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„Frida Kahlo“ auf Graubrot.

Kunst aus Lebensmitteln

Ein van Gogh aus mittelscharfem Senf

Mit Essen spielt man nicht? – Das Sprichwort hält nicht alle davon ab, sich mit Brot, Lakritze und Gurkenkernen als Künstler zu versuchen.

Wer noch ein paar Reste im Kühlschrank rumliegen hat, kann sich als Künstler versuchen. Bei Twitter und auf Instagram finden sich zahlreiche Beispiele, wie verschiedene Nutzer bekannte Werke auf Brot nachbauen. Für Vincent van Goghs „Sternennacht“ eignen sich beispielsweise Schwarze Johannisbeeren, Quark und ein Klecks Senf, vielleicht die Tube „mittelscharf“. Die „Mona Lisa“ bekommt mit Brotrinde und Champignons Kontur. Und Gustav Klimts „Der Kuss“ zeigt Lakritz und Gurkenkerne.

Nun ist aus dem Schlagwort #KunstGeschichteAlsBrotbelag, das im vergangenen Sommer aufkam, ein Buch geworden. Die Herausgeberin Marie Sophie Hingst hat einiges ausprobiert. Schlecht funktioniere, was schnell flüssig werde. Etwa Honig. Ihr Vater habe auch mit Gänseschmalz experimentiert, was sich ebenfalls als komplex erwiesen habe.

„Ansonsten ist der Kühlschrank eine unerschöpfliche Quelle von Kunstmaterial. Man kann eigentlich kaum was Besseres finden“, sagt die 31-Jährige Hingst. Die promovierte Historikerin mit deutschen Wurzeln lebt in Irland. Sie hat einen Blog und mit der Brotkunst im Internet angefangen.

Lecker: Klimts „Der Kuss“ auf Toast

Ihr erstes Brot war ein Nachbau eines abstrakten Werks von Piet Mondrian. „Das ist ja relativ symmetrisch. Und ich dachte, das sei ein ganz gutes Brot, um sich mal warm zu laufen.“ Es sei mit Tomaten, Käsewürfeln, Heidelbeeren und Ziegenfrischkäse belegt gewesen. Nach und nach hätten sich mehr Menschen angeschlossen.

Eine ihrer Ideen hinter dem Projekt: Das Internet aktiv mitgestalten. Das Internet werde oft dafür verantwortlich gemacht, dass es einen Rückgang an Bildung gebe. Diese Auffassung könne man teilen oder nicht, aber es gebe selten Vorschläge, was man tun könne, um Leuten Lust auf Thomas Mann oder Johann Wolfgang von Goethe zu machen.

Sophie Hingst

Sie habe überlegt, was man Konstruktives tun könne. Brot sei ein sehr deutsches Lebensmittel. „Jeder, der länger im Ausland lebt, wird von deutschen Besuchern gefragt: „Wie kommst Du denn mit dem Brot zurecht?“, sagt Hingst. Was viele damit meinten: Wie man nur mit Toastbrot überleben könne. „Das finde ich etwas so Charmantes.“ Sie habe damit das Internet zur Ausstellung machen wollen.

„Das ist einer der großen Dreh- und Angelpunkte, die mich bewegen: Wie können wir eigentlich selbstbestimmte und aktive Bürger dieses Internets werden?“, sagt Hingst. Dass so viele mitmachen, hätte sie nicht erwartet. Manche haben ein Selbstporträt der Mexikanerin Frida Kahlo nachgebaut, andere Yves Kleins „Monochrom Blau“. Für das Buch hätten sie auch ein paar „Auftragsbrote“ vergeben, damit mehr Originalwerke von weiblichen Künstlern dabei seien, sagt Hingst.

Viel Gemüse: die „Mona Lisa“.

Basteln mit Essen, damit dürfte so mancher Erfahrung haben. Stichwort Mettigel. Die Satirezeitschrift „Titanic“ hat mal zum „Basteln mit Bier“ aufgerufen. Und Eltern versuchen seit jeher, ihren Kindern mit Tricks Gesundes unterzujubeln. Zum Beispiel mit einem gezackten Zauberapfel. Aber auch in der Kunstgeschichte gibt es Beispiele, in denen sich Essen wiederfindet. Der Italiener Giuseppe Arcimboldo malte im 16. Jahrhundert Gemüsemenschen. Gesichter aus Rüben und Zwiebeln, Trauben und Äpfeln. Die Schweizer Peter Fischli und David Weiss arrangierten vor 40 Jahren Wurst und Abfälle. Es entstand die „Wurstserie“.

Heute bauen manche mit Wurstscheiben den US-Präsidenten Donald Trump nach. Aber darf man mit Essen spielen? Im Deutschen gibt es dazu ein eindeutiges Sprichwort. Auch Hingst wird immer wieder gefragt, ob man mit Lebensmitteln Quatsch machen darf. Sie glaube zum einen daran, dass Kunst alles dürfe, sagt Hingst. Zum anderen denke sie, dass das Projekt zu einer Auseinandersetzung mit Ressourcen und Lebensmittelverschwendung führen könne. Sie hoffe, dass man damit - ohne erhobenen Zeigefinger – auch darauf aufmerksam mache, was man habe. Und ob man Brot noch so schätze, wie man sollte. (Julia Kilian, dpa)

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