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Glaube, Liebe, Täuschung

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Von: Boris Halva

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Ein Heiratsschwindler fliegt nach 14 Ehen auf - und ein katholischer Priester stolpert über das Wörtchen „wir“

Immer wieder heißt es, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn der Mensch mehr vom „Wir“ und weniger vom „Ich“ spräche. Aber wer die Gemeinschaft der Willigen dem Wettstreit der Ichbezogenen vorzieht, muss angesichts folgender Meldung ganz stark sein, um nicht vom Glauben abzufallen. So wurde dieser Tage bekannt, dass in einer katholischen Pfarrgemeinde in Phoenix, Arizona, möglicherweise Tausende Taufen ungültig sind, weil der Priester die falsche Taufformel verwendete. Wie diverse US-Medien berichteten, verwendete Pater Andres Arango den Plural statt des Singulars und sagte „Wir taufen euch im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Korrekt gewesen wäre „Ich taufe euch“.

Der aus Brasilien stammende Priester hat sein Amt Anfang Februar niederlegt, und Bischof Thomas J. Olmsted legte inzwischen dar, warum das „Wir“ unzulässig ist: „Es geht darum, dass es nicht die Gemeinde ist, die eine Person tauft, sondern vielmehr Christus, und Christus allein, der allen Sakramenten vorsteht.“ Er glaube zwar nicht, dass der Pater in böser Absicht gehandelt habe, aber es sei nun mal so, dass bei einer ungültigen Taufe auch andere Sakramente wie Kommunion, Firmung und sogar Eheschließungen ungültig werden könnten, da die Taufe das erste der sogenannten Initiationssakramente sei.

Noch ist unklar, wie viele Menschen mit der falschen Formel getauft wurde, aber es sollen Tausende sein. Pater Arango schrieb, er bereue seinen „Irrtum“ zutiefst und wolle nun alles in seinen Kräften Stehende tun, um den Schaden wiedergutzumachen.

Ganz und gar nicht reuig zeigt sich ein Mann aus Indien , der seit den Achtzigerjahren mit mindestens 14 Frauen den Bund des Lebens besiegelt hat – allerdings ohne der aktuellen Braut zu verraten, dass sie nicht die einzige ist. Was wiederum nicht verwundert, wenn man weiß, dass es dem indischen Casanova nicht um die inneren, sondern einzig um die Werte ging, die sie auf Konten und in Tresoren verwahrten. Mehrere Hunderttausend Euro soll der Mann, der Anfang der Woche festgenommen worden ist, den Damen seiner Wahl abgeschwatzt haben. Wie die Polizei in Neu Delhi mitteilte, habe der Heiratsschwindler „seine Opfer über Hochzeitsvermittlungen im Internet und soziale Netzwerke kontaktiert und sich dabei als Arzt und hochrangiger Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums ausgegeben“. Er habe es auf gut gebildete Frauen mittleren Alters und Geschiedene in höheren Positionen abgesehen – etwa auf eine Anwältin beim Gericht oder eine hohe Beamtin bei den bewaffneten Polizeistreitkräften . Sie hätten emotionale Sicherheit gesucht, hieß es.

Wie der Galan daraus Kapital schlagen konnte, das geht aus der Polizeimeldung nicht hervor. Sicher ist nur, dass er seine Bräute immer schon wenige Tage nach der Hochzeit allein zurück ließ mit dem Verweis darauf, er sei kurzfristig versetzt worden. Erstaunlich ist auch, dass der Mann, dessen Alter laut Polizei „unklar“ ist, im Jahr 2011 schon einmal wegen „anderen Geldbetrugsfällen“ festgenommen worden war. Offenbar war ihm von Nutzen, dass er zu dieser Zeit eine Identität angenommen hatte, mit der er sich unbeschadet aus der Affäre ziehen konnte. Zum Verhängnis wurde ihm schließlich, dass seine letzte Angetraute von den anderen Ehen Wind bekommen hatte und zur Polizei ging.

Die nahm sich der Sache an: Denn auch wenn eine Ehe in Indien in einer religiösen Zeremonie geschlossen werden kann und nicht unbedingt vom Standesamt zu besiegeln ist, so gilt doch, dass die meisten Menschen nur eine Person des anderen Geschlechts heiraten dürfen. So steht es zumindest in der Meldung über den Hochstapler. Was ja – genau genommen – hieße, dass diejenigen, die sich der Gruppe der „meisten“ nicht zugehörig fühlen, so viele Personen des eigenen Geschlechts heiraten dürfen, wie sie wollen. Oder ist das jetzt totaler Quatsch?

Wie auch immer: Weil das doch ein recht schmaler Grat ist, auf den sich Brautleute mit dieser Auslegung begeben, so sei dazu geraten, die Zeremonie in die Hände eines Geistlichen zu legen, der sich einer falschen Formel bedient, so dass man das Ganze später für nichtig erklären kann, sollte jemand Einspruch gegen die Vermählung erheben. Zumindest von einem Priester ist bekannt, dass er bis auf weiteres keine Termine hat. Boris Halva

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