin Dagmar Reim war rundum zufrieden. "Die Henne ist von einem ostdeutschen zu einem gesamtdeutschen Preis geworden", sagte sie. (dpa)

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