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"Boggle" hat es wirklich in sich, findet unser Autor.

Adventskalender

Glück? Ist was für Anfänger

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FR-Adventskalender, 4.12: Bei "Boggle" hat jeder Mitspieler die gleichen Voraussetzungen, Glück oder Pech spielen keine Rolle.

Mit Spielen ist es ja grundsätzlich so eine Sache. Nicht jedes ist für jeden etwas. Für mich ist zum Beispiel „Mensch ärgere dich nicht“ nichts. Schon der Name ist völlig daneben. Natürlich ärgere ich mich, wenn ich mit meiner letzten Spielfigur kurz vor dem Ziel stehe – und geschmissen werde. Mit keinem anderen vergleichbar prominenten Spiel auf der Welt lässt sich wohl so leidenschaftlich anprangern, worauf letztlich allzu viele Spiele basieren: auf Glück. Ob es einen Würfel zu werfen oder eine Karte zu ziehen gilt – in beiden Fällen entscheidet nicht das eigene Geschick, sondern maßgeblich der Zufall darüber, wer gewinnt oder verliert.

Zum Glück, ich meine, Gott sei Dank habe ich da meine Lieblings-Alternative schon gefunden: „Boggle“. Zugegeben, der Name klingt erst mal wenig überzeugend, mag den einen oder anderen vielleicht sogar buchstäblich „scheuen“ lassen, wie es das englische Wort „to boggle“ bedeutet. Das wäre allerdings ein Jammer, denn „Boggle“ hat es wirklich in sich – und funktioniert so, dass jeder Mitspieler die gleichen Voraussetzungen hat, ohne die alles entscheidende Frage, ob er Glück beim Würfeln oder Pech mit den ausgeteilten Karten hat.

Man stelle sich eine Art quadratischen Untersatz vor, auf dem ein Raster für vier mal vier Würfel angebracht ist. Auf den darinliegenden Würfeln sind keine Zahlen, sondern Buchstaben aufgedruckt. Wie bei einer Kuchenplatte mit Haube gibt es auch für den kleinen Würfel-Teller einen Deckel – damit kräftig und laut geschüttelt werden kann, bis alle Würfel eingerastet sind und der Deckel entfernt werden kann. Weiter braucht es nichts als eine Sanduhr als Timer und pro Mitspieler Zettel und Stift.

Und los geht’s (übrigens auch zeitgleich, woran es beispielsweise auch bei Schach hapert, glaubt man dem Spruch: „Weiß beginnt, Schwarz gewinnt“...)

A S O R

C H T O

L E F N

O S S U

Sagen wir mal, allen Mitspielern präsentiert sich nun exakt dieses exemplarisch abgebildete Buchstaben-Gitter. Nun gilt es, so viele Wörter wie möglich zu finden und aufzuschreiben. Nun mag man einwenden, dass auch hier Würfel im Spiel sind. Aber anders, als etwa bei „Mensch ärgere dich nicht“, schafft gerade das Würfel-Ergebnis allen Mitspielern die gleiche Voraussetzung. Jetzt entscheidet allein das Geschick des Einzelnen, in dem Buchstaben-Gitter sinnvolle Worte auszumachen. Und das geht mit allen Buchstaben, die sich berühren – egal, ob Kante an Kante oder Ecke an Ecke, ob vorwärts, rückwärts, dann wieder diagonal oder horizontal und um die Ecke.

Das „Tor“ haben Sie sicher schon gefunden, aber haben Sie auch den „Tor“ notiert? Denn was zählt, ist nicht nur die einmalige Buchstabenfolge, sondern auch jede x-beliebige, im Duden stehende Bedeutung hinter einem möglichen Lexem. So ließe sich hier etwa gleich dreimal

S C H L O S S notieren – das Schloss an der Tür und das Anwesen, aber auch das Präteritum von „auf etwas schließen“. Haben Sie es auch entdeckt? Dann unbedingt dreimal notieren, denn Punkte gibt es nicht für jedes aufgeschriebene Lexem, sondern für jeden Buchstaben, aus dem ein Lexem besteht. Je länger also die gefundenen Worte, desto besser. S C H L O S S bringt also dreimal sieben Punkte.

Ganz Gewiefte kämen vielleicht sogar darauf, das archaisierende S C H L O S S E zu notieren, um zwei Extrapunkte zu ergattern. Es lohnt sich also, vorab in eigener Regie zu klären, was gilt und was nicht – um nach jeder Runde hitzige Diskussionen beim Abgleichen und Punktezählen zu vermeiden. Gilt in dem Fall also F U N? Selbst wenn es der Duden kennt, so doch nur mit dem Hinweis „engl.“... Der Spaß ist aber in jedem Falle garantiert. Und zugegeben: Ein bisschen Ärger gehört wohl doch zum Spielen dazu ...

„Boggle“ wurde von dem Amerikaner Alan Turoff erfunden und ist 1972 bei „Parker Brothers“ in den USA erschienen.

1978 brachte „Parker“ die erste deutsche Version auf den Markt, „Hasbro“ 2004 eine Neuauflage.

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